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In einem erneuten Thriller ringen die deutschen Handballer bei der EM Top-Favorit Dänemark nieder. Der Traum vom ganz großen Coup lebt - nun wartet Norwegen.

Die Modellathleten tanzten vor Freude wie kleine Kinder durch die Jahrhunderthalle, Bundestrainer Dagur Sigurdsson beobachtete das ausgelassene Treiben seiner Rasselbande strahlend von der Seitenlinie.

Als die deutschen Handballer nach einem weiteren Krimi durch einen 25:23 (12:13)-Erfolg gegen Top-Favorit Dänemark bei der EM in Polen sensationell ins Halbfinale gestürmt waren, brachen alle Dämme. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Selbst die verletzten Leistungsträger Steffen Weinhold und Christian Dissinger humpelten zur großen Siegesparty aufs Feld.

Traum vom ganz großen Coup

Das jüngste aller EM-Teams spielt damit am Freitag in Krakau gegen Norwegen, das völlig überraschend Titelverteidiger Frankreich mit 29:24 entzauberte, um den ersten Finaleinzug bei einem Großereignis seit dem WM-Gold beim Wintermärchen 2007.

Perfekt macht die Runde der letzten vier Teams das Duell Spanien gegen Kroatien: Die Iberer behaupteten sich mit 25:23 gegen Russland, die Kroaten gaben völlig überraschend Turnier-Gastgeber Polen eine 37:23-Lehrstunde.  

Im deutschen Lager träumen derweil alle vom ganz großen Wurf. (Spielplan der Handball-EM)

"Jetzt ist alles möglich. Wir werden ohne Druck aufspielen, werden uns vor keinem Gegner verstecken", sagte Tobias Reichmann in der ARD. Den bisher einzigen deutschen EM-Titel hatte es 2004 unter Coach Heiner Brand gegeben.

"Haben unser Ding durchgezogen"

Sein Nachfolger Sigurdsson war nach einer leidenschaftlichen Vorstellung mächtig stolz auf seine Mannschaft.

"Wir haben einfach unser Ding durchgezogen. Das war eine grandiose Leistung, fantastisch. Wir haben uns nicht verrückt machen lassen", sagte der Vater des Erfolgs.

Bester Werfer beim fünften Sieg der mit insgesamt 16 EM-Debütanten angetretenen Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in Folge war Steffen Fäth mit sechs Toren.

Torhüter Andreas Wolff hielt zudem in der packenden Schlussphase wichtige Bälle.

"Es war ein Kampf, bei dem ich nicht über das Ergebnis nachgedacht habe, sondern nur über den Ball. Ich bin überglücklich. Als die Dänen nervös wurden, haben wir zugeschlagen", sagte Wolff.

Nowitzki drückt die Daumen - Podolski gratuliert

Zu den ersten Gratulanten zählten die Fußball-Weltmeister Benedikt Höwedes und Lukas Podolski. "Mit einem Fuß im Handballfinale! Herzlichen Glückwunsch", twitterte Höwedes.

Von Dirk Nowitzki über Joachim Löw bis Jürgen Klopp - zahlreiche Sportgrößen hatten dem WM-Siebten bereits vor der entscheidenden Begegnung in Breslau per Videobotschaft viel Glück gewünscht.

Die DHB-Auswahl konnte den zusätzlichen Motivationsschub gut gebrauchen.

Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Kapitän Steffen Weinhold und Christian Dissinger musste Sigurdsson auf gleich sechs Stammspieler verzichten.

Schwierige Anfangsphase

Nach anfänglichen Problemen und einem 2:4-Rückstand (7. Minute) kam die DHB-Auswahl aber vor 6500 Zuschauern von Minute zu Minute besser ins Spiel.

Die Deckung um Abwehrchef Finn Lemke stellte sich dem dänischen Angriff mit Superstar Mikkel Hansen entschlossen entgegen und variierte immer wieder zwischen einer 6:0- und einer offensiven 4:2-Variante.

Der deutsche Angriff legte die anfängliche Nervosität schnell ab und kam durch Kreisläufer Erik Schmidt zum Ausgleich (5:5/12.).

Die hinter der Ersatzbank sitzenden Weinhold und Dissinger sprangen in ihren Deutschland-Trikots auf und jubelten lautstark.

Dahmke beschert Deutschland erste Führung

Nach der ersten Führung beim 6:5 (13.) nach einem Tempogegenstoß von Youngster Rune Dahmke machten sich auch die zahlreichen deutschen Fans bemerkbar. "Jetzt geht's los", hallte es durch die ausverkaufte Jahrhunderthalle.

Durch Hansen und den Magdeburger Michael Damgaard hielten die mit neun Bundesliga-Legionären angetretenen Dänen dagegen.

Doch dem Sigurdsson-Team war das große Selbstvertrauen und der absolute Siegeswille anzumerken.

Dänen schlagen kurz vor der Pause zurück

Als Kai Häfner, der ebenso wie Julius Kühn kurzfristig nachnominiert worden war, zum 10:8 (22.) traf, hielt es auch DHB-Präsident Andreas Michelmann nicht mehr auf seinem Sitz.

Mit vier Toren in Folge schlugen die Dänen zurück, aber der überragende Fäth hielt die deutsche Auswahl im Spiel. Mit seinem fünften Treffer beim fünften Wurfversuch stellte der Wetzlarer den 12:13-Halbzeitstand her.

"Die Jungs machen es bisher sehr gut. Jetzt müssen wir noch etwas aggressiver werden, dann klappt es auch", sagte Torhüter Carsten Lichtlein nach den ersten 30 Minuten in der ARD.

Mit zwei schnellen Toren zur Führung untermauerte Tobias Reichmann die Worte Lichtleins.

Wiede sorgt für Entscheidung im Drama

Die Partie blieb ausgeglichen, die Spannung steigerte sich minütlich. Es entwickelte sich eine echte Abwehrschlacht, beide Teams mussten für ihre Tore hart kämpfen, da auch die Torhüter Andreas Wolff und Niklas Landin bei den Dänen immer besser ins Spiel kamen.

In einer dramatischen Schlussphase lag die DHB-Auswahl zunächst mit 21:23 zurück (53.).

Doch das deutsche Team gab nicht auf und kam durch Martin Strobel wieder zum Ausgleich (23:23/57.). Reichmann sorgte per Siebenmeter 2:37 Minuten vor dem Ende für die Führung.

Anders Eggert von der SG Flensburg-Handewitt scheiterte im Gegenzug am Innenpfosten des deutschen Tores. Fabian Wiede sorgte mit dem 25:23 eine Minute vor dem Ende für die Entscheidung. Der Rest war nur noch Jubel.

Stenogramm:

Deutschland - Dänemark 25:23 (12:13)

Deutschland: Wolff (Wetzlar), Lichtlein (Gummersbach) - Fäth (Wetzlar/6), Wiede (Berlin/5), Reichmann (Kielce/4/3), Häfner (Hannover/3), Dahmke (Kiel/2), Schmidt (Hannover/1), Kohlbacher (Wetzlar/1), Pieczkowski (Lübbecke/1), Kühn (Gummersbach/1), Strobel (Balingen/1), Sellin (Melsungen), Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Lemke (Magdeburg), Ernst (Gummersbach)
Dänemark: Landin, Møller - Hansen (7), Eggert (6/3), Damgaard (3), Svan (3), Mensah Larsen (2), Christiansen (1), Lindberg (1)
Schiedsrichter: Horacek/Novotny (Tschechien)
Zeitstrafen: 4:4
Siebenmeter: 3/3:3/3
Zuschauer in Breslau: 6500

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