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Stefan Kretzschmar setzt bei der WM 2015 in Katar auf Steffen Weinhold © getty

München - Ein Kieler geht voran. Auf der Königsposition könnte der Durchbruch gelingen. Stefan Kretzschmar checkt die deutsche Mannschaft.

18 Mann reisen am Dienstag nach Katar, 16 dürfen beim Auftaktspiel am Freitag gegen Polen (Fr., ab 16.45 Uhr im LIVE-TICKER) auf den Spielberichtsbogen.

Seine vorläufige Stammformation scheint Bundestrainer Dagur Sigurdsson weitgehend gefunden zu haben, zumindest im Feld.

Alles deutet auf die Flügelzange mit Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki, Patrick Wiencek am Kreis und einen Rückraum mit Paul Drux und Steffen Weinhold auf den Halbpositionen hin.

Spielmacher Martin Strobel kommt im Angriff für einen der Defensivspezialisten Hendrik Pekeler oder Stefan Kneer.

"Ein Trainer muss viel testen, aber irgendwann muss er sagen: 'Das ist meine erste Sieben, und der vertraue ich'", erklärt SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar: "Das war in der Vergangenheit leider häufig nicht so, und die Spieler wussten selber nicht so wirklich, woran sie sind. Jetzt gibt es eine erste Sieben, die super funktioniert und auf die man sich verlassen kann."

Die Basis steht

Sicher wird Sigurdsson sich auch am Gegner orientieren, und zwei Spieler können im Verlauf des Turniers aus dem erweiterten 28-Mann-Kader noch nachnominiert werden. Aber die Basis steht.

"So wissen auch die anderen, was ihre Aufgabe ist, nämlich der Mannschaft Energie zu geben, wenn einer der Starter mal nicht so gut spielt", sagt Kretzschmar: "Das ist vom Konzept her eine ganz klare und auch gute Ausrichtung."

Position für Position beleuchtet "Kretzsche" die deutschen Akteure - der Teamcheck.

• Tor (Carsten Lichtlein/Silvio Heinevetter/Andreas Wolff):

"Was unsere Torhüter betrifft, mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Carsten Lichtlein und Silvio Heinevetter sind ein sehr gutes Gespann. Lichtlein hat zuletzt mehr Spielzeit bekommen, was vielleicht sogar bedeutet, dass er anfangen wird. Aber das muss gar nichts heißen. Ich sehe beide auf einem Niveau - und man hat im Handball schließlich im Gegensatz zum Fußball die Möglichkeit, permanent zu wechseln. Andreas Wolff ist für mich zunächst die Nummer drei. Sigurdssons Stärke ist aber auch, dass er je nach Gegner entscheidet, wen er im Tor braucht."

• Linksaußen (Uwe Gensheimer/Matthias Musche):

"Uwe ist der beste Linksaußen der Welt. Punkt. Der Kapitän ist ganz klar die Nummer eins und hat hintendran mit Musche einen, der bewiesen hat, dass er ein gutes Niveau erreichen kann und Gensheimer auch als Nummer eins akzeptiert. Er passt charakterlich hervorragend in die Mannschaft, hat keine Angst vor großen Namen und spielt frech auf. Er opfert sich immer auf und agiert auch mal mit der nötigen Härte. Das kann dieser Mannschaft nur gut tun. Hätte man Michael Allendorf nominiert, wäre es vielleicht etwas schwieriger mit der Hierarchie geworden, auch wenn er nach den Leistungen in der Liga eigentlich die Nummer zwei wäre."

• Halblinks (Paul Drux/Stefan Kneer/Fabian Böhm):

"Paul Drux hat mich in den Vorbereitungsspielen gegen Tschechien extrem beeindruckt. Mit seiner Dynamik und seiner Athletik hat er viele Zeichen gesetzt und hervorragend mit dem Kreisläufer harmoniert. Und trotz seiner 19 Jahre übernimmt er schon Verantwortung und versteckt sich nicht. Er ist für mich die Entdeckung der Vorbereitung und kann vielleicht trotz seines Alters schon zum Führungsspieler werden. Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass die Königsposition unsere Achillesferse ist, zumal mit Mimi Kraus auch noch ein gelernter Mittelmann dort spielen kann. Wir sind sowieso darauf angewiesen, dass unser Zusammenspiel im Rückraum funktioniert, da wir nicht den alles überragenden Spieler haben. Da passt diese Kombination mit dem wurfgewaltigen Stefan Kneer und Neuling Fabian Böhm zusätzlich sehr gut ins Konzept."

• Rückraum Mitte (Martin Strobel/Michael Kraus):

"Strobel hat sich in diesem Jahr in Balingen wieder gut entwickelt und scheint zu seiner Bestform zurückzufinden. Er ist ein sehr aufgeräumter Mittelmann, der strukturiert die Fäden zieht und mit seiner Dynamik auch torgefährlich sein kann. Bei ihm war immer nur die Frage, wie groß sein Selbstvertrauen ist. Wie sehr will er der Anführer dieser Mannschaft sein? Da hatte ich in der Vergangenheit ein bisschen Zweifel, die sind aktuell aber ausgeräumt. Eine gute Nummer eins. Man kann sich auf ihn verlassen und weiß, was man bekommt. Und dann hat man noch den positiv verrückten Kraus in der Hinterhand, der für die besonderen Momente sorgen kann. Er kann der Mannschaft immer nochmal zusätzlich Energie geben und hat auch mehr Wurfkraft als Strobel. Mit Linkshänder Weinhold haben wir hier ebenfalls eine zusätzliche Alternative, die gut funktionieren kann."

• Halbrechts (Steffen Weinhold/Michael Müller/Jens Schöngarth):

"Steffen ist der wichtigste Spieler im Rückraum. Von ihm gehen die meisten Aktionen aus. Er ist wahnsinnig stark im Eins-gegen-Eins und hat einen super Wurf. Dazu ist er mittlerweile erfahren, ein Führungsspieler, gestählt von der Champions League. Michi Müller ist jemand, der in der Abwehr richtig zupacken kann und auch keine Angst vor großen Namen hat. Er hat sowohl im Angriff als auch in der Abwehr eine sehr robuste Spielweise und passt super ins Konzept. Mit Jens Schöngarth hat Sigurdsson dann noch jemand, der Wurfkraft aus dem Rückraum hat und den man gut in der Kreuzung bringen kann. Hier haben wir wieder drei völlig unterschiedliche Spieler und sind in der Summe gut besetzt - auch wenn mit Holger Glandorf der eigentlich beste Spieler auf dieser Position nach seinem Rücktritt fehlt."

• Rechtsaußen (Patrick Groetzki/Johannes Sellin):

"Patrick Groetzki ist gesetzt, ein sehr schneller, sprungkräftiger, trickreicher und auch wurfgewaltiger Mann. Er gehört jetzt schon zur Weltspitze und könnte bei der WM den nächsten Schritt machen. Johannes Sellin ist dazu ein frecher Typ, auch hier passt die Kombination. Insgesamt ist unsere Flügelzange bärenstark."

• Kreis: (Patrick Wiencek/Hendrik Pekeler/Erik Schmidt):

"Hier macht mir die Chancenverwertung ein bisschen Sorgen. Wiencek hat zuletzt doch einige Möglichkeiten liegengelassen. Allerdings hat er sich sehr verbessert, was seine Arbeit vor dem Wurf angeht. Wie er sich freisperrt und seinen Körper einsetzt, das ist super. Stark ist er auch in der Abwehr, hat seine Beinarbeit verbessert und ist auch vom Kopf her deutlich schneller geworden. Pekeler ist ein ähnlicher Typ, der jetzt nicht gerade emotional auffällt, in seinem jungen Alter aber schon relativ viel mit Auge macht und verstanden hat, wie Abwehr funktioniert. Die beiden können zusammen gut decken, ein starkes erstes Duo. Youngster Erik Schmidt hat seine Aufgabe in der Vorbereitung gut erfüllt und ist sicherlich eine ordentliche Ergänzung."

• Abwehr:

"Wir wissen, dass die 6:0 gut funktioniert wenn wir eine gewisse Aggressivität an den Tag legen und immer auf den Ballführenden rausgehen. Da sind wir in der Lage, ein Bollwerk hinzustellen. Dazu haben wir jetzt die Alternative 5:1, in der Kneer oder Pekeler vorne spielen können. Auch eine versetzte 5:1 mit Gensheimer ist möglich. Wir haben mehrere funktionierende Abwehrsysteme - es ist erstaunlich, wie gut wir das teilweise gespielt haben. Das ist sicherlich auch ein Verdienst von Sigurdsson, der den Jungen ganz genau erklärt haben wird, wie sie zu reagieren und welche Räume sie zuzuschieben haben. Wenn die Jungs die Sicherheit haben und wissen, was sie zu tun haben, können sie das umsetzen. Du musst ihnen nur das Selbstvertrauen geben."

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