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Germany v Iceland - International Handball Friendly
Christian Dissinger konnte gegen Island nur 15 Minuten spielen © Getty Images

Einen Tag nach dem Sieg gegen Island revanchiert sich der WM-Elfte und fügt Deutschland im letzten Test vor der EM die erste Niederlage zu. Mit Dissinger und Fäth drohen zwei weitere Stützen auszufallen.

Dagur Sigurdsson war sichtlich angefressen. "Das war viel zu wenig", sagte der Bundestrainer nach der verpatzten EM-Generalprobe der deutschen Handballer: "Vielleicht waren einige Spieler mit dem Kopf schon in Polen."

24 Stunden nach dem 26:25-Erfolg in Kassel gegen Island verlor das deutsche Team gegen die Skandinavier am Sonntag in Hannover völlig verdient mit 24:27 (12:15) und kassierte ausgerechnet im letzten Härtetest sechs Tage vor dem EM-Auftaktspiel gegen Mitfavorit Spanien seine erste Testspiel-Niederlage.

Fäth zieht sich Prellung zu

Für zusätzliche Bauschmerzen sorgt die angespannte Personalsituation. In Shootingstar Christian Dissinger und Steffen Fäth stehen seit Sonntag zwei weitere Leistungsträger auf der Kippe.

Dissinger erlitt einen heftigen Pferdekuss und musste 45 Minuten zuschauen, Fäth fiel in der zweiten Halbzeit auf die Hüfte und zog sich eine Prellung zu. "Wir müssen jetzt schauen, wie die Verletzten drauf sind und ob wir da noch was machen müssen", sagte Sigurdsson, der bis zur Abfahrt am Donnerstag seinen EM-Kader benennen wird.

Baustellen in Abwehr und Angriff

Nach dem couragierten Auftritt am Vortag offenbarte die neu formierte Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) am Sonntag sowohl im Angriff als auch in der Abwehr noch einige Baustellen.

Anstatt sich mit einem Erfolg nach Breslau zu verabschieden, beendete der WM-Siebte, der am vergangenen Dienstag noch Tunesien (37:30) bezwungen hatte, seine EM-Vorbereitung mit der Bilanz von zwei Siegen in drei Spielen. "Insgesamt war das alles ganz okay", sagte Sigurdsson, schaute dabei aber nicht gerade glücklich drein.

Am Sonntag rieben sich viele der 10.050 Zuschauer in der ausverkauften Arena in Hannover verwundert die Augen. Die deutschen Spieler wirkten überraschend ausgelaugt und uninspiriert. Vorne agierte das Team um Neu-Kapitän Steffen Weinhold (5 Tore) zu fahrig und warf deutlich zu viele Fahrkarten, hinten stimmte die Abstimmung nicht, und es fehlte oft an der nötigen Aggressivität.

"Nicht schön, aber (hoffentlich) auch nicht ernst", twitterte SPORT1-Reporter Julian Meissner.

Dahmke hält das Team auf Kurs

Im ersten Abschnitt war es einzig der Treffsicherheit von Linksaußen Rune Dahmke (insgesamt 5 Tore) zu verdanken, dass die Isländer nicht noch weiter enteilten. Doch schon kurz nach dem Seitenwechsel waren die Fronten beim 12:18 (33.) geklärt.

"Unsere Chancenverwertung war viel zu schlecht", sagte Dahmke: "Insgesamt waren wir nicht so in den Abläufen drin, wie wir uns das wünschen, aber wir haben ja noch ein paar Tage Zeit, um daran zu arbeiten."

Noch am Samstag hatte vor allem der Rückraum um Shooter Christian Dissinger und Steffen Fäth überzeugt. Der Kieler Dissinger, schon beim Testspiel-Auftakt gegen Tunesien bester Werfer, avancierte mit acht Treffern zum Matchwinner und hatte entscheidenden Anteil am positiven Ausgang des Handball-Krimis von Kassel, den Rechtaußen Johannes Sellin mit seinem Tor 75 Sekunden vor dem Ende besiegelte.

"So eine Erfahrung ist für uns im Hinblick auf die EM Gold wert", hatte Torhüter Carsten Lichtlein am Samstag gesagt: "Die Abwehr war deutlich stabilisiert, jetzt müssen wir nur noch die technischen Fehler im Angriff abstellen." Dies gelang am Sonntag nicht.

Die Spiele gegen Island waren für das deutsche Team der letzte Gradmesser vor der EM. Nach den verletzungsbedingten Absagen von vier Stammspielern, unter ihnen auch Kapitän Uwe Gensheimer, schickt Sigurdsson eine international weitgehend unerfahrene Mannschaft ins Rennen.

Zum EM-Auftakt gegen Spanien

Im polnischen Breslau trifft das deutsche Team am 16. Januar (18.30 Uhr) zunächst auf Ex-Weltmeister Spanien. Weitere Vorrundengegner in der Gruppe C sind Schweden (18. Januar/20.30) und Slowenien (20. Januar/17.15). Erstes Ziel beim Turnier in Polen ist das Erreichen der Hauptrunde, für das die DHB-Auswahl mindestens Gruppendritter werden muss. "Die EM wird verdammt schwer", sagte Sigurdsson, "aber auch sehr, sehr interessant."

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