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Andreas Wolff setzt beim All Star Game zum Freiwurf an. Doch nach dem zweiten Katar-Test ist der Spaß endgültig vorbei © Imago

Der zweite Test nach der EM setzt dem Höhenflug der Bad Boys ein Ende. Der Bundestrainer kritisiert seine Spieler, trägt aber Mitschuld am Dilemma vor Olympia.

Sechs Wochen nach dem Wunder von Krakau sind die deutschen EM-Helden unsanft in der Gegenwart gelandet.

Und wer die noch schmeichelhafte 24:26-Schlappe im zweiten Testduell mit Katar als Weckruf zur rechten Zeit relativieren wollte, wurde von Bundestrainer zurechtgewiesen.

Denn Dagur Sigurdsson war verärgert. Über seine Spieler, die zwei Tage nach dem Kantersieg über eben jene Kataris jedem einzelnen die Bereitschaft zu kämpfen absprach. Und über den Hype um seine Europameister: "Wenn man tausendmal hört, was für ein toller Typ man ist, dann verliert man irgendwann den Kopf", sagte er bei SPORT1.

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Ärger über das Olympia-Casting

Um Werbung für sich und den Handball zu machen, tingelten seine Schützlinge von einer Ehrung zu nächsten Talk-Show. Die Folge: "Selbstverliebtheit" - meint Sigurdsson.

Seine Spieler müssen sich beim nächsten Lehrgang vom 29. März bis 3. April in Köln auf einiges gefasst machen. 
Auch das Gerede vom Olympia-Casting, das dem Länderspiel-Doppelpack in Leipzig und Berlin vorausgegangen war, brachte den Isländer auf die Palme. Womöglich, weil einige im Wissen um den harten Konkurrenzkampf die Eigen-PR auf dem Spielfeld fortsetzten.

Nächste Tests Anfang April

Da dürfte es ihm übel aufgestoßen sein, dass ausgerechnet Torwart Andreas Wolff - das Gesicht des  EM-Triumphs - nach Spielschluss bei SPORT1 anmerkte: "Meine Leistung ärgert mich natürlich, weil es wieder eine verpasste Chance ist, sich für Rio zu zeigen."

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Dass selbst der Titan um sein Olympia-Ticket bangt, dürfte manchen Außenstehenden verblüfft haben. Andererseits hat Sigurdsson die Casting-Falle mit aufgebaut, indem er betont hatte, es gebe keinen EM-Bonus und er habe über 30 Kandidaten für die Sommerspiele.

Und die Gelegenheiten, sich im Deutschland-Trikot zu präsentieren, sind rar, auch wenn bereits Anfang April die nächsten Tests gegen Dänemark (1. April, 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) und Österreich anstehen. Mitte April stand eigentlich die Olympia-Quali an, nun winkt den Profis dann eine Pause.

Löwen beweisen ihren Wert

Inklusive der Nachnominierten wirkten 18 Spieler am DHB-Triumph in Polen mit. Dabei fehlten prominenten Namen mit Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki vom Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen, der am Mittwoch (18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im GRATIS-LIVESTREAM und im LIVETICKER) in der DKB HBL beim TVB 1898 Stuttgart gefordert ist, Patrick Wiencek vom Meister THW Kiel oder Paul Drux von Sigurdssons Ex-Team Füchse Berlin.

Die beiden Löwen bewiesen bei ihrer Rückkehr nach Verletzungen, dass sie eigentlich gesetzt sein müssten.

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Rückraum-Stützen fehlen

Doch Sigurdsson bastelt nicht nur am Kader, sondern auch an einer taktischen Weiterentwicklung. Am Sonntag probierte er eine neue 5:1-Abwehrformation aus.

Ein Rohrkrepierer. "Das war sicher auch ein Grund für die Niederlage", sagte Rückraumspieler Drux.

Das Fehlen der verletzen Rückraum-Stützen  Steffen Weinhold, Christian Dissinger und Steffen Fäth wollte keiner anführen. Schließlich wird mit ihnem Comeback das Casting noch komplexer.

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