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Dagur Sigurdsson (r.) ist auch Trainer der Füchse Berlin

Wien - Maximale Punktausbeute, bester Quali-Start seit 2008 und Lob von allen Seiten - doch Dagur Sigurdsson wiegelte ab. "Das darf man jetzt nicht so hoch hängen", sagte der neue Bundestrainer nach dem konzentrierten Auftritt seines Teams beim 28:24 im Schlüsselspiel der EM-Qualifikation in Österreich.

Erleichterung? Klar. In die aufkommende Euphorie ob der perfekten Länderspielwoche wollte Sigurdsson aber partout nicht einstimmen.

"Klar geben uns die vier Punkte Selbstvertrauen", sagte der Isländer in seiner typisch unaufgeregten Art: "Doch bis zur WM wollen wir einen weiteren Schritt machen."

"Handschrift schon deutlich erkennbar"

Fakt ist: Knapp elf Wochen vor dem Beginn der Weltmeisterschaft in Katar (15. Januar bis 1. Februar) befindet sich der deutsche Handball wieder im Aufwind, die Qualifikation für die EM in Polen 2016 ist zum Greifen nah - Erfolge, die eng mit der Arbeit Sigurdssons verknüpft sind. (DATENCENTER: Die EM-Qualifikation)

"Die Handschrift des neuen Trainers ist schon deutlich erkennbar", sagte Verbandspräsident Bernhard Bauer voller Hochachtung: "Dagur hat auf alle Situationen richtig reagiert. Die Mannschaft wird von Spiel zu Spiel besser."

Und auch DHB-Vize Bob Hanning lobte: "Der Trainer hat einen sehr sehr guten Job gemacht. Man hat das Gefühl, dass die Mannschaft an sich glaubt und dass sie weiß, was sie tut. Viele Dinge, die verändert worden sind, scheinen jetzt zu greifen." SHOP: Jetzt Handball-Artikel kaufen

Heinevetter nur zweite Wahl

In der Tat präsentierte sich die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) beim lockeren Aufgalopp gegen Handballzwerg Finnland (30:18) und der konzentrierten Vorstellung gegen den EM-Elften Österreich stark verbessert.

Mit ruhigem Gemüt und klarer Ansprache implementiert Sigurdsson seinem Team Stück für Stück ein neues Sieger-Gen - und schreckt auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück.

So beorderte der 41-Jährige am Sonntagabend überraschend Carsten Lichtlein für den etatmäßigen Stammkeeper Silvio Heinevetter ins Tor. Der Routinier des VfL Gummersbach dankte es seinem Coach und avancierte mit 19 Paraden zum Matchwinner.

Ein neuer Wind weht

"Zuletzt haben wir in den entscheidenden Szenen den Kopf verloren, diesmal haben wir unser Ding über 60 Minuten durchgezogen", sagte Lichtlein erleichtert: `Man merkt, dass jetzt ein anderer Wind weht."

Sigurdsson mache alles sehr kompakt und verlange sehr viel Konzentration von den Spielern. "So lange keiner querschießt, haben wir damit Erfolg."

Die Aussichten in der EM-Qualifikation, die erst Ende April 2015 fortgesetzt wird, sind jedenfalls glänzend. Nach den großen Enttäuschungen der vergangenen Jahre (verpasste Qualifikation für WM, EM und Olympia) führt Deutschland die Gruppe 7 zusammen mit dem ebenfalls verlustpunktfreien Weltmeister Spanien souverän an.

Die ersten beiden Mannschaften haben ihr Ticket für das Turnier 2016 in Polen sicher.

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