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HANDBALL-WORLD-2017-FRA-NOR
Die Franzosen holen den Titel im eigenen Land © Getty Images

Der Titelverteidiger ist am Ziel seiner Träume: Frankreich krönt sich nach einem vor allem im ersten Durchgang packenden Duell mit Norwegen im eigenen Land zum Weltmeister

Frankreichs Handballer führten nach ihrem erneuten Sturm auf den WM-Thron wilde Freudentänze auf, der überragende Nikola Karabatic stand wie ein großer Triumphator in Siegespose im Mittelkreis.

Nachdem die schier unersättlichen Titeljäger ihr sechstes WM-Gold durch ein 33:26 (18:17) in einem lange Zeit hochklassigen Finale gegen Außenseiter Norwegen gewonnen hatten, begann in Paris eine lange Partynacht. Zuvor hatte der Rekord-Weltmeister mit seinem neunten Sieg im neunten Turnierspiel seine Gold-Mission bei der Heim-WM eindrucksvoll erfüllt. 

"Es gibt 16 Helden heute Abend. Wir haben gekämpft wie die Löwen. Es ist eine großartige Geschichte. Die Emotionen sind unbeschreiblich", sagte Torhüter Vincent Gerard, der nach seiner Einwechslung eine bärenstarke Leistung zeigte. Auch Staatspräsident Francois Hollande war verzückt. "Das ist der Stolz Frankreichs", sagte Hollande.

Omeyer wird zum Rekordmann

Bester Werfer beim Sieger war Karabatic mit sechs Toren. Der Flensburger Kentin Mahe, Valentin Porte und Michael Guigou kamen auf jeweils fünf Treffer. Für den zweimaligen Olympiasieger war es der zehnte Titel bei einem Großereignis in den vergangenen 16 Jahren und gleichzeitig der krönende Abschluss für einige Spieler der "Goldenen Generation": Torhüter-Legende Thierry Omeyer, Daniel Narcisse und Guigou werden ihre Nationalmannschafts-Karriere wohl beenden. Für den 40 Jahre alten Ex-Kieler Omeyer war es der fünfte WM-Triumph - Rekord!

Durch Frankreichs Erfolg blieb das norwegische Wintermärchen ohne Happy End. Der mit einer Wildcard ins Turnier gerückte EM-Vierte kann sich aber immerhin mit der ersten WM-Medaille seiner Geschichte trösten. 

Mit Gerard kommt die Wende

Vor 15.700 Zuschauern in der seit Monaten ausverkauften Halle zeigten die Norweger in ihrem ersten WM-Finale keinen Respekt vor dem großen Favoriten. Der norwegische Rückraum präsentierte sich äußerst wurfgewaltig und treffsicher, zudem funktionierten die Anspiele auf Kreisläufer Bjarte Myrhol glänzend. Lohn des starken Auftritts der Norweger war eine 10:7-Führung (15.).

Die Franzosen, die in der Vorrunde mit 31:28 gegen Norwegen gewonnen hatten, setzten ihre Erfahrung und körperliche Robustheit entgegen. Zudem räumte der glücklose Omeyer seinen Platz im Tor in der 23. Minute beim Stand von 12:15. Mit Gerard kamen die vom Publikum frenetisch angefeuerten Gastgeber besser ins Spiel und gingen nach dem Tempogegenstoß-Tor von Rechtsaußen Porte eine Sekunde vor der Pause sogar mit einer knappen Führung in die Halbzeit. 

Norwegen geht die Puste aus

Nach dem Wechsel drückten die Franzosen aufs Tempo und spielten mit Karabatic als Spielgestalter ihre ganze Klasse aus. Schnell zogen sie auf vier Tore davon (22:18/34.). Norwegens Trainer Christian Berge, der als Nachfolger des wechselwilligen Ljubomir Vranjes bei der SG Flensburg-Handewitt im Gespräch ist, nahm schnell eine Auszeit. Doch die Fehler im Spiel seines Teams nahmen weiter zu, immer wieder fanden die Norweger in Gerard ihren Meister.

Als Kreisläufer Ludovic Fabregas zum 27:22 traf, war die Partie entschieden (48.). Den Norwegern fehlte die Kraft, um noch einmal heranzukommen. Die Fans auf den Rängen und die Ersatzspieler auf der Bank gaben schon Minuten vor Spielschluss den Startschuss in eine lange Partynacht.

Seine erste WM-Medaille gewann derweil Slowenien durch einen 31:30-Erfolg im Spiel um Platz drei gegen Kroatien. Der Vize-Europameister von 2004 holte dabei gegen den zweimaligen Olympiasieger in der zweiten Halbzeit einen Sieben-Tore-Rückstand auf.

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