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Göppingen und München - Dagur Sigurdssons Premiere gegen die Schweiz glückt, Teil zwei folgt. Der Bundestrainer überrascht mit Finesse und Lockerheit.

Wer einen Vulkanausbruch an der Seitenlinie erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Vielmehr erledigte der Isländer Dagur Sigurdsson, der die deutsche Nationalmannschaft wieder in die Weltspitze führen soll, den Job bei seiner Premiere erstaunlich unaufgeregt. Und erfolgreich.

32:26 (19:12) hieß es am Ende seines Debüts gegen die Schweiz (Bericht: Feuerwerk bei Sigurdssons Premiere). Die DHB-Auswahl siegte souverän und verstrahlte dabei stellenweise sogar spielerischen Glanz, bevor in der zweiten Halbzeit nach vielen Wechseln etwas die Linie verloren ging.

Zum Abschluss der ersten Lehrgangswoche unter Sigurdsson steht in Ulm der zweite Test an, wieder gegen die Schweizer (ab 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Nur ein Fingerzeig 

Nun sind die Eidgenossen kein Gegner von erster Güte.

Aber ein Fingerzeig war der weitgehend ansehnliche Auftritt von Göppingen schon. Der Anspruch des Deutschen Handball-Bundes muss es sein, solche Spiele konstant zu gewinnen, und mehr als das.

"Ich habe keine Zweifel daran, dass wir auch mit Topmannschaften mithalten können", sagte Sigurdsson, der auch in der Nachbetrachtung einen professionell coolen Eindruck hinterließ: "Das hat Deutschland schon in der Vergangenheit getan, war nur nicht stabil genug."

Optimismus und Pragmatismus 

Genau diese Konstanz soll Sigurdsson seinen Spielern nun einimpfen. Optimismus und Pragmatismus sind Eigenschaften, die sich der 41-Jährige dabei auf die Fahne geschrieben hat.

Und so gab es von seiner Seite keinerlei Jammern über die zahlreichen Verletzungen oder andere Widrigkeiten.

"Für die Mannschaft ist es gut, wenn sie Ausfälle kompensieren muss", sagte Sigurdsson, der unter anderem mit Steffen Weinhold und Fabian Wiede auf gleich zwei Linkshänder für den Rückraum hatte verzichten müssen. Und das nach dem Rücktritt eines Leistungsträgers vom Formate Holger Glandorfs.

Michael Müller trumpft auf 

Doch Sigurdsson machte aus der Not eine Tugend. Michael Müller sprang in die Bresche und gehörte gegen die Schweiz zu den Besten (Bericht: Jetzt müllert es auch im Handball). Auch Ersatzmann Kai Häfner, der kaum mit der Mannschaft trainiert hatte, fügte sich gut ein.

Natürlich war der Sieg gegen die Schweiz nur ein erster Schritt. Aber der Spagat zwischen dem Liga-Job bei den Füchsen Berlin und dem des Bundestrainers, er scheint Sigurdsson zu gelingen. Noch bis nächsten Sommer wird er beide Aufgaben in Doppelfunktion ausfüllen.

Lob vom DHB-Präsidenten 

DHB-Präsident Bernhard Bauer sprach in Göppingen zu Recht von einem "guten Neubeginn" und konstatierte: "Man hat gesehen, dass Dagur Sigurdsson schon seine Handschrift hinterlassen hat. Von der Bank kamen die richtigen Entscheidungen."

Dass Sigurdsson seine ganz eigenen Vorstellungen hat, war schon an der Startformation zu sehen, in der Hendrik Pekeler überraschend den offensiven Part der Deckung einnahm.

"Wir Spieler waren auch schon etwas überrascht, dass der Trainer direkt die 5:1-Deckung rausholt", erklärte Patrick Wiencek im Gespräch mit SPORT1: "Aber im Training hatten wir schon viel damit gearbeitet. Es hat ja auch ganz gut geklappt mit Peke vorne. Es immer gut, Variationen zu haben, mit denen man den Gegner überraschen kann."

Mutige Entscheidungen 

Ein indirektes Lob für den taktischen Schachzug verteilte dann auch der Schweizer Trainer Rolf Brack: "Durch die offensive Deckung konnte Andy Schmid nicht so in Erscheinung treten."

Vertrauen in den 19-jährigen Paul Drux, die mutigen Nominierungen von beispielsweise Torhüter Andreas Wolff von der HSG Wetzlar und dem Gummersbacher Talent Julius Kühn - all das spricht dafür, dass das Aushängeschild des deutschen Handballs durch Sigurdsson den erhofften frischen Wind bekommt.

Katar am Horizont 

Vor der WM in Katar Anfang 2015, zu der das Team bekanntlich nur durch die Hintertür Einzug erhielt, sollte den Fans jedenfalls nicht bange sein.

"Wir sind nicht stolz auf diese Wildcard, weil wir es sportlich nicht geschafft haben", sagte Wiencek: "Aber jetzt sind wir dabei und werden alles dafür geben, dass Deutschland wieder nach vorne kommt."

Hauptverantwortlich für die Marschrichtung dabei ist mit Sigurdsson, so beschreibt ihn Wiencek recht treffend, "ein lockerer Typ."

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