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Stefan Kretzschmar (l.) hält große Stücke auf Christian Prokop © Imago

Der DHB beginnt die Verhandlungen mit den Klubs der Nationaltrainerkandidaten Christian Prokop und Markus Baur. Prokops Verein Leipzig will den Trainer nicht so einfach ziehen lassen. Eine Doppelfunktion ist möglich.

Nach dem öffentlichen Bekenntnis von Christian Prokop und Markus Baur steigt der Deutsche Handballbund (DHB) in die Verhandlungen mit den Klubs der beiden Top-Anwärter auf den Bundestrainer-Posten ein.

Im Fall von Prokop muss sich der DHB dabei auf reichlich Gegenwind seitens dessen Vereins SC DHfK Leipzig einstellen. Dessen Aufsichtsratschef, SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar, will Prokop nicht kurzfristig ziehen lassen.

Kretzschmar glaubt an Prokop-Verbleib

"Ich gehe davon aus, dass Christian auch in der Saison 2017/18 unser Trainer bleibt", sagte Kretzschmar der Leipziger Volkszeitung. "Wir sind nicht der SC Suizid Leipzig, wir sind der SC DHfK Leipzig", merkte Kretzschmar dort markig an.

Nachdem Prokop in der Vorwoche dem DHB bereits abgesagt hatte, hat der Verband ihm offenbar in Aussicht gestellt, sowohl das Nationalteam als auch die Leipziger zu trainieren. "Diese Doppelfunktion hat noch einmal zum Umdenken geführt", gab Prokop zu.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning hatte noch am Donnerstagmittag geäußert, der Verband freue sich "dass mit Christian Prokop und Markus Baur die beiden Wunschkandidaten von unserem Konzept überzeugt sind. Jetzt gilt es, die Verhandlungen mit den Vereinen auf freundschaftlicher Basis zu beginnen."

Wahl zwischen zwei "sehr guten Leuten"

Prokop und Baur seien "sehr gute Leute. Wir hatten eine Liste mit drei A-Kandidaten, zwei davon haben wir durchbekommen", sagte Hanning der dpa. "Es sind verschiedene Typen mit verschiedenen Ideen, aber beide Konzepte sind mit den Vorstellungen des Verbandes kompatibel."

Der Däne Ulrik Wilbek wäre der dritte Wunschkandidat für die Nachfolge von Dagur Sigurdsson gewesen, der nach der WM im Januar sein Amt niederlegen wird. "Er ist ein erfahrener Mann, den ich sehr schätze. Er hat aber abgesagt", erklärte der Vizepräsident.

Hanning hat keine Eile

Zeitdruck verspürt der Sportchef des Verbandes nicht, eine schnelle Einigung wird es wohl nicht geben. "Wir haben keine Eile, eine Entscheidung noch in diesem Jahr ist unwahrscheinlich", sagte Hanning. Spätestens im kommenden Sommer soll der neue Bundestrainer die Nachfolge des nach der WM in Frankreich (11. bis 29. Januar) scheidenden Dagur Sigurdsson antreten.

Nach Baur, Trainer des Bundesligisten TVB Stuttgart und Weltmeister von 2007, hatte am späten Mittwochabend auch Leipzig-Coach Prokop sein Interesse am bald vakanten Posten öffentlich gemacht. Zuvor hatte sich Leipzig bereit erklärt, seinen Trainer bei persönlichem Interesse gegen eine Ablösesumme zum DHB ziehen zu lassen. Prokop besitzt in Leipzig noch einen Vertrag bis 2021, Baur ist in Stuttgart bis 2018 gebunden.

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