Doha - Das DHB-Team hat den Vize-Weltmeister am Rande einer Niederlage und trauert der vergebenen Sensation nach. Noch ein Punkt fehlt fürs Achtelfinale.

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Bundestrainer Dagur Sigurdsson schaute stolz drein, und die Verbandsspitze um Präsident Bernhard Bauer und Vize Bob Hanning war nach dem erneuten Krimi von Katar voll des Lobes für die deutschen Handballer: "Unglaublich, was hier abläuft. Unsere Mannschaft hat fantastisch gekämpft und mit einer unfassbaren Energieleistung einen Punkt geholt", sagte Hanning nach dem 30:30 (16:16) gegen Vizeweltmeister Dänemark.

Sensation verpasst

Durch die verpasste Sensation trotz einer Drei-Tore-Führung neun Minuten vor dem Ende steht die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) zwar noch nicht ganz sicher im WM-Achtelfinale, doch die bärenstarke Leistung gegen die favorisierten Dänen macht Lust auf mehr. "Wir hätten am Ende den Lucky Punch setzen können, mit dem einen Punkt sind wir aber absolut zufrieden. Jetzt wollen wir Erster werden", sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler nach der Partie bei SPORT1.

Deutschland führt mit 5:1 Punkten die Gruppe D weiterhin an - mit zwei Siegen gegen Argentinien am Donnerstag und gegen Außenseiter Saudi-Arabien am Samstag (beide 16.45 Uhr im Liveticker) wären Platz eins und ein vermeintlich leichterer Gegner im Achtelfinale sicher.

Sigurdsson sprach daher "von einem gefühlten Sieg. Gegen solch' eine starke Mannschaft war das sehr gut", meinte der Isländer bei SPORT1. "Als wir in den letzten zwei Minuten in Unterzahl waren , haben die Jungs das stark gelöst." Bester Werfer der DHB-Auswahl, die nur dank einer Wildcard des Weltverbandes IHF an der WM teilnehmen darf, war Steffen Weinhold mit acht Toren.

"Wir hätten aber auch gerne gewonnen, ein Sieg war möglich", sagte der Rückraumspieler vom THW Kiel, der als bester Akteur des Spiels geehrt wurde.

Bauer gratulierte derweil Weinhold und der Mannschaft zu einem "sensationellen Spiel". "Der Kader und die Erfahrung sprechen für Dänemark", hatte Kapitän Uwe Gensheimer vor der Partie in der Lusail Multipurpose Hall erklärt. Daher hatte sich Sigurdsson für das Duell mit seinem Lehrmeister Gudmundur Gudmundsson eine besondere taktische Maßnahme einfallen lassen.

Taktische Finte

Der Isländer ließ die deutsche Abwehr sehr offensiv in einer 4:2- oder 5:1-Formation agieren, Patrick Groetzki deckte dabei den ehemaligen Welthandballer Mikkel Hansen zunächst kurz. Diese Maßnahmen zeigten in der Anfangsphase Wirkung, als die DHB-Auswahl den EM-Zweiten zu Fehlern provozierte und Groetzki einen Tempogegenstoß zur 3:1-Führung abschloss (5.).

In der Folge fanden die mit acht Bundesligaspielern angetretenen Dänen in der deutschen Abwehr aber auch immer wieder Lücken. Hansen schaffte es dabei öfters, sich Groetzkis Sonderbewachung zu entziehen.

Der WM-Fünfte wählte seinerseits im eigenen Angriffsspiel angetrieben von Spielmacher Martin Strobel immer wieder gute Lösungen, die Anspiele auf die Kreisläufer Patrick Wiencek oder Hendrik Pekeler stellten die dänische Deckung immer wieder vor Probleme. Zudem strahlte der deutsche Rückraum im ersten Durchgang deutlich mehr Torgefahr aus als zuletzt gegen Russland.

So entwickelte sich vor 3500 Zuschauern eine ausgeglichene Partie, keiner Mannschaft gelang es in den ersten 30 Minuten, sich abzusetzen. "Hut ab vor der Leistung unserer Mannschaft. Sie hat bislang auf Augenhöhe mit dem Vizeweltmeister gespielt und die Dänen vor große Probleme gestellt", sagte Bauer in der Halbzeitpause.

Nach der Pause brachte Sigurdsson im Tor den Berliner Silvio Heinevetter für Carsten Lichtlein. Der Routinier aus Gummersbach hatte im ersten Durchgang 24 Prozent der auf seinen Kasten abgefeuerten Würfe pariert - ein mäßiger Wert. Der Torhüter-Tausch machte sich zunächst bezahlt, Heinevetter lief heiß und hielt fünf der ersten zehn Bälle.

Das deutsche Angriffsspiel war zudem weiterhin druckvoll, selbst in eigener Unterzahl wurden klare Chancen erspielt. Gensheimer sorgte für die erste Drei-Tore-Führung (24:21/45.). Doch Dänemark blieb dran, agierte besonders in Überzahl effektiv, während das DHB-Team von leichten Toren im Tempogegenstoß profitierte.

Weinhold überragt

Der bärenstarke Weinhold traf zum 27: 24 (51.), doch die Dänen glichen zum 28:28 (55.) aus. Lichtlein kam wieder für den nachlassenden Heinevetter, aber die letzten 90 Sekunden agierte das deutsche Team in Unterzahl. Clever rettete die deutsche Mannschaft zumindest den Punkt über die Zeit. Ein großer Erfolg. Auch, wenn gegen diese Weltauswahl am Ende sogar mehr drin war.

"Es war ein extrem geiles Handballspiel für jeden, der zugeschaut hat, hochdramatisch am Ende. Nach 45 Minuten habe ich aber eigentlich gedacht, dass wir das Ding auf unsere Seite ziehen", sagte Kapitän Uwe Gensheimer bei SPORT1. "Wenn man den Spielverlauf sieht, hätten wir das auch schaffen können."

Sein abschließender Kommentar klang wie eine Drohung an die Konkurrenz. "Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen."

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