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Einst Partner, jetzt Gegner: Bob Hanning (l.) und Heiner Brand © SPORT1-Grafik: Gabriel Fehlandt / Getty / Imago

Der DHB steuert mit dem persönlichen Angriff von Heiner Brand auf Bob Hanning auf einen großen Knall zu. Bereitet eine Kampagne den Weg für ein erstaunliches Comeback?

Zerreißprobe für den deutschen Handball: Der Kampf um die Macht im DHB hat eine neue Eskalationsstufe erreicht und dabei endgültig die Sachebene verlassen.

Nach dem persönlichen Angriff von Heiner Brand auf DHB-Vizepräsident Leistungssport Bob Hanning steuert der ohnehin zerstrittene Verband auf einen großen Knall zu.

Im September wird das neue Präsidium gewählt, und nur eine der beiden Seiten kann langfristig die Richtung bestimmen: Hanning, der Erneuerer, der die Ligen im Rücken hat und auf den Aufwärtstrend der Nationalmannschaft verweisen kann, oder die Allianz der Alteingesessenen um den im März zurückgetreten Bernhard Bauer.

Zu ihr gehört auch Brand. Die deutsche Ikone hat mit einem Interview, das letztlich einer Kriegserklärung gleicht, endgültig klar gemacht, dass es kein produktives Miteinander der Parteien geben kann.

Brand: Hanning geht es nur um Macht

Es gehe Hanning gar nicht um die Zukunft des Handballs, sagte Brand in der Sportbild, sondern um persönlichen Machtgewinn: "Hanning braucht Leute und benutzt sie." Auch er sei früher auf ihn "hereingefallen".

Starker Tobak. Und damit nicht genug: "Dass der DHB so tief gespalten ist, basiert allein auf der Person von Bob Hanning."

Hanning selbst wollte sich auf SPORT1-Nachfrage nicht öffentlich zu der Attacke äußern.

Tiefschlag sondergleichen

Warum die einstigen Weggefährten - Hanning war jahrelang  Brands Co-Trainer bei der Nationalmannschaft - sich derart überworfen haben, erklärte Brand in Handball Inside mit weiteren scharfen Vorwürfen an den heutigen Intimfeind: „Narzissmus und damit verbunden Öffentlichkeitsgeilheit, die er im Augenblick bis zum Bundestag offensichtlich im Zaum hält.“

Ein Tiefschlag, der für viele nicht nachvollziehbar ist. "Mit diesen persönlichen Diffamierungen tut Heiner Brand sich selbst und dem Handball keinen Gefallen", sagt der Vorsitzende der DKB HBL, Uwe Schwenker.

Kretzschmar: Keine One-Man-Show von Hanning

Zuletzt hatte auch Stefan Kretzschmar Kritik an Hanning geübt, sich dabei aber auf Sachthemen beschränkt.

THW Kiel v Flensburg Handewitt - DKB Supercup
Stefan Kretzschmar spielte lange Jahre unter Heiner Brand in der Nationalmannschaft © Getty Images

Hanning brauche ein "Regulativ", meinte der SPORT1-Experte, womit er nicht alleine ist.

Ein ums andere Mal war Hanning in seinem Bestreben nach Veränderungen übers Ziel hinausgeschossen, unter anderem in dem Versuch, Kretzschmar als Frauen-Bundestrainer zu installieren, an Bauer vorbei.

Ansonsten laufen Brands Argumente - von der Stilfrage einmal ganz abgesehen - weitgehend ins Leere. Der Aufwind im DHB-Team ist seiner Meinung nach der vorbildlichen Arbeit des alten Präsidiums und einem Umdenken der Liga zuzuschreiben. Doch dass Hanning seinen Anteil daran hat, ist unbestritten. Immerhin gab er seinen Vereinstrainer Dagur Sigurdsson für den Doppeljob frei.

Und die Ämterhäufung des Füchse-Managers, die Brand kritisiert, hat diesen während seiner Zeit als Bundestrainer komischerweise kaum gestört. Damals fungierte DHB-Vize Horst Bredemeier gleichzeitig bei GWD Minden als Geschäftsführer.

Comeback von Bauer?

Beobachter werten Brands Angriff als Teil einer Kampagne, die Bauers Lager offensichtlich betreibt. Die ihn unterstützenden Landesverbände sperren sich gegen den von der Findungskommission vorgeschlagenen Andreas Michelmann (Brand: "Ein Präsident nach Hannings Gusto").

Berndt Dugall, Vorsitzender der Handball Bundesliga Frauen, hält von der von Brand propagierten Rückkehr Bauers aber gar nichts.

"Diese Legendenbildung um Bauer muss endlich aufhören", sagt das DHB-Präsidiumsmitglied: "Auch mit einem komplett neuen Präsidium würde sich Bauer nach spätestens anderthalb Jahren überwerfen. Er kann nur alleine arbeiten. Hanning neigt natürlich auch zu Alleingängen, das ist unwidersprochen, aber er macht es wenigstens ganz offen und nicht hintenrum."

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