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Kapitän Uwe Gensheimer trauert um seinen Vater
Uwe Gensheimer debütierte 2005 im Trikot der Nationalmannschaft © Getty Images

Rouen - Deutschlands Kapitän reist nach dem Tod seines Vaters zum WM-Auftaktspiel zur Nationalmannschaft - ein denkbar schwerer Gang in seiner neuen Heimat.

Der öffentliche Teil des Trainings in der Kindarena von Rouen mit ein wenig Fußball und Warmwerfen war gerade beendet, da komplettierte Deutschlands Kapitän das Team.

"Das hätte mein Vater so gewollt." Mit diesen Worten hatte Uwe Gensheimer zuvor erklärt, warum er die WM in Frankreich spielen wird. Trotz des Schicksalsschlages, der ihn in der unmittelbaren Vorbereitung ereilte.

Am Sonntag war die Schocknachricht vom unerwarteten Tode Dieter Gensheimers im Trainingslager der Nationalmannschaft in Kamen-Kaiserau eingetroffen. Gensheimer reiste natürlich sofort ab nach Mannheim.

Mit dem Teammanager zum Team

Nun entschied er sich, dennoch für sein Land aufzulaufen, fuhr am Donnerstag mit Teammanager Oliver Roggisch aus dem Badischen in die Normandie.

"Wir müssen schauen, dass wir ihn gut empfangen und dass er sich wohlfühlt", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson auf der Pressekonferenz vor dem  sportlich so wichtigen ersten Turnierspiel gegen Ungarn am Freitag (ab 17.45 Uhr im LIVETICKER und im LIVESTREAM auf handball.dkb.de): "Wir werden ihn sicher sofort brauchen."

Umso mehr, weil der Kieler Rune Dahmke das Training am Donnerstag krankheitsbedingt verpasste. Sollte der zweite Linksaußen ausfallen, müsste Gensheimer direkt in die Bresche springen, einen anderen für den Flügel hat Sigurdsson nicht.

"Ich hoffe, dass er sich einigermaßen auf das Turnier konzentrieren kann", sagte Sigurdsson: "Wie ich ihn kenne, ist er heiß."

Seine Mannschaftskollegen werden ihn dabei unterstützen so gut es geht. Dem ganzen Team geht die Situation spürbar nahe.

Zuspruch von den Mannschaftskollegen

"Wir werden natürlich versuchen, ihn aufzumuntern und auf andere Gedanken zu bringen", sagte sein langjähriger Freund, einstiger WG-Mitbewohner und Löwen-Teamkollege Patrick Groetzki nach der Generalprobe gegen Österreich im SPORT1-Interview.

In der kommenden Woche wird Gensheimer dann noch einmal in die alte Heimat reisen, um der Beerdigung beizuwohnen, der genaue Termin steht noch nicht fest.

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Dabei sollte die WM unter einem ganz anderen Stern stehen für Deutschlands Vorzeige-Handballer.

Im vergangenen Sommer erst hatte Gensheimer den Schritt ins Ausland gewagt und sich nach langen Jahren bei den Rhein-Neckar Löwen der Startruppe von Paris Saint-Germain angeschlossen.

Starke erste Saison in Paris

Sportlich wie privat war es die absolut richtige Entscheidung für den 30-Jährigen. Die kleine Familie mit Ehefrau Sandra und Sohn Matti lebte sich bestens ein. Zum Training geht’s mit dem Fahrrad. Die Torschützenliste in der an Topspielern nicht gerade armen Liga führt er an.

"Alles ist super gelaufen. Ich habe mich sehr schnell eingefunden, sportlich und privat. Es ist etwas ruhiger, die Familie hat mehr Zeit füreinander, das ist schon viel wert", sagte Gensheimer bei der Gala zum "Sportler des Jahres" Ende Dezember im Gespräch mit SPORT1.

Die WM in seiner neuen Heimat hatte er sich zu diesem Zeitpunkt noch ganz anders vorgestellt.

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