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Hockey Champions Trophy-DHB-Deutschland
Bei der letzten Champions Trophy 2012 erreichten die DHB-Herren Platz 6 © Getty

Geht es nach SPORT1-Kolumnist Philipp Crone, könnte die Champions Trophy für die deutschen Männer ein Fingerzeig sein.

Liebe Hockey-Freunde,

von Wiedergutmachung für Platz sechs bei der Weltmeisterschaft muss man bei der HockeyChampions Trophy (ab Sa. um 14.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) nicht unbedingt sprechen.

Es geht eher darum, die Konkurrenz in der Weltspitze wieder zu schlagen und Erfolgserlebnisse zu sammeln. Es ist eine ideale Möglichkeit, die Mannschaft auf das kommende Jahr und die anstehende Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio 2016 vorzubereiten.

Besser als bei der Champions Trophy in Indien geht das nicht: die besten Gegner der Welt und eine beeindruckende Kulisse. Ich habe selbst in Indien schon vor 50.000 Zuschauern gespielt, und man nimmt sich da natürlich vor, sich nicht ablenken zu lasen. Aber vor allem die jungen Spieler werden da eine besondere Erfahrung machen.

Die indischen Zuschauer unterscheiden sich von Zuschauern in Europa. Sie wollen sehen, dass ein Spieler sich den Ball schnappt und über das ganze Feld dribbelt; entsprechend frenetisch feuern sie ihre Mannschaft an, wenn ein Spieler mal zwei oder drei ausgespielt hat.

All das, starke Gegner und ein anspruchsvolles Umfeld, sind optimale Bedingungen, um gerade junge Spieler zu testen. Im Kader stehen acht Junioren-Weltmeister, von denen vier zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft spielen werden. Aber die kennen das Land und haben gute Erinnerungen daran: Die Junioren-WM fand vergangenes Jahr in Indien statt.

Bei der Weltmeisterschaft in Holland im Sommer hat Trainer Markus Weise sich für erfahrene Spieler entschieden, die wegen beruflicher oder gesundheitlicher Einschränkung nicht auf dem besten Trainingsstand waren. Jetzt hat er die Möglichkeit, vielversprechende junge Spieler zu testen, um dann bei der Olympia-Qualifikation eine größere Auswahl zu haben.

In der Vergangenheit war es so, dass die Mannschaften Medaillen geholt haben, die eben auch immer mal wieder Champions Trophys gewonnen haben. Insofern geht es für die deutsche Mannschaft auch darum, in Indien zu zeigen: Wir sind weiterhin ganz oben mit dabei, als Erster der Weltrangliste und Olympiasieger, die WM war ein Ausrutscher.

Aber gleichzeitig spielen für ein erfolgreiches Abschneiden viele Dinge eine Rolle. Die Spieler müssen sich zum Beispiel schnell umstellen: vom deutschen Winter mit erstem Schneefall auf 30 Grad in Indien, und vom Hallenhockey, das in den Vereinen gerade gespielt wird, auf Feldhockey.

Das kann man sich so vorstellen, als ob ein Fußballspieler zwei Monate lang nur "Socca Five" spielt und dabei nicht mit dem Vollspann schießen darf und dann auf ein großes Feld geht, wo wieder alles erlaubt ist.

Andererseits sind die Spieler das aber auch gewohnt und müssen sich jedes Jahr umstellen. Bei mir hat das immer ungefähr drei Trainingseinheiten lang gedauert.

Die Kadernominierung gefällt mir richtig gut: Acht Junioren-Weltmeister, dazu einige erfahrene Spieler wie Tobias Hauke und Moritz Fürste - das ist eine tolle Mischung.

Und bei Trainer Markus Weise muss man immer damit rechnen, dass er eine Gruppe in kürzester Zeit zu einer Einheit formt, die erfolgreich ist. Er hat einfach diese Gabe, Spieler so einzusetzen und anzusprechen, dass er eine Atmosphäre erzeugt, in der eine Mannschaft eine Eigendynamik entwickelt ? das beste, was passieren kann.

Bei aller Umstellung und einem Kader mit neuen Spielern: Deutschland kann immer jeden schlagen. Aber das Ding zu gewinnen, wäre schon ein Fingerzeig: Wir sind da. In den Gruppenspielen geht es gegen Indien, die einen ordentlichen Heimvorteil haben, wobei auch einige deutsche Spieler schon in der indischen Liga gespielt haben und die Atmosphäre kennen. Holland und Argentinien sind weitere Gegner, gegen die Deutschland bei der WM verloren hat. Das werden spannende Spiele.

Euer Philipp Crone

Philipp Crone, 37, ist Weltmeister von 2002 sowie 2006 und gewann 2004 in Athen die olympische Bronzemedaille. Mit 349 Länderspielen war er bis 2012 Rekordnationalspieler. 2007 beendete Philipp Crone seine aktive Karriere. Bei den Weltmeisterschaften in Den Haag begleitet er an der Seite von Holger Pfandt die Übertragung der Spiele der Herren. Das Duo Pfandt/Crone war auf SPORT1 bereits bei den Übertragungen der Hockey World League im Januar zu hören.

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