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Doha - Beim WM-Spiel Deutschland gegen Katar erhalten hunderte zahlende Fans keinen Eintritt in die Arena. Ein SPORT1-Reporter auch - er hat das Chaos vor der Halle miterlebt.

Von Daniel Becht

Ich war mit dem Taxi auf dem Weg zu Lusail Sports Arena, als mich der Anruf eines Bekannten erreichte: "Ihr braucht kein Ticket kaufen, die Katari lassen alle kostenlos rein!" Das wunderte mich dann doch: Es ist Viertelfinale der Handball-WM, Gastgeber Katar spielt gegen Deutschland - und das sollte keinen Eintritt kosten?

Eigentlich hatte mich das Trainingslager von RB Leipizig als Reporter nach Doha geführt. Und zum Abschluss wollte ich mir noch einen Handball-Abend gönnen. Als ich an der Arena ankam, war mir allerdings schnell klar: Entspannt würde dieser Abend nicht werden.

Rund 1.000 Fans warten vor der Halle

Das Spiel lief bereits seit etwa 10 Minuten, vor der Arena waren die Zustände chaotisch. Am Nordeingang tummelten sich circa 1.000 Menschen, alle rannten wild und aufgeregt herum. Mit einem solchen Ansturm hatten wir nicht gerechnet. Zumal wir das Spiel der Deutschen am vergangenen Sonntag gegen Saudi Arabien quasi unter Auschluss der Öffentlichkeit live sahen. Damals waren es knapp 1.000 Zuschauer. In der Halle, nicht davor.

Wir ließen uns nicht entmutigen. Eine 15.000 Menschen fassende Halle, irgendwo im Nirgendwo und in einem Land, in dem Handball soviel Tradition hat wie das Eiskunstlaufen in Kuba, die sollte doch noch irgendwo ein freies Plätzchen haben.

Die Menschen kommen wegen Jason Derulo

Weit gefehlt. Die Menschen, die doch so gerne das Spiel sehen wollten, drängten sich vor der ersten Sicherheitskontrolle. Kein Durchgang. Ein Katari teilte mir mit, was los sei. "Heute brauchst du kein Ticket. Freier Eintritt. Jason Derulo spielt." Meinen Einwand, dass gerade aber erst einmal Deutschland gegen sein Land ein WM-Viertelfinale spielt, nahm er achselzuckend hin.

Katar ohne Tor eines gebürtigen Katarers

Wir drängelten den anderen Fans hinterher, vor die eigentliche Sicherheitskontrolle, die der Abfertigung am Flughafen ähnlich ist. Ganz vorne wurden die Menschen unruhig. Nichts ging mehr. Niemand kam rein.

Auch Norman und Clifford aus London nicht. Beide weilten gerade in Dubai im Urlaub und waren als englische Handballfans echte Exoten.

Sie redeten verzweifelt auf die Ordner ein und baten um Einlass, schließlich hatten Sie auch Karten, für 50 Euro das Stück.

Der überwiegende Teil der Leute in der Halle allerdings nicht. Irgendjemand dort saß auf den Plätzen, die sie bezahlt hatten.

Auch als die Halle sich wieder leert - kein Einlass

Die Ordner reagierten kaum, viele verstanden kein Englisch oder wollten es nicht verstehen. Es dauerte 15 Minuten, bis eine Ordnerin überhaupt unser Anliegen verstand. Ihre Antwort: "Sorry, Arena is full." Clifford aus London rief ihr zu, dass er doch einfach nur Handball sehen wollte - und nicht Jason Derulo. Die Ordnerin blieb stur:  "No, not. Arena is full. And that's good. I'm sorry!"

Deutschland zwischen Frust und Wut

Mittlerweile war Halbzeit, hunderte Menschen, die ganz offensichtlich wegen Derulo und nicht wegen Handball gekommen waren, strömten aus der Arena. Ich bekam eine SMS aus der Halle, dass sie wieder halb leer sei. Für uns änderte das nichts: Kein Einlass. Niemand fühlte sich zuständig, niemand verstand uns. Es gab kein Ticket Office. Nichts.

Riesige Enttäuschung statt Entspannung. Ich bestellte ein Taxi und fuhr ins Hotel zurück. Ohne auch nur eine Minute Handball gesehen zu haben. Trotz Ticket.

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