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Ciriaco Sforza
Ciriaco Sforza steht mit dem FC Wohlen vor dem Aufstieg in die erste Schweizer Liga © Getty Images

München - Der ehemalige Bundesliga-Profi berichtet von Angstzuständen und Weinkrämpfen nach seinem Aus bei Grasshopper Zürich. Nun trainiert er seinen Heimatklub - mit großem Erfolg.

Der langjährige Fußball-Profi Ciriaco Sforza hat in einem bewegenden Interview über psychische Probleme berichtet. Nach seiner Zeit bei Grasshopper Zürich 2012 sei er "platt" gewesen, "total ausgelaugt, es ging nicht mehr", sagte er dem Tagesanzeiger in seiner Schweizer Heimat.

"Meine Kraft war aufgebraucht, ich benötigte zwingend eine Auszeit. Das Ganze hatte mich krank gemacht", berichtete der 44-Jährige, der in Deutschland je zweimal für Bayern München und den 1. FC Kaiserslautern spielte.

Die Trennung von den Hoppers sei am Ende "eine echte Erlösung" gewesen: "Als die Zeit bei GC zu Ende war, unternahm ich oft lange Spaziergänge. Und unterwegs flossen die Tränen, einfach so. Meine Gefühlswelt war völlig durcheinander. Ich spürte Enttäuschung, auch eine totale Leere. Es gab Nächte, da erwachte ich immer um 2 Uhr schweißgebadet, wieder kamen Tränen, aber wieder wusste ich nicht, warum genau."

Sforza: "Ich weinte oft"

Zudem habe er "ständig Angst" gehabt, "dass mir etwas zustoßen könnte, dass mein Herz versagen würde und niemand in meiner Nähe wäre. Sicher und halbwegs geborgen fühlte ich mich nur in den eigenen vier Wänden. Ich weinte oft, wehrte mich aber nicht dagegen. Es musste raus". Über die Gründe könne er "nur mutmaßen. Schon mit 16 Jahren war ich Profi geworden, ich lebte nur für den Fußball, ich war Teil eines Geschäfts, in dem man stark sein muss".

In Zürich sei er zudem "zu lieb mit dem Verein" gewesen: "Hilf rechts, hilf links, hilf dort, und gleichzeitig litt meine eigentliche Arbeit darunter. Es fraß mich auf. Die Energie schwand immer mehr, bis ich erschöpft war. Es waren schlimme Momente, die ich danach mitmachte."

Bundesliga Arminia Bielefeld v 1. FC Kaiserslautern
Ciriaco Sforza wurde 1998 mit dem 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger Deutscher Meister © Getty Images

Hilfe vom Psychologen

In der schwierigen Phase könne es "schon eine Rolle gespielt haben, dass ich keinen Klub mehr hatte, dafür viel Zeit. Dazu kamen private Dinge. Es gab in dieser Zeit oft Phasen, in denen ich unmöglich allein sein konnte. Es war heftig, was sich abspielte".

Er sei damals nicht mehr ins Stadion gegangen, "den Fernseher schaltete ich nur noch selten ein. Es gab wichtigere Dinge als Fußball. Meine Person. Meine Gesundheit".

Um aus der Krise zu kommen, habe er psychologische Hilfe in Anspruch genommen, "und ich greife jetzt noch darauf zurück. Ich hätte niemals Medikamente genommen. Aber der Psychologe war nötig, um wieder auf die Beine zu kommen. Ich habe keine Hemmungen, darüber zu reden. Eine Schwäche einzugestehen, ist eine Stärke. Ich bin froh, dass ich das Oberflächliche abgestreift habe".

Mit dem Heimatverein auf Aufstiegskurs 

Heute gehe es ihm "sehr gut", berichtete Sforza, der als Trainer mit seinem Heimatverein FC Wohlen sensationell vor dem Aufstieg in die erste Schweizer Liga steht:

"Mein Leben hat neu angefangen, ich bin voller Energie. Geist und Körper wissen, in welche Richtung es gehen soll. Ich habe gelernt, dass ich auf meinen Bauch hören muss, auf meinen Verstand - und sicher nicht mehr auf Leute, auf die ich in der Vergangenheit zu oft hörte."

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