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Dagur Sigurdsson verlässt den DHB Richtung Japan
Dagur Sigurdsson verlässt den DHB Richtung Japan © Getty Images

Die Entscheidung ist gefallen: Dagur Sigurdsson hört nach der WM als Bundestrainer auf und wird Nationaltrainer Japans. Der DHB glaubt, dass seine Arbeit fortwirkt.

Abenteuer in Fernost nach Titeljagd mit den "Bad Boys": Bundestrainer Dagur Sigurdsson verlässt den Deutschen Handballbund (DHB) nach der WM in Frankreich (11. bis 29. Januar) und steht wie erwartet vor einem Wechsel nach Japan.

Wer die Nachfolge des Erfolgstrainers beim Europameister antritt, ist noch offen. Top-Kandidat ist Christian Prokop vom SC DHfK Leipzig.

Sigurdssons Vertrag beim DHB lief eigentlich noch bis 2020, eine Option - zu ziehen bis zum 31. Dezember dieses Jahres - ermöglichte ihm allerdings den vorzeitigen Ausstieg zum 30. Juni 2017.

"Das habe ich aus persönlichen Gründen so entschieden. Jetzt wissen alle Bescheid, und wir können uns mit aller Energie auf die kommende Weltmeisterschaft konzentrieren", sagt Sigurdsson, der sich in Gesprächen mit dem japanischen Handballverband befindet. 

"Ziel bleibt der Olympiasieg 2020"

Der DHB bedauert die Entscheidung. "Wir verlieren einen Weltklassetrainer und ich die Zusammenarbeit mit einem guten Freund. Aber in jedem Schicksal liegt auch eine Chance, und diese werden wir nutzen. Unser Ziel bleibt der Olympiasieg 2020", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Er ergänzte: "Jetzt freue ich mich auf die WM mit Dagur, es wird eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Je schwieriger die Situation für Dagur ist desto bessere Lösungen findet er."

Nach der WM im Januar geht es voraussichtlich Richtung Japan, dort soll Sigurdsson den Handball-Exoten auf die olympischen Spiele 2020 im eigenen Land in Tokio vorbereiten. Auch private Gründe sind ausschlaggebend für den Abgang.

Das Land der aufgehenden Sonne ist für Sigurdsson kein Neuland, das Engagement wäre keine Überraschung. Von 2000 bis 2003 war er Spielertrainer bei Wakunaga Hiroshima und gilt seither als glühender Japan-Fan. Im Herbst des vergangenen Jahres hospitierte zudem Manabu Todoroki als Gesandter aus dem Trainerstab der japanischen Männer-Nationalmannschaft beim DHB. Sigurdsson selbst hatte den Kontakt hergestellt.

Hanning hat keine Eile

Das DHB-Präsidium ging schon seit einer Weile von einem Rückzug Sigurdssons aus, und deshalb fahndete die Verbandsspitze ungeachtet der Hoffnung auf einen Verbleib bereits in den vergangenen Tagen und Wochen unter Hochdruck nach einem Nachfolger.

"Da die Fakten nun geschaffen sind, werden wir das in aller Ruhe mit allen Beteiligten besprechen", sagte Hanning: "Wir haben keine Eile und lassen uns nicht unter Druck setzen. Spätestens im Sommer werden wir einen Nachfolger haben. Wir sind im Verband gut aufgestellt."

Ganz gleich, wer die Nachfolge antritt: Der künftige Bundestrainer tritt ein schweres Erbe an, denn Sigurdsson hat große Fußspuren hinterlassen. Er hatte die deutschen Handballer 2014 übernommen und zurück in die Weltspitze geführt. Im Januar wurde das DHB-Team in Polen sensationell Europameister, im Sommer gewann Deutschland in Rio de Janeiro die olympische Bronzemedaille.

Sigurdsson ist mit 41 Siegen aus 54 Spielen erfolgreichster Bundestrainer der Geschichte.

Prokop bekundet Interesse

Insbesondere mit Prokop hat der DHB bereits Gespräche geführt. "Ja, ich habe für den Fall einer Notwendigkeit eine grundsätzliche Bereitschaft bei Christian Prokop nachgefragt", hatte Hanning in der vergangenen Woche gesagt.

Prokop, der in der vergangenen Spielzeit als "Trainer der Saison" ausgezeichnet wurde, besitzt in Leipzig noch einen Vertrag bis 2021 ohne Ausstiegsklausel.

Prokop sprach ivon einer "reizvollen Aufgabe. Anfragen anderer Klubs waren nie interessant für mich. Aber das ist das höchste Amt im deutschen Handball - und da ist es menschlich, dass ich mich damit beschäftige."

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