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Michael Kraus wurde 2007 mit dem DHB-Team in Deutschland Weltmeister
Michael Kraus wurde 2007 mit dem DHB-Team in Deutschland Weltmeister © imago

Bundestrainer Sigurdsson nominiert sein Aufgebot für die Handball-WM in Katar. Überraschend verzichtet er auf den Weltmeister.

Hamburg - Böse vorweihnachtliche Überraschung für Michael Kraus:

Bundestrainer Dagur Sigurdsson hat sich bei der Nominierung seines 19-köpfigen Kaders für die Handball-Weltmeisterschaft im Januar in Katar gegen den Champion von 2007 entschieden (DATENCENTER: Spielplan der WM 2015).

Somit ist beim Auftritt im Wüstenstaat nur noch Torhüter Carsten Lichtlein aus dem Team dabei, das vor knapp acht Jahren unter Heiner Brand vor eigenem Publikum WM-Gold gewann.

Der Nationalcoach will das Risiko nicht eingehen, den gesundheitlich angeschlagenen Kraus zu berufen. Der junge Familienvater ist derzeit wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel nicht einsatzfähig und konnte auch am vergangenen Wochenende für DKB-HBL-Klub Frisch Auf Göppingen nicht auf Torejagd gehen.

Fokus auf der Defensive

"Der Kader ist eine Mischung zwischen Alt und Jung und eher in Richtung Defensive orientiert, denn das war der Schwerpunkt der letzten Monate", begründete der Isländer offiziell seine Personalauswahl.

Die Stärken von Rückraumspieler Kraus liegen ohnehin mehr im Angriffsbereich. Allerdings hatte der 31-Jährige bei den Playoff-Spielen im Juni gegen Polen eine starke Leistung gezeigt und gehörte auch dem vorläufigen WM-Kader an.

Zuletzt allerdings fehlte der Göppinger im DHB-Team, weil er nach verpassten Dopingtests ins Visier der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) geraten war.

Kraus, im vergangenen Jahr noch Champions-League-Sieger mit dem HSV Hamburg, hatte sich vor seiner Blessur durchaus zugetraut, eine Stütze bei der WM zu sein.

"Ich bin zu einhundert Prozent motiviert und sicher, dass ich dem Team helfen kann", sagte er seinerzeit den Stuttgarter Nachrichten.

Nun gab Sigurdsson ausgerechnet seinem Göppinger Vereinskollegen Tim Kneule den Vorzug auf der Mittelposition.

Gensheimer führt DHB-Aufgebot an

Angeführt wird das Aufgebot von Mannschaft-Kapitän Uwe Gensheimer. Kontrapunkt zu Senior Lichtlein ist U-20-Europameister Paul Drux, der 19-Jährige vom Sigurdsson-Klub Füchse Berlin erhält seine Chance im linken Rückraum.

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Drei Akteure müssen kurz vor WM-Beginn noch gestrichen werden.

Vier weitere Nominierte sind jünger als 24 Jahre. Sigurdsson: "Diese Jungs sind bereit für die EM, ich traue ihnen das absolut zu. Wir werden sie schnell einbauen und ihnen klare Aufgaben geben. Dass sie es können, haben sie öfter als genug in der Bundesliga gezeigt."

Die Endvorbereitung auf die WM beginnt bereits am Sonntag mit einem dreitägigen Lehrgang in Frankfurt/Main.

Noch vier Testspiele

Bis zur Abreise nach Doha am 13. Januar sind noch vier Testspiele gegen Island am 4. und 5. Januar in Reykjavik sowie am 9. und 10. Januar in Stuttgart und Mannheim gegen Tschechien geplant. Die erste Vorrundenpartie ist für den 16. Januar gegen Polen angesetzt.

Gegen den Vize-Weltmeister von 2007 hatte die deutsche Mannschaft in den WM-Play-Offs zwar den Kürzeren gezogen, wurde aber nachträglich dank einer nach zweifelhaften Kriterien zuerkannten Wildcard doch noch für das Turnier zugelassen.

Fraglich ist allerdings immer noch, ob ein deutscher TV-Sender WM-Bilder ausstrahlen wird.

Der vorläufige WM-Kader:

Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach), Andreas Wolff (HSG Wetzlar).

Linksaußen: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen), Matthias Musche (SC Magdeburg).

Rückraum links: Paul Drux (Füchse Berlin),Stefan Kneer (Rhein-Neckar Löwen), Finn Lemke (TBV Lemgo).

Rückraum Mitte: Martin Strobel (HBW Balingen-Weilstetten), Tim Kneule (Frisch Auf Göppingen).

Rückraum rechts: Steffen Weinhold (THW Kiel), Michael Müller (MT Melsungen), Jens Schöngarth (TuS N-Lübbecke)

Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Johannes Sellin (MT Melsungen).

Kreis: Patrick Wiencek (THW Kiel), Hendrik Pekeler (TBV Lemgo), Erik Schmidt (TSG Ludwigshafen-Friesenheim), Jacob Heinl (SG Flensburg-Handewitt)

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