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Das DHB-Team holt bei der Handball-WM den zweiten Sieg im zweiten Spiel, erleidet dabei aber leichte Blessuren. Torhüter Andreas Wolff zeigt eine überragende Vorstellung.

Pflichtaufgabe locker gelöst, Achtelfinale vor Augen: Die deutschen Handballer haben bei der WM in Frankreich ihre zweite Prüfung mit Bravour bestanden und ihre Medaillenambitionen mit einem Kantersieg eindrucksvoll untermauert.

Der Europameister bezwang Chile standesgemäß mit 35:14 (17:6) und übernahm mit 4:0 Punkten die Tabellenführung in der Gruppe C.

Kohlbacher bester Werfer

Mit einem weiteren Erfolg am Dienstag (17.45 Uhr auf im LIVESTREAM auf handball.dkb.de und im LIVETICKER) gegen Außenseiter Saudi-Arabien hätte die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson die K.o.-Phase vorzeitig erreicht. Bester Werfer der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in der Kindarena in Rouen war Kreisläufer Jannik Kohlbacher mit acht Toren.

"Uns war klar, dass wir mehr Qualität haben und gewinnen müssen. Das haben wir getan", stellte Sigurdsson fest. Und das, obwohl der Bundestrainer im Vergleich zum hart erkämpften Auftaktsieg gegen Ungarn (27:23) kräftig rotierte. "Wir haben humorlos mit Spaß gespielt", befand auch DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Zu kritisieren gab es dann - wie so oft - aber doch etwas. "In der Chancenverwertung hat sich bei fast allen ungewollt eine gewisse Unkonzentriertheit eingeschlichen", mahnte Linksaußen Rune Dahmke nach der Partie, bestätigte aber auch: "Ich glaube, wir haben dennoch verdient gewonnen und das ist das, was zählt am Ende."

Allerdings nur ein kleiner Wermutstropfen, angesichts der durchweg überzeugenden Leistung der deutschen Mannschaft. Auch im "zweiten Anzug" dominierten die Bad Boys das Spiel.

"Heute haben auch viele Spieler gespielt, die im ersten Spiel nicht zum Einsatz kamen. Das hat gezeigt, dass wir in der Breite einfach extrem stark sind", sagte Dahmke.

"Ärgere mich über jedes Gegentor"

Neben dem starken Kohlbacher zeigte vor allem Torhüter Andreas Wolff seine ganze Klasse. Der 25-Jährige glänzte mit einigen spektakuläre Paraden. Der EM-Held erhielt diesmal den Vorzug gegenüber Silvio Heinevetter, der gegen Ungarn überragend gehalten hatte, und wurde zum Man of the Match gewählt. Dennoch: Die Gegentore ärgern den ehrgeizigen Schlussmann. Jedes einzelne. 

"Ich hatte den Eindruck, dass Wolffi jedes Gegentor als Beleidigung empfunden hat. Er wollte den Chilenen diesen Spaßfaktor nicht gönnen", sagte Hanning mit einem Schmunzeln. 

"Ich ärgere mich generell über jedes Gegentor. Das ist gegen Chile genauso wie gegen Dänemark. Das kann er mir nicht übel nehmen. Mein Job ist es ja schließlich, diese zu verhindern", antwortete Wolff.

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Dem letzten Satz würde wohl auch Hanning nicht widersprechen. Wichtiger als die Gegentor-Statistik war dem 48-Jährigen die Gesundheit seiner Spieler: "Bei diesen Spielen ist besonders wichtig, dass der Kräftehaushalt gut eingeteilt wird und dass sich keiner schwerwiegend verletzt."

Entwarnung bei Drux und Wolff

Ganz ohne Blessuren kam das DHB-Team allerdings nicht zum zweiten WM-Sieg. Bundestrainer Sigurdsson erlebte zwei Schrecksekunden.

In der 21. Minute humpelte Wolff, der schon in der ersten Halbzeit zehn Paraden zeigte, nach einer schmerzhaften Rutschpartie: "Ich musste aufs Tor zu sprinten, habe meine Geschwindigkeit unterschätzt und musste dann auf den Knien abbremsen", sagte er auf SPORT1-Nachfrage: "Das ist dann über die Hüfte in die Knie reingezogen. Es tut noch etwas weh, aber ich denke, dass ich in zwei Tagen wieder fit bin."  

Schlimmer erwischte es Paul Drux. Der Berliner musste in der 23. Minute am Sprunggelenk behandelt werden und kam danach nicht mehr zum Einsatz. Drux verfolgte das Spiel danach mit einem Eisbeutel auf dem Knöchel von der Bank aus.

Wenige Stunden nach der Verletzung gab er bereits leichte Entwarnung. "Zwei Spiele, zwei Siege. Der Fuß sieht auch schon besser aus, zum Glück nichts kaputt" schrieb der 21-Jährige auf Facebook.

Wolff will auf Rathausbalkon feiern

Nach der Partie gegen Saudi-Arabien wartet am Mittwoch Weißrussland, bevor es zum Abschluss der ersten Turnierphase am Freitag gegen Kroatien wohl um den Gruppensieg geht.

Hannings Plan steht: "Jetzt haben wir erst einmal zwei Hausaufgaben vor uns, wo es darum geht, die Ausgangssituation weiter so aufrecht zu erhalten, dass vielleicht sogar ein Unentschieden gegen die Kroaten reichen würde, um den Gruppensieg zu feiern."

EM-Held Wolff denkt da bereits einige Schritte voraus. "Ich habe oft genug gesagt, dass ich den Titel gewinnen will, und meine Mannschaft zieht mit. Deshalb geht es bis ins Finale und dann auf den Rathausbalkon feiern."

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Das Stenogramm:

Chile - Deutschland 14:35 (6:17)

Chile: Oliva, Barrientos - Em. Feuchtmann (2), Frelijj (2), Moll (2), Donoso (2), Erw. Feuchtmann (1), H. Feuchtmann (1), R. Salinas (1), Lopez (1), E. Salinas (1), Reyes (1/1)

Deutschland: Wolff (Kiel), Heinevetter (Berlin) - Kohlbacher (Wetzlar/8), Dahmke (Kiel/7), Kühn (Gummersbach/4), Gensheimer (Paris/4/4), Häfner (Hannover/3), Wiencek (Kiel/3), Ernst (Gummersbach/3), Reichmann (Kielce/2), Pieczkowski (Leipzig/1), Groetzki (Rhein-Neckar-Löwen), Fäth (Berlin), Drux (Berlin), Lemke (Magdeburg)

Schiedsrichter: Licis/Sondors (Lettland)

Zeitstrafen: 3:3

Siebenmeter: 1/2:4/4

Zuschauer in Rouen: 5200

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