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HANDBALL-EURO-2016-GER-ESP-FINAL
Rune Dahmke (l.) spielt beim THW Kiel - einer der Gründe für die deutsche Entwicklung © Getty Images

Der Triumph der deutschen Nationalmannschaft bei der Handball-EM war nicht vorhersehbar - aber er ist erklärbar. SPORT1 nennt fünf Gründe für das Wunder.

Die deutsche Mannschaft hat mit ihrem Triumph bei der Europameisterschaft die Handball-Welt auf den Kopf gestellt.

Keiner hatte das Team von Dagur Sigurdsson als Sieger auf der Rechnung, doch es hat sich in einen Rausch gespielt, sich von Partie zu Partie gesteigert und verdient den EM-Titel errungen.

So unvorhersehbar der Erfolg war, er ist erklärbar. SPORT1 nennt die Gründe für den EM-Triumph.

Dagur Sigurdsson:

Der Trainer hat wohl den größten Anteil. Der Isländer hat jungen Talenten, der breiten Öffentlichkeit wenig bekannten und unerfahrenen Spielern wie Jannik Kohlbacher und Rune Dahmke das Vertrauen geschenkt. 16 Akteure feierten ihr Debüt bei einer EM.

Sein Mut wurde belohnt, aus ihnen formte er eine funktionierende Einheit. Während des Turniers hatte Sigurdsson in jeder Situation die richtigen Lösungen parat. Ob mit wechselnden Abwehrvarianten wie gegen Dänemark oder den Spielzügen in Unterzahl, sämtliche taktische Kniffe saßen.

Darüber hinaus stellte er sein Team stets perfekt ein, richtete in den Auszeiten knappe, aber klare Worte an seine Spieler. Sein Auftreten: kontrolliert statt emotional. Aber in der Kontrolliertheit, der unbedingten Geduld, die er vorlebte, konnten die Akteure gedeihen.

Andreas Wolff:

Im Finale brachte er die spanischen Topstars zur Verzweiflung. 48 Prozent der Bälle, die während des Endspiels auf sein Tor kamen, entschärfte Wolff. Über das gesamte Turnier hinweg verzauberte der Wetzlarer die deutschen Fans mit seinen Weltklasseparaden.

Zudem harmonierte er optimal mit dem starken Innenblock. Trotz seiner stattlichen Körpergröße von 1,98 Meter bestach er durch seine enorme Beweglichkeit.

Er wurde zu Recht zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Seine Gesamtquote von 36 Prozent abgewehrten Würfen brachte ihm in dieser Statistik Rang zwei.

Nachwuchsarbeit des DHB:

Nach dem WM-Titel 2007 und den Rücktritten von Größen wie Christian Schwarzer, Henning Fritz etc. konnte die deutsche Nationalmannschaft nicht an die Erfolge dieser Generation anschließen. Tiefpunkte waren das Verpassen der Olympischen Spiele 2012 und der EM 2014.

Doch der DHB und auch die Liga investieren schon seit Längerem in die Nachwuchsarbeit. Die Eliteförderung wurde ins Leben gerufen, in Kooperation mit Leistungszentren, Landesverbänden und Vereinen wird verstärkt auf Jugendarbeit Wert gelegt.

Die U21 holte 2009 und 2011 den Titel bei der Junioren-WM. Von diesen Erfolgen profitiert nun das A-Nationalteam. Fünf Weltmeister von damals (Christian Dissinger, Johannes Sellin und Hendrik Pekeler 2011, Steffen Fäth und Kai Häfner 2009) gehörten zum Kader in Polen, Patrick Wiencek und Patrick Groetzki (beide 2009) fehlten verletzt.

Kulturwandel in der Liga:

Bis auf Tobias Reichmann, der in Polen aktiv ist, spielen alle Mitglieder des EM-Kaders in der DKB HBL. Da internationale Topklubs wie Paris Saint-Germain, der FC Barcelona oder MKB Veszprem inzwischen über mehr finanzielle Macht verfügen und internationale Stars weglocken können, bekommen die deutschen Spieler inzwischen in der Liga mehr tragende Rollen.

Drei Spieler aus der Anfangssieben der ersten Partien des Turniers, Steffen Weinhold, Dissinger und Dahmke, stehen beispielsweise beim THW Kiel unter Vertrag. Wiencek gehört ebenfalls dem deutschen Meister an, Wolff spielt ab der kommenden Saison an der Förde.

Sigurdssons Credo, wer sich in der Bundesliga durchsetzt, hat auch das Potenzial für die Nationalmannschaft, hat sich bewahrheitet. Das Zertifizierungsverfahren der DKB HBL, Vereine für herausragende Nachwuchsarbeit auszuzeichnen, trägt Früchte.

Die Psyche:

Vor der EM standen die Zeichen denkbar schlecht. Mit Paul Drux und Wiencek fehlten zwei Leistungsträger, im Dezember fiel auch noch die Weltklasse-Flügelzange bestehend aus Uwe Gensheimer und Groetzki aus.

Doch Aufstecken oder Hadern war - insbesondere für Sigurdsson - nie ein Thema. Der Bundestrainer fand adäquaten Ersatz, impfte seiner Truppe eine "Jetzt-erst-recht-Mentalität" ein.

Hinzu kamen die jugendliche Unbekümmertheit sowie ein unbändiger Ehrgeiz und Wille.

In Do-or-Die-Spielen wie gegen Schweden oder Russland bestand das Team mit Geschick und dem nötigen Glück. Dann war selbst Dänemark, der Europameister von 2008 und 2012, keine unüberspringbare Hürde mehr. Angesichts der Ausfälle von Weinhold und Dissinger eine umso höher einzuschätzende Leistung.

Dieser Rausch gipfelte dann in einer unglaublich breiten Brust, die sich im nahezu perfekten Auftritt gegen Spanien äußerte.

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