vergrößernverkleinern
Germany v Iceland - International Handball Friendly
Dagur Sigurdsson spielte in seiner Jugend Fußball © Getty Images

Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson war einst ein Fußball-Talent, nun ist der Vater des EM-Erfolgs. Der Isländer besticht durch geniale Taktik-Kniffe.

Vorbild, Motivator, Taktik-Tüftler: Dagur Sigurdsson ist der Baumeister des deutschen Handball-Wunders.

Innerhalb kürzester Zeit formte der Bundestrainer aus einem Team der Nobodys einen Europameister, mit der Endspiel-Demontage Spaniens lieferte der Isländer sein ganz persönliches Meisterstück ab.

"Dagur ist ein taktisches Genie", sagte Finn Lemke nach dem imposanten 24:17-Erfolg gegen die Iberer: Das Team habe nur umsetzen müssen, was er vorgegeben hätte. Weniger Gegentore hatte zuvor noch keine Mannschaft in einem EM-Finale zugelassen - der deutsche Abwehrchef klang so, als sei gerade die normalste Sache der Welt geschehen.

"Vater des Erfolgs"

Auch die Verbandsspitze huldigte ihrem Meistermacher. "Dagur ist der Vater des Erfolgs", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Mit isländischer Akribie und seiner durch und durch unaufgeregten Art führte Sigurdsson das deutsche Team in den letzten anderthalb Jahren wieder in die Spur. Auch als viele Experten die deutsche Mannschaft aufgrund der vielen Verletzten vor der EM schon abgeschrieben hatten, blieb er cool.

Unternehmer und Biker

Sigurdsson ruht in sich selbst. Seine Akkus lädt er beim Gitarrespielen, Motorradfahren und Joggen auf, hat auch geschäftliche Interessen außerhalb des Handballs: In seiner Heimat betreibt der frühere Fußball-Jugend-Nationalspieler als Unternehmer unter anderem ein Hostel mit 215 Betten.

Sigurdsson gab dem DHB-Team eine neue Spielidee und sorgte für eine taktische Variabilität, die es so noch nie gab. Immer wieder verwirrte er die Gegner mit neuen Taktik-Varianten, wechselte ständig zwischen den Abwehrformationen und sorgte so für allgemeine Verunsicherung. Auch im Angriff verblüffte er mit Aufstellungen, die in dieser Form noch nie zusammen gespielt hatten.

Die größtenteils blutjungen Spieler hängen förmlich an Sigurdssons Lippen. In einem Klima des bedingungslosen Vertrauens wuchs das Vertrauen in die eigene Stärke - mit jeder Minute, von Tag zu Tag.

Kein Mann der großen Worte

Sigurdsson ist kein Mann der großen und auch nicht der vielen Worte. Kurze, klare Ansagen sind das Mittel seiner Wahl.

Am Spielfeldrand strahlt der 42-Jährige im Gegensatz zu seinen Vorgängern stets Gelassenheit aus, die Ruhe überträgt sich auf seine Spieler: Auf dem Weg ins Finale wurden vier Spiele erst in den letzten Minuten entschieden - vier Mal gewann Deutschland, das jüngste aller EM-Teams.

Von den 36 Länderspielen unter Sigurdsson gewann Deutschland 28, eine überragende Quote. Sieg Nummer 28, das Endspiel von Krakau, wird nicht nur Sigurdsson und seinen Jungs für immer in Erinnerung bleiben.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel