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Die Müller-Zwillinge laufen in der Liga für Melsungen auf.

Der neue Bundestrainer Dagur Sigurdsson setzt bei seinem Debüt gegen die Schweiz am Wochenende auch auf die Müller-Zwillinge.

Von Katharina Blum

Von fehlender "internationaler Härte" spricht man gern dann, wenn ein deutscher Spieler im Dickicht internationaler Beine unsanft zu Fall kommt.

Bei den Freundschaftsspielen gegen die Schweiz in Göppingen und am Sonntag in Ulm (17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) wollen die deutschen Handballer alles tun, um bloß nicht wieder auf dem Hosenboden zu landen.

Der neue Bundestrainer Dagur Sigurdsson fordert für seine Premiere gleich einmal klipp und klar zwei Siege von seiner Auswahl.

Und das, obwohl der Isländer beim offiziellen Start in die WM-Vorbereitung auf sämtliche Weltmeister von 2007 verzichtet - dafür setzt der 41-Jährige unter anderem auf vier Neulinge, die talentierten Nachwuchskräfte Paul Drux (19/Füchse Berlin), Erik Schmidt (21/TSG Friesenheim) und Julius Kühn (21/VfL Gummersbach), aber eben auch den Spätberufenen Philipp Müller.

Härte und Erfahrung

Der Melsunger Rückraumspieler ist neben seinem bereits länderspielerfahrenen Zwillingsbruder Michael (55 Spiele) mit 30 Jahren aktuell der Älteste im Kader - und gemeinsam könnte das Brüder-Duo womöglich die Härte und die Erfahrung in das neuformierte Team bringen, damit es nicht gleich beim Neustart wieder strauchelt.

"Mit der Nominierung der Müller-Brüder - die ich persönlich super finde - hat Dagur Sigurdsson ein Zeichen gesetzt", sagt SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar. "Er will Persönlichkeiten in seiner Mannschaft haben, die Verantwortung übernehmen und auch vor internationaler Härte nicht zurückschrecken."

Die Nominierung der Zwillinge habe er schon viel früher erwartet.

Geburtstagsparty abgesagt

Philipp Müller war dagegen "regelrecht geplättet" von der Nominierung. "Riesig" freue er sich auf die Nationalmannschaft. Dafür haben die Müller-Zwillinge, die am Freitag 30 geworden sind, auch liebend gerne ihre geplante Geburtstagsfeier verschoben. "Die können wir auch noch nachholen, jetzt gibt es erst einmal Wichtigeres."

Philipp Müller ersetzt den am Knie verletzten Lemgoer Finn Lemke. Sigurdsson: "Ein starker Abwehrspieler kriegt bei mir immer eine Chance. Und Philipp Müller ist ein solcher. Ich denke, dass er uns helfen kann und wird."

Zwillingsbruder Michael wurde bereits vorher nominiert und kehrt nach fast zwei Jahren Pause wieder in die Nationalmannschaft zurück. "Durch den Ausfall von Steffen Weinhold ist er ein wichtiger Mann für unser Spiel. Zumal er über viel Erfahrung verfügt und die Deckung verstärkt", erklärte der Heuberger-Nachfolger.

Olympia-Gold 2020 ist das Ziel

Helfen sollen die Müller-Zwillinge dabei, die großen Enttäuschungen der vergangenen Jahre (verpasste Qualifikation für WM, EM und Olympia) zu verdauen. Erklärtes Ziel ist Olympia-Gold 2020, doch schon beim WM-Turnier in Katar soll es mindestens für das Viertelfinale reichen.

Seit Anfang der Woche trainiert das Team um Kapitän Uwe Gensheimer in Heilbronn zusammen, feilt vor allem an der Defensive. "Fachlich ist er sicher top", sagte Gensheimer bei SPORT1 über den neuen Coach. "Zu seinem Charakter kann ich noch nicht so viel sagen. So wie er sich gibt, ist er ein super Trainer. Und ich denke, dass er auch ein guter Mann ist für uns als Nationaltrainer."

Linksaußen Gensheimer hatte das Team erstmals im Juni in den WM-Playoffs gegen Polen aufs Feld geführt, nun hat ihn Sigurdsson im Amt bestätigt. "Uwe hat ein großes Standing innerhalb der Mannschaft und im internationalen Handball."

Alter Bekannter

Werden auch Michael und Philipp Müller gegen die Schweiz eingesetzt, würde das erste Mal seit den 80er-Jahren wieder ein Zwillingspärchen für die DHB-Auswahl aufs Parkett geschickt.

Die Müllers treten die Nachfolge von Uli und Michael Roth an, die ebenfalls gemeinsam im Kader der Nationalmannschaft standen.

Kurioses am Rande: In Melsungen werden die Müller-Zwillinge von Michael Roth trainiert.

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