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Juan Bernat feierte gegen Luxemburg seine Premiere für die A-Nationalmannschaft

Vigo - Juan Bernat kam als unbeschriebenes Blatt zum FC Bayern. Nun winkt ihm ein Einsatz für Spanien im Duell mit dem Weltmeister.

Von Matthias Becker, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Wenn Deutschland am Dienstagabend auf Spanien trifft, ist beim Gegner einer dabei, zu dem es vor nicht allzu langer Zeit noch nicht mal einen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag gab.

Juan wer? Diese Frage ging nicht nur durch die Sportredaktionen, als der FC Bayern im Sommer wie aus dem Nichts die Verpflichtung von Juan Bernat bekannt gaben.

Nur wenige Monate später hat sich Bernat in der Bundesliga und darüber hinaus einen Namen gemacht. Gegen seine Wahlheimat darf der 21-Jährige auf seinen zweiten Länderspieleinsatz hoffen.

Es wäre die vorläufige Pointe unter der bemerkenswerten Geschichte eines Shootingstars (Mehr zu Juan Bernat ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1).

Dauerbrenner trotz Alaba

Als die Bayern die Bernat-Verpflichtung verkündeten, herrschte zunächst einmal Ratlosigkeit bei den Beobachtern. Klar, Trainer Pep Guardiola kennt sich auf dem spanischen Markt gut aus, aber was will er denn mit dem?

Klar, 10 Millionen Euro Ablösesumme sind für die Münchner nicht weiter der Rede wert. Aber auf der linken Abwehrseite, die Bernat bei seinem bisherigen Verein, dem FC Valencia beackert hatte, wirkte beim FC Bayern schließlich schon David Alaba.

Die Fragezeichen sind längst zu Ausrufezeichen geworden. "Ich bin selbst überrascht. Ich hätte nie erwartet, in so einer Mannschaft mit solchen großen Namen so oft spielen zu dürfen", sagte Bernat vor dem Heimspiel in der Champions League gegen den AS Rom.

Er absolvierte bislang alle Pflichtspiele für die Bayern, den großen Teil davon in der Startelf.

Perfekt für Guardiolas System

"Er läuft 90 Minuten, 20 Meter vor, dann wieder 30 Meter zurück, immer Vollgas", charakterisiert ihn Guardiola. "Diese Spieler erfreuen mich."

Bernat, der in Valencia einst vom Außenstürmer zum Linksverteidiger umgeschult wurde, passt perfekt zur Systemumstellung, die Guardiola seinem Team verpasst hat. Außen vor der Dreierkette muss er nach hinten arbeiten, kann aber auch seine Qualitäten nach vorne ausspielen.

Nachdem Alaba mit einer Knieverletzung bis ins Jahr 2015 ausfällt, ist Bernat quasi gesetzt in München.

Der 1,70 Meter kleine Spanier sieht bei sich aber auch noch Luft nach oben. "Ich kann mich im defensiven Bereich noch verbessern", sagte Bernat kürzlich. Und "natürlich würde ich gerne demnächst ein Tor schießen."

Forsch auf dem Platz, still daneben

In die Offensive geht Bernat allerdings nur auf dem Platz. "Er spielt so Fußball, wie er redet: kurz, knapp, schnell, prägnant", hatte FCB-Sportvorstand Matthias Sammer schon bei der Präsentation des Zugangs angekündigt.

Bernat selbst beschreibt es anders: "Ich bin eher schüchtern, auch in der Kabine sage ich nicht viel. Wenn ich auf dem Platz bin, verliere ich die Scheu und gehe aus mir raus."

Das gefällt offenbar auch Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque, der nach dem WM-Debakel des amtierenden Europameisters gerade eine neue Mannschaft aufbaut.

Er berief Bernat im Oktober erstmals in die "Seleccion" - der Neuling schoss gegen Luxemburg gleich mal ein Tor.

Gute Startvoraussetzungen, um seinen steilen Aufstieg auch im Nationaltrikot fortzusetzen.

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