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Franck Ribery und Didier Deschamps © Getty Images

Paris - Franck Ribery nennt persönliche Motive für seinen Rücktritt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. SPORT1 erklärt die wahren Gründe.

Noch hat Noel Le Graet, der Präsident des Französischen Fußball-Verbandes, die Hoffnung nicht aufgegeben.

Die Hoffnung, dass Franck Ribery doch noch in die "Equipe Tricolore" zurückkehrt.

Graet deutete an, den Star des FC Bayern München umstimmen zu wollen.

Denn "auf seine Weltklasse-Fähigkeiten" könne Frankreich "nicht so leicht verzichten".

Dass aber auch Graet selbst von Riberys Rücktritt überrascht wurde, spricht nicht gerade für ein inniges Verhältnis der Beiden.

Vertrauensverhältnis zu Ärzten zerstört

Seine Gründe für den Rückzug (Bericht) seien "rein persönlicher" Natur, sagte Ribery dem "kicker". Er wolle sich mehr seiner Familie widmen und sich ganz auf die Aufgaben beim FC Bayern konzentrieren.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

Ein schwerwiegender Grund für Riberys Rücktritt ist das zerstörte Vertrauensverhältnis zu den Ärzten der Nationalmannschaft.

Der 31-Jährige hat noch nicht verwunden, dass ihn die französischen Ärzte vor der WM nicht aus dem Trainingslager zur Behandlung von Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ließen.

Weil Ribery eine Cortison-Kur ablehnte, verbreiteten sie die Geschichte, er habe Angst vor Spritzen - eine Version, die Ribery selbst bestreitet.

Nach der Schande von Knysna in Ungnade

Riberys Beziehung zur Nationalmannschaft und seinen Landsleuten war ohnehin recht wechselhaft.

Zwischen 2006 und 2014 erlebte er Höhen und Tiefen.

Sein Debüt bei der WM 2006 in Deutschland verlief wie in einem Märchen. Sogar sein damaliger Mitspieler Zinedine Zidane war begeistert von den Fähigkeiten und den Leistungen des "Chti Franck".

Danach galt er in Frankreichs Elf als unersetzlich. Bis zum Eklat bei der WM 2010 in Südafrika.

Nach wie vor sehen die Franzosen in Ribery einen der Drahtzieher der Schande von Knysna. Auch die Affäre um eine minderjährige Prostituierte hatte den Ruf von Ribery beschädigt.

In Frankreich galt er fortan als ungeliebte Person - ganz im Gegensatz zu seinem Stellenwert beim FC Bayern.

Nur langsam konnte er zwischen 2012 und 2014 wieder viele Herzen in Frankreich durch seinen starken Willen und ein fehlerloses Benehmen erobern.

Seine Rückenverletzung machte ihm schließlich die ersehnte WM-Teilnahme in Brasilien unmöglich.

 

Schlussstrich nach 81 Länderspielen

Eigentlich hatte Ribery die Heim-EM 2016 als großes Ziel ausgegeben. Eigentlich hatte er noch die Marke von 100 Länderspielen im Visier.

Stattdessen hat er einen Schlussstrich unter das Kapitel Nationalmannschaft gezogen.

Seine 81. Partie beim 1:0-Sieg am 5. März im Pariser Stade de France gegen die Niederlande wird wohl die letzte für "Les Bleus" gewesen sein.

Das nächste Länderspiel am 4. September gegen Spanien wird er vor dem Fernseher verfolgen.

Zermürbt vom Kampf um Anerkennung

Nicht zuletzt der Kampf um Anerkennung in Frankreich hat Ribery zermürbt.

"Mir wurde nichts verziehen", klagte er.

Dass er seinen Rücktritt über die deutschen Medien bekannt gab, kam in Frankreich ebenfalls nicht gut an.

Die Grande Nation weint ihm aber kaum eine Träne nach.

In einer Umfrage von "Le Parisien" geben 90,2 Prozent an, dass sie den Rücktritt von Ribery nicht bedauern. Bei einer Online-Umfrage der "L'Equipe" sind es knapp 70 Prozent.

Ein Rücktritt vom Rücktritt scheint unter diesen Bedingungen schwer vorstellbar.

Allen Überredungskünsten von Monsieur Noel Le Graet zum Trotz.

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