Hallo Handball-Fans,

der Sieg in Österreich war ein großer Schritt nach vorne für die deutsche Nationalmannschaft.

Endlich hat unser Team mal die Nerven bewahrt und ein wichtiges Spiel gewonnen. In der Vergangenheit haben wir in solchen Momenten ja nicht oft überzeugt.

Spanien ist der große Favorit, aber nun haben wir unseren größten Konkurrenten um den zweiten Platz in der Gruppe auswärts besiegt und sind der EM-Qualifikation deutlich näher gekommen.

Mir sind bei den ersten Pflichtspielen unter Bundestrainer Dagur Sigurdsson einige positive Aspekte aufgefallen.

In Österreich haben einige Spieler gezeigt, dass sie durchaus Verantwortung übernehmen und den Sieg klarmachen können. Diese neue mentale Stärke ist sicher auch ein Verdienst von Sigurdsson.

Er hat direkt bei seiner Antrittsrede klargemacht, dass es unter ihm keine Übergangszeit gibt, sondern dass er direkt Erfolge einfahren möchte. Jetzt gibt es für die Spieler keine Ausreden mehr, und es scheint, als ob die Siegermentalität sich auf die Mannschaft übertragen hat.

Das Team war bereit, den Kampf anzunehmen, Zweikämpfe zu gewinnen, aber auch im Angriff Verantwortung für den Ball zu übernehmen und sich untereinander zu vertrauen. Alles, was eine gute Mannschaft auszeichnet, scheint nun auf den richtigen Weg gebracht zu sein.

Individuell ist das Team eh stark genug, um sich mit den Besten zu messen.

Sigurdsson hat an den entscheidenden Stellschrauben gedreht und eine neue Mentalität geschaffen.

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Ganz entscheidend sind dabei auch die beiden Kreisläufer Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler.

Beide machen gemeinsam ihren Job im Abwehrblock sehr gut und harmonieren schon jetzt hervorragend.

Das verspricht eine rosige Zukunft für den deutschen Handball.

Wiencek ist in seinem Spiel als Kreisläufer noch athletischer und intelligenter geworden. Seine Entwicklung gefällt mir sehr gut, da er die Spielsituationen immer besser antizipiert und viel fürs Team arbeitet.

Aber auch Pekeler ist auf einem sehr guten Weg. Er hat einen guten Körper, bewegt sich äußerst clever und wird mit seinem Wechsel vom TBV Lemgo zu den Rhein-Nackar Löwen den nächsten Schritt machen. Ihm fehlt eigentlich nur noch eins: die Erfahrung. Aber die wird er nach und nach sammeln.

Auch unsere Rückraum-Achse mit Paul Drux, Steffen Fäth und Steffen Weinhold kann im internationalen Vergleich mithalten.

Drux ist ein großes Talent. Er nimmt die Verantwortung an, hat einen klaren Kopf und arbeitet sehr hart an sich. Fäth ist ebenfalls sehr dynamisch und mit viel Wurfkraft ausgestattet.

Über Steffen Weinhold müssen wir nicht mehr viele Worte verlieren. Er ist einer der stärksten Eins-gegen-Eins-Spieler, der sich aber auch immer fürs Team aufopfert.

Wenn jetzt noch zwei oder drei weitere Spieler im Rückraum in die Bresche springen, sind wir dort gut aufgestellt.

Unsere bisherige Nummer 1 im Tor, Silvio Heinevetter, hat auch in Wien nur die Bank gedrückt. Ich sehe darin allerdings kein großes Problem. Die Wahl des Torhüters trifft der Trainer immer auch aus Bauchgefühl und Intuition heraus.

Lichtlein hat in beiden Spielen einfach überragend gehalten. Aber Silvio ist extrem wichtig, und wenn wir Emotionen oder eine Initialzündung bei einem Rückstand brauchen, wird er noch seine besonderen Momente haben.

Deswegen möchte ich auch nicht groß über Verlierer sprechen. Die Spieler, die hinten dran sind, sollen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern weiterarbeiten, das Team unterstützen und ihre Rolle akzeptieren. Sie werden wieder ihre Chancen bekommen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 41, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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