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Nadja Nadgornaja (l.) traf gegen Montenegro nur ein Mal
Nadja Nadgornaja (l.) traf gegen Montenegro nur ein Mal © getty

Zagreb - Die DHB-Frauen sind gegen Montenegro viel zu harmlos im Angriff und ziehen gegen den Titelverteidiger deutlich den Kürzeren.

Die letzte Chance ist vergeben: Der Medaillentraum ist für die deutschen Handballerinnen bei der Europameisterschaft in Ungarn und Kroatien vorzeitig geplatzt.

Die Mannschaft von Bundestrainer Heine Jensen unterlag zum Hauptrundenauftakt Titelverteidiger Montenegro in Zagreb nach einer ganz schwachen Angriffsleistung mit 20:27 (10:12) und hat mit 0:6 Punkten keine Chance mehr, das Halbfinale zu erreichen.

Kritik vom Bundestrainer

"Wir sind unglaublich enttäuscht. Im Angriff haben wir zu viele Fehler gemacht", sagte Marlene Zapf von der TuS Metzingen, die mit sechs Toren noch beste deutsche Werferin bei der dritten Turnierniederlage im vierten Spiel war.

Jensen kritisierte ebenfalls das Offensivspiel seiner Mannschaft: "Im Angriff haben wir nicht genug Druck aufs Tor entwickelt. In der ersten Halbzeit waren wir noch dran, aber insgesamt haben wir zu viele Chancen ausgelassen."

In den abschließenden beiden Hauptrundenspielen trifft die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) am Dienstag auf Frankreich (ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) und am Mittwoch (ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) auf die Slowakei.

Aggressiv in der Abwehr

Nach dem 32:39-Desaster zum Abschluss der Vorrunde gegen Schweden präsentierte sich die deutsche Mannschaft im Defensivverhalten zunächst verbessert.

Die Abwehr agierte aggressiver und auch die in Montenegro bei Buducnost Podgorica unter Vertrag stehende Torhüterin Clara Woltering zeigte eine deutliche Leistungssteigerung.

Gegen den abwehrstarken Olympiazweiten tat sich der WM-Siebte im Angriff allerdings von Beginn an schwer, ein 5:8-Rückstand (18.) war die Folge.

Müller schmerzlich vermisst

Die DHB-Auswahl kämpfte sich aber ins Spiel und wollte ihre letzte Chance auf die erste EM-Medaille seit 20 Jahren unbedingt wahren.

Die im bisherigen Turnierverlauf enttäuschende Kreisläuferin Anja Althaus glich in Überzahl in der 21. Minute zum 8:8 aus. Doch nach einigen technischen Fehlern und vergebenen Chancen lag die Jensen-Truppe zur Halbzeit 10:12 zurück.

Nach dem Wechsel blieb die Partie umkämpft, das deutsche Team musste für jedes Tor weiter hart arbeiten.

Die verletzte WM-Torschützenkönigin Susann Müller wurde schmerzlich vermisst. Montenegros Auswahl kam derweil durch die Starspielerinnen Katarina Bulatovic und Milena Knezevic immer wieder zu einfachen Toren aus dem Rückraum.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Beim deutschen Team mehrten sich indes die Ballverluste, so wurde aus einem 15:16 (40.) binnen kurzer Zeit ein 15:19 (43.).

Jensen nahm eine Auszeit und schwor seine Mannschaft eindringlich auf die Schlussphase ein - es half aber nichts mehr. "Das war eine desolate Angriffsleistung", lautete das Urteil vom ehemaligen Welthandballer und SPORT1-Experten Daniel Stephan. Das deutsche Team wurde den eigenen Ansprüchen bei der EM nicht gerecht.

Auf die Frage, welche Schlagzeile er gerne über die deutschen Frauen am Ende des Turniers lesen würde, hatte DHB-Präsident Bernhard Bauer im Interview mit der Handballwoche vor der EM geantwortet: "Deutschlands Handball-Frauen begeistern die Bevölkerung. Die Frauen verzaubern die Handballwelt und landen verdient auf dem Treppchen."

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffte bisher eine riesige Lücke - das eigentliche Ziel wurde deutlich verfehlt.

Deutschland - Montenegro 20:27 (10:12)

Tore für Deutschland: Zapf (6/2), Minevskaja (3/2), Steinbach (2), Loerper (2), Wohlbold (2), Althaus (2), Lang (1), Nadgornaja (1), Naidzinavicius (1)Beste Werferin Montenegro: Knezevic (8/1)

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