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Silvio Heinevetter (r.) bei der Handball-WM in Katar
Silvio Heinevetter (r.) spielt seit 2009 für die Füchse Berlin © Getty Images

Doha und München - Schwere Vorwürfe: Der deutsche Torwart glaubt, dass im Viertelfinale gegen Katar nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Auch DHB-Präsident Bauer kritisiert die Schiedsrichter.

Lief in diesem Spiel alles sauber ab? Silvio Heinevetter hat nach der Viertelfinalniederlage des DHB-Teams bei der Handball-WM gegen Katar eine angebliche Bevorteilung des Gastgebers angedeutet. "Heute können wir das Spiel nicht gewinnen. Wir sind immer noch Gäste hier im Land. Da muss ich aufpassen, was ich sage. Aber jeder, der das Spiel gesehen hat und was von Handball versteht, weiß, was ich meine", sagte der Berliner.

Angebliche Offensivfouls

Der 30 Jahre alte Torwart spielte dabei auf einige strittige Entscheidungen während der Partie an. Unter anderem ließen die Referees bei Zeitspiel der Kataris deutlich mehr Ballkontakte zu als bei Deutschland. Auch manche angeblichen Offensivfouls der Deutschen sorgten während des Spiels immer wieder für hitzige Diskussionen. Selbst der sonst so besonnene und um Diplomatie bemühte Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) kritisierte die Leistung der Schiedsrichter nach der Pleite seiner Mannschaft scharf.

DHB-Präsident kritisiert Schiedsrichter

"Wir haben uns von der Kulisse beeindrucken lassen. Die Jungs sind am Boden zerstört. Ich verliere normal nie ein Wort über die Schiedsrichterleistung. Aber jeder, der etwas vom Handball versteht, hat gesehen, was hier heute abgelaufen ist", sagte Bernhard Bauer.

"Umstrittene Entscheidungen"

Der verletzt fehlende Nationalspieler Sven-Sören Christophersen zeigte sich bei Sky ebenfalls nicht einverstanden mit der Auslegung bei einigen strittigen Situationen. "Fakt ist, es gab ein oder zwei umstrittene Entscheidungen", sagte der 29-Jährige. "Das sind kleine Dinge, die entscheidend sein können." Andere Teamkollegen und auch Trainer Dagur Sigurdsson suchten die Schuld an der Niederlage derweil bei sich.

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SPORT1 hat die Stimmen zum Spiel:

Uwe Gensheimer bei SPORT1: "Wir hatten heute die Chance auf etwas ganz, ganz Großes für uns und unsere Sportart. Wir haben es aber leider nicht geschafft, die Leistung aus den anderen Spielen hier abzurufen, deswegen tut es besonders weh. Wir sind überhaupt nicht gut in die Partie gekommen, haben viel zu viele technische Fehler im Angriff gemacht und zu viele freie Chancen liegen gelassen. Irgendwo haben die letzten zehn Prozent gefehlt, um die körperlich starke Deckung der Kataris auseinander zu nehmen. Von allem hat ein bisschen was gefehlt. Wir müssen zunächst unsere Fehler sehen. Morgen werden wir wieder mit mehr Energie aufstehen und die WM gut zu Ende spielen. Die anderen Spiele waren auf einem ganz anderen Level."

Bundestrainer Dagur Sigurdsson bei SPORT1: "Die Kataris haben das wirklich gut gemacht. Sie haben viel über den Kreisläufer gespielt, wir haben ihn nicht in den Griff bekommen. Ich hätte vielleicht früher zur 6:0-Abwehr zurückkehren müssen. Ich weiß jetzt hinterher, dass das besser gewesen wäre. Die Mannschaft hat sich toll zurück gekämpft, doch zum Schluss sind wir am katarischen Torhüter gescheitert. Wir hatten sehr gute Chancen, aber es waren ein paar Fehler zu viel. Es war natürlich sehr emotional und intensiv. Wir haben bisher immer auf Sieg gespielt, und das werden wir weiter tun."

Spielmacher Martin Strobel bei SPORT1: "Wir sind alle sehr enttäuscht, weil wir ausgerechnet in dem Spiel, in dem es um alles ging, zu viele Fehler gemacht haben. Dann verliert man eben. Wir kommen zwar gut aus der Halbzeit raus, schaffen es aber nicht, ein, zwei Tore nachzulegen. Wir haben ein, zwei Würfe zu früh genommen und technische Fehler produziert, als wir hinten lang in der Abwehr stehen, aber vorne die Bälle wieder leichtfertig vergeben."

Steffen Weinhold bei SPORT1: "Es war ein sehr intensives Spiel. Das Problem war, dass übers ganze Spiel gesehen zu viele technische Fehler gemacht haben und in den Abschlüssen zu viel haben liegen gelassen. Es war keine Frage der Nerven. Manche Situationen haben wir nicht so gelöst, wie zuletzt. Du musst dich 60 Minuten auf das konzentrieren, was du selber beeinflussen kannst. Leider hat das aber nicht gereicht."

DHB-Vizepräsident Bob Hanning bei SPORT1: "Wir sind alle sehr traurig, dass wir den Traum nicht weiter leben können. Wenn man einmal so weit gekommen ist, möchte man natürlich auch um die Medaillen spielen. Das haben wir leider nicht geschafft. Mir geht es jetzt gerade nicht gut. Grundsätzlich war es eine faire Partie. Wir haben in der ersten Halbzeit nicht konsequent genug die Chancen genutzt und sind vor allem in der Abwehr nicht vor den Kreisläufer gekommen. In der zweiten Halbzeit waren sicher einige Aktionen dabei, die uns nicht so gefallen haben. Aber wir hatten genügend Gelegenheiten, selbst Tore zu erzielen. Jetzt ist der Schmerz erst einmal unendlich groß."

Patrick Groetzki bei Sky: "Die Enttäuschung über die Niederlage überwiegt. Wir haben aber ein neues Ziel. Heute können wir traurig sein, aber ab morgen haben wir das neue Ziel im Kopf. Dann können wir stolz sein. Ich nehme mir am Ende einen ganz schlechten Wurf, dann hat die Kraft gefehlt und wir waren nicht mehr so spritzig. Wir haben heute zu viele Chancen vergeben und waren insgesamt nicht gut genug."

Steffen Weinhold bei Sky: "Natürlich ist die Enttäuschung groß. Wir waren irgendwie immer ein Stück weit zu hektisch. Zwischendrin hatten wir immer wieder technische Fehler und haben uns dann auch von der Hektik in der Halle ein bisschen anstecken lassen. Wir müssen das jetzt aus dem Kopf bekommen, uns auf die nächste Aufgabe konzentrieren und zumindest eines der beiden Spiele gewinnen."

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