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Frank Lampard von Manchester City
Frank Lampard spielte von 2001 bis 2014 für Chelsea © Getty Images

München und London - Frank Lampard will mit einem Sieg im Spitzenspiel gegen Chelsea die Meisterschaft wieder spannend machen. Die Fans der Blues nehmen ihrem Idol die Leihe zum Rivalen krumm. Uwe Rösler fordert bei SPORT1 Verständnis.

Drei Meisterschaften, Champions und Europa League, sowie viermal den FA-Cup – Frank Lampard hat in seinen 13 Jahren beim FC Chelsea wirklich alle Titel gewonnen.

Der 36 Jahre alte Mittelfeldspieler ist eine lebende Legende an der Stamford Bridge. Sein Abschied nach dem letzten Spiel im vergangenen Sommer fiel dennoch relativ nüchtern aus.

"Ich wollte keine große Parade", erklärte Lampard später: "Sonst hätte ich dumm da gestanden, wenn ich doch geblieben wäre."

Doch Lampard erhielt keinen neuen Vertrag und schloss sich stattdessen dem US-Klub New York City an. Jose Mourinho forderte damals, man solle Lampard ein Denkmal bauen.

Nun kehrt Lampard als Spieler von Manchester City zurück nach Chelsea (Sa., 18.30 Uhr LIVE-TICKER).

Das Denkmal bröckelt, bevor es überhaupt gebaut wurde.

Leihgeschäft sorgt für Unmut

Denn die Fans der Blues haben Lampard krumm genommen, dass er zwar offiziell in die USA wechselte, sich dann aber wieder zurück an den Rivalen Manchester City ausleihen ließ.

Der New Yorker Retortenklub – der bisher übrigens noch kein Spiel absolviert hat -  gehört genau wie City zum Firmengeflecht von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi.

Eigentlich sollte Lampard nur bis zur Winterpause in Manchester bleiben, nun wurde die Leihe aber bis zum Saisonende verlängert.

Denn Lampard spielt stark im Trikot der Citizens.

Der Rückstand auf Chelsea an der Tabellenspitze beträgt nur fünf Punkte. Sollte City im Westen Londons drei Punkte einfahren, wäre die Meisterschaft wieder spannend. (DATENCENTER: Premier League)

Noch ein Grund, warum die Liebesbeziehung zwischen Lampard und den Blues-Fans derzeit etwas abgekühlt ist.

Rösler fordert Applaus für Lampard

"Man sollte die Emotionen rausnehmen und das Große und Ganze sehen", fordert Uwe Rösler im Gespräch mit SPORT1: "Und dann sollte ganz klar sein, dass Frank Lampard stehenden Applaus bekommt. Man kann gar nicht hoch genug einschätzen, was er für Chelsea, die Premier League und England geleistet hat."

Ex-Bundesliga-Profi Uwe Rösler trainierte vom 7. Dezember 2013 bis zum 13. November 2014 Wigan Athletic
Ex-Bundesliga-Profi Uwe Rösler trainierte vom Dezember 2013 bis November 2014 Wigan Athletic © Getty

Rösler selber ist eine City-Legende. Von 1994 bis 1998 stürmte der Deutsche für den Klub und rettete den Klub mit einem Tor gegen Sheffield Wednesday vor dem Abstieg.

Rösler, der zuletzt Zweitligist Wigan Athletic trainierte, glaubt nicht, dass die Umstände von Lampards Ausleihe von vorneherein so geplant waren.

"Es war geplant, dass Lampard bei City aushilft und dann in New York spielt", sagt der 46-Jährige: "Aber die Umstände haben sich anders ergeben."

Kreativ-Trio fehlt City

Die Citizens müssen vor der wichtigen Partie auf Yaya Toure und Wilfried Bony verzichten, die für die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup spielen.

Samir Nasri ist noch verletzt. Den Citizens fehlt dementsprechend im Mittelfeld Qualität und Kreativität.  Dieses Loch soll Lampard stopfen.

"Das war ein super Schachzug von Manchester City, Frank Lampard ablösefrei zu holen", sagt Rösler: "Er hat wichtige Tore geschossen. Seine Erfahrung und seine Ausstrahlung sind sehr wichtig für City."

Powerhouse Chelsea

Chelsea hingegen muss im Spitzenspiel  auf Diego Costa verzichten. Der Stürmer wurde für eine angebliche Tätlichkeit beim Sieg im Halbfinale des Ligapokals gegen Liverpool für drei Spiele gesperrt.

Auch Andre Schürrle, der unmittelbar vor einem Wechsel nach Wolfsburg steht, dürfte keine Option mehr für Samstag sein.  Der Einsatz von Cesc Fabregas ist fraglich.

Uwe Rösler ist dennoch von der Stärke Chelseas überzeugt. Gerade in der eigenen Arena sei das Team ein "Powerhouse", mit großer individueller Qualität und von Jose Mourinho gut organisiert. 

Mourinho schwänzt Pressekonferenz

Die Pressekonferenz vor der wichtigen Partie schwänzte Mourinho aus Ärger über die Sperre für Costa. Aber er vergaß es im Vorfeld dennoch nicht, die eigenen Fans dazu aufzufordern, fair mit seinem langjährigen Spieler Frank Lampard umzugehen.

Im Hinspiel erzielte dieser das 1:1 und klaute Chelsea so zwei Punkte. Nach dem Tor entschuldigte er sich sofort in Richtung der Blues-Fans, schlich mit hängendem Kopf und feuchten Augen davon.

Als Profi sei dies eben nun mal sein Job, erklärte er seine Zwickmühle.

Nicht auszudenken, welche Emotionen freigesetzt werden würden, sollte Lampard nun das Meisterrennen gegen seine große Liebe noch einmal spannend machen.

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