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Nikola Karabatic, seit 14 Jahren das Gesicht des französischen Nationalteams, und Thierry Omeyer wollen es noch mal wissen
Nikola Karabatic, seit 14 Jahren das Gesicht des französischen Nationalteams, und Thierry Omeyer wollen es noch mal wissen © DPA Picture-Alliance

München - Frankreich dominiert die Handball-Welt wie kein Team zuvor. Bei der Heim-WM soll sich für zwei Legenden der Kreis schließen. Auch Nikola Karabatic brennt wie selten zuvor.

Zweimal Olympiasieger, vier Mal Weltmeister, drei Mal Europameister - die Erfolgsbilanz der französischen Handballnationalmannschaft seit der Jahrtausendwende ist für den Rest der Handballwelt schlichtweg furchteinflößend.

Zumal sich zu diesen neun Titeln vier weitere internationale Medaillen gesellen. In anderen Worten: Seit der Heim-WM 2001 beendete die Equipe Tricolore 13 von 20 großen Turnieren mit Edelmetall im Gepäck.

Kein Wunder, dass sie 16 Jahre später erneut zu Hause Topfavorit auf Gold ist, wenn sie am Mittwoch gegen Brasilien (20.45 Uhr im LIVETICKER und im LIVESTREAM auf handball.dkb.de) in die Titelkämpfe startet.

Goldene Generation

Wohl keine Generation einer Handballnation wird mit mehr Berechtigung als die "goldene" bezeichnet. Das Team um die lebenden Handballlegenden Thierry Omeyer (40), Daniel Narcisse (37) und den bestimmenden Handballspieler des vergangenen Jahrzenhnts, Nikola Karabatic (32), ist nicht weniger als eine Jahrhundertmannschaft.

Torhüter Omeyer, Welthandballer des Jahres 2008, und Rückraum-Allrounder Narcisse, der vier Jahre später zum besten Handballspieler des Planeten gewählt wurde, gehörten schon 2001 zum französischen Weltmeister-Kader. Damals waren die beiden die Youngster in einer Mannschaft, die gerade dabei war, sich in der internationalen Weltspitze zu etablieren.

Die damaligen Führungsspieler der Grande Nation hießen Jackson Richardson (Welthandballer 1995), Christian Gaudin oder Joel Abati, die den SC Magdeburg zum ersten deutschen Champions-League-Sieger machten. Sie hatten die Handballnation Frankreich salonfähig gemacht. Ihre Nachfolger Omeyer, Narcisse, Karabatic und Co. machten die Equipe Tricolore zum Nonplusultra.

Karabatic ist das Gesicht der Mannschaft

Gerade der 32 Jahre alte Spielmacher mit jugoslawischen Wurzeln steht sinnbildlich für den Titelhunger der französischen Nationalmannschaft. Mit 17 Jahren gab Karabatic sein Debüt für "Les Bleus". Drei Jahre später, bei seinem ersten EM-Titel 2006, war der Modell-Athlet, der vier Jahre lang für den THW Kiel auch in der Handball-Bundesliga aktiv war, schon Dreh- und Angelpunkt. Er prägte das Team seither in nie da gewesener Art und Weise.

Mit seinem Siegeswillen, seinem Kampfgeist und seiner Athletik, aber auch mit seiner Übersicht und Kreativität sorgte der Spielmacher dafür, dass Frankreich zwischen 2010 und 2012 als Olympiasieger, Europa- und Weltmeister alle denkbaren internationalen Titel gleichzeitig inne hielt - einmalig im Mannschaftssport.

Die schlechten Nachrichten für Frankreichs Gegner bei der bevorstehenden Heim-WM: Das Grundgerüst des französischen Dream Teams besteht noch immer. Omeyer, Narcisse und eben Karabatic führen die Grande Nation auch beim Eröffnungsspiel am 11. Januar gegen Brasilien wieder aufs Feld - vermutlich zum letzten Mal bei internationalen Titelkämpfen.

Dazu machen jüngere Stars wie das Sprungwunder Luc Abalo, wie vier weitere französische Nationalspieler Mannschaftskollege von DHB-Kapitän Uwe Gensheimer bei Paris Saint-Germain, oder der Flensburger Kentin Mahe den Titelverteidiger erneut zum Turnier-Favoriten Nummer eins.

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Wiedergutmachung für Olympia-Enttäuschung

Und der Gastgeber dürfte beim letzten Hurra des Jahrhundert-Teams auf den Titel brennen wie selten zuvor. Gingen die Franzosen bei den Europameisterschaften und Olympischen Spielen im Vorjahr doch leer aus. Gerade die bittere 26:28-Finalniederlage in Rio gegen Dänemark, nachdem Karabatic und Co. im Halbfinal-Krimi den deutschen Olympia-Traum beendet hatten, schmerzte die erfolgsverwöhnte französische Handballseele empfindlich.

Für die Heim-WM haben die Handball-Giganten Wiedergutmachung angekündigt. Ob sie ihren Worten auch Taten folgen lassen, wird sich frühestens nach der Gruppenphase zeigen. Mit den Gegnern Brasilien, Norwegen, Polen, Russland und Japan hat der Gastgeber eine Hammer-Vorrunde vor der breiten Brust.

Sollten die Franzosen diese Gruppe schadlos überstehen, sind sie bei ihrer Mission Titelverteidigung vor euphorischen Heim-Fans wohl kaum mehr aufzuhalten.

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