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Peter Rauchfuß
Peter Rauchfuß ist seit 2002 Schiedsrichterwart beim DHB © Imago

DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß poltert bei SPORT1 gegen die Regelreformen im Handball. Die Ideen seien unausgegoren. Auch Bundestrainer Sigurdsson ist nicht glücklich.

DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß hat die von der IHF beschlossene Regelrevolution im Handball kritisiert.

"Die IHF hat uns ein schönes Ei ins Nest gelegt", sagte Rauchfuß zu SPORT1. "Die muss es ja nicht umsetzen. Sie sagen 'Wir spielen bei Olympia so. Nun macht mal!'"

Das neue Regelwerk soll bereits am 1. Juli in Kraft treten, doch noch immer habe die IHF laut Rauchfuß kein gedrucktes Regelheft vorgelegt: "Man sieht, dass das Schnellschüsse sind. Die sind für meine Begriffe zu kritisieren."

Reformen inhaltlich "unausgegoren"

Auch inhaltlich sei die Reform "unausgegoren", so etwa die neue Regelung gegen passives Spiel, die dem angreifenden Team nur noch sechs Pässe erlaubt, nachdem der Schiedsrichter seinen Arm wegen Zeitspiels gehoben hat.

"Die Regel passives Spiel wird schon jahrelang diskutiert, aber sie ist eine Gummiregel", so Rauchfuß. "So wie sie jetzt ausgelegt wird, hilft sie den Schiedsrichtern überhaupt nicht. Es wird immer wieder Diskussionen geben, die wir nicht brauchen.

Auch Sigurdsson skeptisch

Bundestrainer Dagur Sigurdsson sieht aufgrund der Regeländerunderung beim Zeitspiel taktische Herausforderung auf das DHB-Team zukommen: "Wir müssen uns darauf einstellen, wir müssen ab Sommer mit den Spielern sprechen und auch die Sachen üben, die wir dann vorhaben", sagte Sigurdsson im SPORT1-Interview.

Die neue Regelung gilt bereits bei den Olympischen Spielen in Rio (5. bis 21. August), für die sich die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert hat.

Sigurdsson ist jedenfalls kein Freund der neuen Regel: "Ich glaube, dass es komplizierter für die Zuschauer wird, und ich glaube auch nicht, dass es bei den sechs Pässen bleiben wird. Man kann einfach hin- und hertippen und noch einen Freiwurf holen und noch einen Freiwurf. Das ist in meinen Augen keine Lösung für das passive Spiel."

Fahrplan für Umsetzung steht

Rauchfuß hält auch die Einführung einer Blauen Karte, um die Anfertigung eines Zusatzberichtes durch die Unparteiischen anzukündigen, nicht für zielführend: "Die Blaue Karte braucht man nicht. Wir haben bei uns in Deutschland schon eine ordentliche Regelung. Die neue Regel ist unseren internationalen Freunden geschuldet, die sich nicht in englischer Sprache artikulieren können. Nun soll so für Klarheit gesorgt werden."

Verständnis zeigte Rauchfuß für die Pause von drei Angriffen für behandelte Spieler und verschärfte Strafen für Abwehrspieler in den letzten 30 Sekunden, "weil damit teilweise taktischer Schindluder mit den Schiedsrichtern getrieben wurde. Das trug nicht immer zu guten Emotionen bei."

Wir müssen uns darauf einstellen, wir müssen ab Sommer mit den Spielern sprechen und auch die Sachen üben, die wir dann vorhaben. Wir müssen uns wirklich mit der Regeländerung beschäftigen, weil die Spieler aus einem anderen Modus in dieses Thema reinkommen."

Rauchfuß umriss zudem den Fahrplan für die konkrete Umsetzung der neuen Regeln in Deutschland: Anfang April sollen die Schiedsrichterlehrwarte der Landesverbände auf einer Tagung in Halberstadt geschult werden. Anfang Juli folgen dann die Elitekaderschiedsrichter. Diese sollen die neuen Regeln anschließend den Bundesligavereinen in Schulungen näherbringen.

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