Zürich - Neuer ist bei der Wahl zum Weltfußballer gegen Ronaldo chancenlos. Er trägt es mit Fassung und hat schon neue große Ziele.

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Manuel Neuer hatte es vermutlich schon geahnt, jedenfalls trug er die Niederlage mit Fassung.

Mit einem Lächeln nahm der im schwarzen Anzug gekleidete deutsche Nationaltorwart die Wahl seines Konkurrenten Cristiano Ronaldo zum weltbesten Fußballer 2014 zur Kenntnis, die Thierry Henry im Züricher Kongresshaus um 20 Uhr bekanntgab.

"Solch eine Auszeichnung ist einzigartig, ich bin überglücklich", sagte der Superstar von Real Madrid, der sich bei der ganzen Welt bedankte: "Ich möchte in die Geschichte des Fußballs als Bester eingehen und bin auf einem richtigen Weg."

Ronaldo bekam 37,66 Prozent der Stimmen. Neuer wurde mit 15,72 sogar ganz knapp nur Dritter hinter Messi (15,76).

Löw, Keßler und Kellermann ausgezeichnet

Insgesamt war es dennoch ein erfreulicher und erfolgreicher Abend für den deutschen Fußball. Bundestrainer Joachim Löw wurde nach dem WM-Triumph von Brasilien auf der in über 180 Länder übertragenen Gala als weltbester Trainer ausgezeichnet.

Nadine Keßler vom Triple-Sieger VfL Wolfsburg wurde als weltbeste Fußballerin geehrt, ihr Trainer Ralf Kellermann erhielt den Preis als weltbester Frauencoach, zudem standen neben Neuer noch Philipp Lahm und Toni Kroos in der FIFA-Elf des Jahres.

Doch in der wichtigsten Kategorie wurde der große Erfolg verpasst. Es bleibt somit dabei, dass noch nie ein Torhüter den Ballon d?Or erhielt. Lothar Matthäus, der 1991 gewann, ist weiterhin der einzige deutsche Weltfußballer.

Der von zahlreichen Experten wie Diego Maradona, Michel Platini oder Ottmar Hitzfeld favorisierte Neuer musste sich offensichtlich dem größeren Namen und dem größeren Bekanntheitsgrad von Ronaldo geschlagen geben.

Dritter Triumph für Real-Torjäger

Der 29-Jährige triumphierte zum dritten Mal nach 2008 und 2013, der von 2009 bis 2012 viermal in Folge siegreiche Lionel Messi wurde nach einem für seine Verhältnisse eher mäßigen Jahr Dritter.

Während der Argentinier in der vergangenen Saison ohne Titel blieb, gewann Ronaldo die Champions League, den spanischen Pokal und den Weltpokal, scheiterte jedoch in der Meisterschaft und bei der WM mit Portugal bereits in der Vorrunde.

"Die anderen beiden sind Weltmarken, die haben da sicher Vorteile", hatte Neuer schon vorher mit Blick auf seine Rivalen vermutet - und lag richtig.

Individuelle Klasse gibt offenbar den Ausschlag

Offensichtlich bewerteten die wahlberechtigten Nationaltrainer und Kapitäne aus den 209 FIFA-Mitgliedsländern - darunter etwa Bangladesch, Mauretanien und Bhutan - sowie knapp 60 ausgewählte Journalisten die individuellen Leistungen Ronaldos höher als den mannschaftlichen Wert des DFB-Stars.

Während der Stürmer unter anderem Torschützenkönig der Champions League und der Primera Division wurde, glänzte Neuer als Teamplayer und holte neben dem WM-Titel auch das Double mit dem FC Bayern.

"2014 war ein unglaubliches Jahr, das ich nie vergessen werde", meinte der 57-malige Nationalspieler.

Löw: Neuer wie ein weiterer Feldspieler

Auch Joachim Löw weiß, was er seinem letzten Mann verdankt. "Manuel Neuer hatte einen wesentlichen Anteil daran, dass wir Weltmeister geworden sind", hatte der Bundestrainer wenige Stunden vor der Gala erklärt: "Er hat das Torwartspiel geprägt wie ich es nie gesehen habe in der Vergangenheit. Er ist praktisch ein weiterer Feldspieler, seine Spieleröffnung ist hervorragend. Von daher hätte er den Titel verdient."

Für Spaniens Medien stand hingegen seit Wochen außer Frage, dass nur Ronaldo den Goldenen Ball gewinnen konnte. Und auch Real-Trainer Carlo Ancelotti hatte sich erwartungsgemäß eindeutig für den 29-Jährigen ausgesprochen.

"Cristiano hat eine überragende Saison hingelegt, das habe ich immer wieder gesagt. Er ist ein fantastischer Spieler mit unglaublichen Fähigkeiten, der aus jeder Position treffen kann", sagte der Italiener.

Dem widersprach auch Neuer nicht. "Er hat ein Klassejahr hinter sich und war der Schlüssel dafür, dass Real die Champions League gewonnen hat. Er ist ein Weltklassefußballer."

"Wollen alle drei Titel gewinnen"

Im Gegensatz zum im Vorjahr nach seiner Niederlage tief gekränkten Teamkollegen Franck Ribery machte der Bayern-Torhüter allerdings nicht den Eindruck, als sei er zu Tode betrübt. Vielmehr richtete er den Blick vor dem Rückflug ins Trainingslager nach Katar bereits voraus auf die Rückrunde:

"Wir sind überall in der Spur und versuchen, alle drei Titel zu gewinnen, was natürlich schwer wird. Aber man muss versuchen, sich Ziele zu setzen, zumal das Champions-League-Finale in Berlin ist."

Und dann gibt es vielleicht ein Wiedersehen im nächsten Januar in Zürich.

Die wichtigsten Gewinner der World Football Gala im Überblick:

Weltfußballer: Cristiano Ronaldo (Real Madrid/Portugal)

Weltfußballerin: Nadine Keßler (VfL Wolfsburg)

Weltbester Trainer: Joachim Löw (Deutschland)

Weltbester Frauen-Trainer: Ralf Kellermann (VfL Wolfsburg/Deutschland)

Tor des Jahres: James Rodriguez (Kolumbien/Real Madrid)

FIFA-Elf des Jahres: Neuer (FC Bayern) - Lahm (FC Bayern), Ramos (Real Madrid), David Luiz (Chelsea/Paris St. Germain), Thiago Silva (Paris St. Germain) - Iniesta (FC Barcelona), Kroos (Bayern/Real), Di Maria (Real/Manchester United) - Robben (FC Bayern), Messi (FC Barcelona), Ronaldo (Real Madrid)

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