vergrößernverkleinern
Christian Prokop ist der Wunschkandidat des DHB © Getty Images/Marc Tirl/ SPORT1-Grafik

Leipzig-Coach Christian Prokop steht als neuer Bundestrainer bereit, sein Klub pokert schon. DHB-Vize und Füchse-Manager Hanning würde dem Erzrivalen den Erfolgsgaranten entreißen.

Das Erbe von Europameister-Macher Dagur Sigurdsson spaltet zwei Handball-Hochburgen im Osten Deutschlands.

Während Bob Hanning, DHB-Vizepräsident und in Personalunion Manager der Füchse Berlin, Christian Prokop zum Wunschkandidat erkoren hat, bangt Erzrivale SC DHfK Leipzig um seinen Erfolgscoach.

"Ja, ich habe für den Fall einer Notwendigkeit eine grundsätzliche Bereitschaft bei Christian Prokop nachgefragt", sagte Hanning am Mittwoch dem SID.

Prokop, der erst Mitte Oktober seinen Vertrag in Leipzig bis 2021 verlängert hatte, blockte noch am vergangenen Mittwoch Fragen zu seiner Zukunft ab - bevor seine Leipziger im Duell mit den Füchsen untergingen. Das Buhlen um ihren Trainer hatte seine Schützlinge nicht gerade beflügelt...

Hanning für zwei Spiele Bundestrainer?

Während sich DHfK-Aufsichtsrat Stefan Kretzschmar Schweigen verordnet hat, bevor Sigurdsson seinen Abschied verkündet hat, pokert Geschäftsführer Karsten Günther bereits um eine Ablöse. Die Leipziger müssten an ihre Verantwortung denken "und sich überlegen, wie man einen solchen Verlust wirtschaftlich auffangen kann".

Video

Im Raum steht eine Freigabe im Sommer 2017. In den zwei Spielen zwischen der WM, die Sigurdsson definitiv noch als Bundestrainer bestreiten wird, und Prokops Amtsübernahme könnte Hanning laut Sport Bild als Interimscoach einspringen.

Dann hätte der Ober-Fuchs den keine 100 Kilometer entfernten Leipzigern, mit 13:7 Punkten fast so stark in die Saison gestartet wie Berlin, den größten Erfolgsfaktor entrissen.

Leipzigs Spielermagnet Prokop

Prokop ist beim Kretzschmar-Klub "die wichtigste Personalie. Spieler kommen seinetwegen, Spieler bleiben seinetwegen", schreibt Sportjournalist Winfried Wächter in einer auf der DHfK-Homepage veröffentlichten Kolumne. Stand Dienstag hielt er den Weggang des 37-Jährigen für unrealistisch.

Doch anders als bei Kiels Alfred Gislason und Flensburgs Ljubomir Vranjes, deren Klubs sich prompt widersetzten, braucht Hanning nur aufs Ja-Wort seines aktuellen Topkandidaten zu hoffen. Der SC werde sich "mit Christian Prokop hinsetzen und fragen, was seine Wünsche sind", erklärte Günther.

Einer wie Sigurdsson

Eine Ausstiegsklausel besitzt der in der vergangenen Spielzeit zum "Trainer der Saison" gekürte Prokop nicht. Doch er ist nach SID-Informationen an der neuen Aufgabe sehr interessiert.

Auch wenn er SPORT1 noch vor wenigen Tagen sagte: "Es ist mit Sicherheit eine Ehre, aber ich bin noch ein sehr junger Trainer. Ich befasse mich nicht damit."

Video

Jung, zielstrebig, erfolgreich: Prokop ist die Handball-Version des Fußballtrainers Ralph Hasenhüttl, der mit RB Leipzig die Bundesliga-Spitze attackiert. Und er erinnert mit seinem Auftreten und Profil stark an Sigurdsson. Auch der Isländer war bei seiner Amtsübernahme im Sommer 2014 vielen noch kein Begriff, genoss in der Szene als Trainer der Füchse aber längst höchste Wertschätzung.

Damals gab Hanning seinen Erfolgstrainer nach einem Jahr Doppelbelastung ganz zur Nationalmannschaft ab, nun muss offenbar der Ost-Rivale seinen Coach ziehen lassen.

Baur und Gudmundsson auf Shortlist

Sollte bei der Verpflichtung Prokops noch etwas schiefgehen, kämen als Alternativen Markus Baur (TVB Stuttgart) und Gudmundur Gudmundsson (scheidender Nationaltrainer Dänemarks) infrage.

Auf diese drei Namen hat der Verband seine Liste nach den Absagen von Gislason und Vranjes reduziert.

Noch besitzt Sigurdsson allerdings einen rechtskräftigen Vertrag beim DHB, der bislang noch nicht gekündigt ist. Dem 43-Jährigen liegt eine unterschriftsreife Offerte aus Japan vor.

Der Vertrag des Erfolgstrainers, der die Handballer zum EM-Titel und zu Olympia-Bronze geführt hat, läuft eigentlich bis 2020, eine Option - zu ziehen bis zum 31. Dezember dieses Jahres - ermöglicht ihm allerdings den vorzeitigen Ausstieg zum 30. Juni 2017.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel