München und Mumbai - Manuel Friedrich erlebt in Indien ein echtes Abenteuer. Im SPORT1-Interview spricht er über prominente Kollegen und Titelträume

Von Denis de Haas und Jonas Austermann

Es ist keine sechs Monate her, da spielte Manuel Friedrich noch gegen Real Madrid.

Im Trikot von Borussia Dortmund bestritt er Zweikämpfe gegen Gareth Bale, Angel di Maria und Karim Benzema.

Friedrich feierte einen 2:0-Sieg, schied aber trotzdem in der Champions League aus.

Nun will der 35-Jährige einen anderen Titel gewinnen. Einen, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wird. Friedrich ist im Sommer zum Mumbai City FC gewechselt. Sein Team gehört zu den acht Teilnehmern der Indian Super League.

Altstars tummeln sich

Und in der neu gegründeten Liga tummeln sich die Altstars regelrecht.

Weltmeister wie Alessandro Del Piero (Delhi Dynamos) und David Trezeguet (Pune FC) gehen jetzt in Indien auf Torejagd.

Friedrichs Mannschaftskollegen heißen unter anderem Nicolas Anelka und Frederik Ljungberg. Die beiden Prominenten fehlten allerdings beim Saisoneröffnungsspiel, in dem Mumbai vor 70.000 Zuschauern ein 0:3 erlebte.

"Von Anfang an sehr seriös"

Ungeachtet der Pleite bei Atletico de Kolkata hegt Friedrich große Hoffnung und Erwartung auf eine erfolgreiche Saison.

Bei SPORT1 spricht der neunfache Nationalspieler über die Stimmung im Fußball-Entwicklungsland Indien, harte Trainingsbedingungen und den Meistertraum auf dem Subkontinent.

SPORT1: Herr Friedrich, wie war das Erlebnis, in einer neuen Liga vor 70.000 Zuschauern zu spielen?

Manuel Friedrich: Der Rahmen war ganz toll. Die Eröffnung und die Stimmung waren super. Das Ergebnis war aus unserer Sicht natürlich nicht so schön. Wir sind eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft und haben uns leider noch nicht gefunden. Das werden wir schnellstmöglich abstellen.

Manuel Friedrich spielte in der Bundesliga zuletzt für Borussia Dortmund

SPORT1: Wie ist überhaupt der Kontakt nach Indien zustande gekommen?

Friedrich: Mich hat damals ein Agent aus Indien kontaktiert und gefragt, ob Indien für mich in Frage käme. Er hatte gelesen, dass ich gerne nach Asien wechseln würde. Es war von Anfang an sehr seriös, und deswegen ist es im Endeffekt Indien geworden.

SPORT1: Wie muss man sich das Niveau aus europäischer Perspektive vorstellen?

Friedrich: Es ist sehr schwer einzuschätzen, weil die klimatischen Bedingungen ganz anders sind. Ich könnte mich nicht festlegen. Wir haben zudem auch auf einem nicht so guten Kunstrasen gespielt. Unsere indischen Spieler sind sehr talentiert und viele sind noch sehr jung. Ich glaube, dass wenige von denen schon einmal vor so einer Kulisse gespielt haben. Das kommt dann natürlich noch dazu. Deshalb waren sie vielleicht ein bisschen aufgeregt.

SPORT1: Wie sieht es mit der Unterkunft in Mumbai aus?

Friedrich: In Phase eins waren wir außerhalb von Mumbai, um uns auf die Saison vorzubereiten. Eine Woche vor Saisonbeginn sind wir dann ins Stadtinnere gezogen. Wir sind im Hotel alle zusammen, anders wäre das hier aufgrund des Verkehrs in Mumbai gar nicht möglich. Wenn man hier zehn Kilometer auseinander wohnt, kann es sein, dass man mit dem Auto mal eine Stunde braucht. Deshalb ist es anders gar nicht realisierbar.

SPORT1: Wie ist der Kontakt zu den Starspielern Nicolas Anelka und Frederik Ljungberg?

Friedrich: Die beiden helfen mit ihrer Erfahrung, wo sie nur können. Das Problem ist, dass Nicolas noch gesperrt ist und Freddie im Moment angeschlagen. Man tritt ihnen in Indien mit einem Riesenrespekt entgegen. Mir persönlich wäre es aber lieber, wenn sie uns auch auf dem Platz weiterhelfen könnten. Wir brauchen sie, und ich kann es kaum erwarten, dass die beiden endlich eingreifen.

SPORT1: Also fällt Ihnen aktuell die Rolle des Führungsspielers zu?

Friedrich: Ich versuche, zu helfen, wo ich nur kann. Natürlich auch die Führungsrolle zu übernehmen, weil ich vom Alter und der Erfahrung einigen voraus bin. Das war schon immer meine Rolle. Hinten in der Innenverteidigung hast du das ganze Spiel vor dir und kannst dirigieren. Den Job versuche ich bestmöglich auszuführen.

SPORT1: Muss man bei Bekannten aus der Heimat gegen das Vorurteil ankämpfen, dass Indien nur eine Alte-Herren-Liga ist?

Friedrich: Nein, gar nicht. Die Leute, mit denen ich regelmäßig Kontakt habe, finden es spannend. Die meisten habe ich auch dazu verdonnert, das regelmäßig zu verfolgen. Man muss bei den Temperaturen Fußball gespielt haben und nach einer Trainingseinheit zwei Liter Wasser im Schuh gehabt haben, um da wirklich mitreden zu können. Es ist komplett was anderes. Ich versuche, das in Deutschland auch ein bisschen publik zu machen. Das ist unser Hauptziel: Wir sind alle da, um den Fußball hier nach vorne zu bringen. Ich hoffe, dass wir ein gutes Turnier spielen und das hinbekommen.

SPORT1: Wie oft und hart wird trainiert?

Friedrich: Du kannst hier nicht bis zum Umfallen rennen. Es ist von Team zu Team verschieden. Ich habe gehört, dass ein paar Teams zwei Mal täglich trainieren. Wir haben englische Trainer, die das ein bisschen lockerer sehen. Die auch ein Auge dafür haben, dass der Kunstrasen auf dem wir trainiert haben, nicht das Beste für die Gelenke und den Rücken ist. Einmal am Tag ist auf jeden Fall Training, in der Vorbereitung öfter. Das Training ist vergleichbar mit dem in Deutschland, wenn es ein bisschen heißer wäre. Man darf bei der Hitze nicht übertreiben.

SPORT1: Besteht das Ziel, die indische Meisterschaft zu gewinnen, nach der Auftaktniederlage weiter?

Friedrich: Es gibt Hin- und Rückspiele, danach zwei Halbfinals. Wegen eines verlorenen Spiels die Flinte ins Korn zu werfen, macht keinen Sinn. Ich will weiterhin die Liga gewinnen, und das ist definitiv drin. Wir müssen darüber sprechen, was beim letzten Spiel schief gelaufen ist. Ich bin sehr euphorisch und optimistisch.

SPORT1: Die Saison ist im Dezember vorbei. Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?

Friedrich: Nein. Ich warte erst mal den Verlauf des Turniers ab. Im Moment fühle ich mich richtig gut und habe richtig Lust auf Fußball. Dementsprechend kann es auch gerne noch weitergehen. Ich habe ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht, wo genau.

SPORT1: Wie verfolgen Sie Ihren alten Verein Borussia Dortmund?

Friedrich: Ich bekomme ab und zu mal etwas mit, wenn ich mit ein paar Leuten schreibe. Ich gucke auch mal in die News, ein Spiel habe ich aber noch nicht live verfolgen können. Das ist hier ein bisschen schwieriger hier. Ich weiß, dass es bei Dortmund nicht so gut läuft. Das tut mir natürlich leid.

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