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Martin Kaymer gewann 2014 in Schottland mit Europa den Ryder Cup
Martin Kaymer gewann 2014 in Schottland mit Europa den Ryder Cup © Getty Images

St. Leon-Rot - Der Ryder Cup 2022 bekäme in Deutschland eine Sonderbehandlung wie die Fußball-WM 2006 - was die Bewerbungschancen erhöht. Der Fiskus denkt beim Stellenwert des Golfs um.

DGV-Präsident Claus M. Kobold sprach vom "glücklichsten Tag in meinem Golfleben", der Chef der deutschen Bewerbungskampagne um den Ryder Cup 2022 wollte jedoch (noch) nicht jubeln.

"Das ist ja nur ein Teil der Bewerbung", warnte Marco Kaussler. Ein kurzes Lächeln entlockte die versprochene Steuerbefreiung für den traditionellen Kontinentalvergleich zwischen Europa und den USA Kaussler am Ende aber doch: "Das ist die beste Hilfe, die Deutschland geben kann."

Als "Meilenstein" bezeichnete der Geschäftsführer der Ryder Cup Deutschland GmbH die am Freitag getroffene Entscheidung nach einer Sitzung der Bundesländer mit Vertretern des Bundesfinanzministeriums (BFM).

Denn sollte das A-Rosa-Resort am Scharmützelsee in Bad Saarow in diesem Herbst den Zuschlag bekommen, würde der Ryder Cup, was die Steuern angeht, behandelt werden wie die Fußball-WM 2006 oder das Champions-League-Finale in diesem Jahr in Berlin.

Positives Signal auch vom DFB

"Wir haben es geschafft, die Bedeutung des Sports in Deutschland herauszuarbeiten", meinte Kobold, Boss des Deutschen Golf Verbandes (DGV), am Rande des Solheim Cups in St. Leon-Rot.

Beim Solheim Cup gibt der St Leon-Rot Golf Club seine Visitenkarte auch für einen Ryder Cup ab
Beim Solheim Cup gibt der St Leon-Rot Golf Club seine Visitenkarte auch für einen Ryder Cup ab © Getty Images

Den nutzte er dann auch gleich, um eine forsche Ansage an die veranstaltende Ryder Cup Europe LLP zu schicken: "Wir haben gesagt, dass wir liefern. Und dass Deutschland liefern kann, sieht man ja."

Angeblich hatte Kobold während des Bewerbungsprozesses "von allen Spitzenverbänden des Deutschen Olympischen Sportbundes ein positives Votum" erhalten. Sogar der Deutsche Fußball-Bund (DFB), immerhin mitgliederstärkster Verband der Welt, habe ein Schreiben geschickt.

Eine gewisse Genugtuung war nicht zu überhören, als Kobold die "unbeschreibliche Leistung" der vergangenen Tage und Wochen lobte.

Noch vor Tischtennis und Schwimmen

Denn Aussagen aus dem Finanzministerium, die das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am vergangenen Samstag verbreitet hatte, waren in der vergangenen Woche für den Golfsport in Deutschland noch wie ein Schlag ins Gesicht gewesen. So wurde Golf ohne Wenn und Aber als Randsportart bezeichnet, "die lediglich von einer Minderheit betrieben wird".

Die nackten Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Der Deutsche Golf-Verband (DGV) war 2014 mit 637.735 Mitgliedern der zehntgrößte deutsche Sportverband, beispielweise vor Tischtennis (12.), den Schwimmern (13.) und dem Skiverband (14.).

In den Top 50 lagen insgesamt 22 olympische Fachverbände hinter dem DGV.

2018 an Frankreich gescheitert

"Deutschland hat nun erkannt, welchen Stellenwert und welch positive Effekte der Ryder Cup hat", sagte Kaussler. Es gelte nun, die Stärken der Bewerbung noch einmal herauszuarbeiten, "es liegt noch viel Arbeit vor uns", sagte Kaussler.

Mitbewerber sind Österreich, Italien und Spanien. Deutschland war mit seiner Bewerbung um den Ryder Cup 2018 unter anderem an Frankreich gescheitert, weil das Finanzministerium kein Steuerprivileg eingeräumt hatte.

Das soll beim Rennen ums Spätsommermärchen 2022 nicht der Fall sein. "Zu toppen ist das jetzt nur noch, wenn mich Marco anruft und sagt, dass wir einen unterschriebenen Vertrag haben", sagte Kobold. Die Chancen jedenfalls sind seit Freitag deutlich gestiegen. 

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