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Joseph S. Blatter strebt eine weitere Amtszeit als FIFA-Präsident an
Joseph S. Blatter strebt eine weitere Amtszeit als FIFA-Präsident an © Getty Images

München - Die FIFA bestätigt die Kandidatur der drei Gegenkandidaten für den Schweizer bei der Wahl zum Präsidenten. Die Chancen des Trios gelten allerdings als gering.

Drei Chancenlose gegen "König Sepp": Seit Montagabend ist der Wahlkampf um das Präsidenten-Amt des Weltverbandes FIFA auch offiziell eröffnet.

Amtsinhaber Joseph S. Blatter muss sich am 29. Mai in Zürich drei Herausforderern stellen - neben dem haushohen Favorit aus der Schweiz wurden Luis Figo, Prinz Ali bin Al Hussein und Michael van Praag zur Wahl zugelassen. Eine reelle Chance hat keiner der Gegenkandidaten.

Der Niederländer Michael van Praag fordert Joseph S. Blatter heraus
Der Niederländer Michael van Praag fordert Joseph S. Blatter heraus © Getty Images

Der Gewinner benötigt in knapp vier Monaten bei dem Kongress in Zürich im ersten Wahlgang zwei Drittel der Stimmen aus den 209 Mitgliedsverbänden.

Anschließend reicht die einfache Mehrheit - mindestens die hat der dann 79-jährige Blatter, der mit aller Macht seine fünfte Amtszeit anstrebt, so gut wie sicher.

Grünes Licht für Kandidaten

"Solange der kandidiert, gewinnt er. Seine Hausmacht ist zu groß, die große Mehrheit wird ihn wählen", sagte zuletzt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern. Daran hat auch der erschütternde Skandal wegen der WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 nichts geändert.

Um aufgrund ihrer Nationalität jeglichen Verdacht eines Interessenkonflikts zu vermeiden, traten der Italo-Schweizer Domenico Scala sowie der Schweizer Claudio Sulser von ihren Ämtern in der Ad-hoc-Wahlkommission zurück.

Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission, wurde durch Sindi Mabaso Koyana (Südafrika) ersetzt. Für Sulser, Vorsitzender der Disziplinarkommission, rückt Lim Kia Tong (Singapur) in das Gremium nach.

Jeder der vier Präsidentschafts-Kandidaten war zuvor seitens der Untersuchungskammer der unabhängigen Ethikkommission einer Leumundsprüfung unterzogen worden.

"Der Fußball verdient Besseres"

In Asien, Afrika, Südamerika, Mittelamerika, der Karibik sowie Ozeanien hat der umstrittene FIFA-Boss Blatter (seit 1998) trotz der enormen Glaubwürdigkeitskrise die nötigen Stimmen sicher. Es wäre schon ein kleiner Erfolg für die Herausforderer, wenn sie Blatter in einen zweiten Wahlgang zwingen könnten. Dafür rühren sie die Werbetrommel.

"Wir müssen das Image der FIFA verbessern", sagte der frühere Weltfußballer Figo (42) aus Portugal: "Der Fußball verdient Besseres."

Van Praag (67), Verbandsboss in den Niederlanden, ist nach eigener Ansicht "nicht chancenlos", denn auch auf dem Rasen "können die kleinen Klubs die großen schlagen".

Und Prinz Ali (39) aus Jordanien hofft bei seiner "Kandidatur für die ganze Welt" auch auf Stimmen aus der ganzen Welt.

Gegenkandidaten nehmen sich die Stimmen weg

Gegenstimmen wird es für Blatter aber nur aus Europa, vielleicht aus Nordamerika hageln. Und diese dürfen sich die Herausforderer auch noch untereinander aufteilen.

"Ich kenne alle sehr gut. Das sind drei seriöse Kandidaten, seriöse Alternativen", sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): "Damit haben wir auch ein Signal gesetzt und gezeigt, dass Europa eindeutig für den Wechsel bei der FIFA eintritt."

Ein Einzelner, richtig starker Gegner würde dem Amtsinhaber aber deutlich mehr schaden. Wenn auch nicht stürzen.

Ganz ausgeschlossen scheint deshalb auch eine "Allianz gegen Blatter" nicht. Prinz Ali deutete an, mit den beiden anderen Kandidaten "darüber sprechen" zu wollen.

Blatter rührt die Werbetrommel

Ex-Superstar Figo wäre als Wahlkampf-Helfer vielleicht besser eingesetzt denn als Kandidat, der zwar von den Fans und Profis weltweit vergöttert wird, auf Funktionärsebene aber bislang blass blieb. Anders als Blatter.

Der Schweizer bereist seit Wochen und Monaten unermüdlich die Welt und geht auf Stimmenfang.

Die Ausschüttungen vom prall gefüllten FIFA-Konto - vor allem nach dem WM in Brasilien - nennt er gerne "Dividende" für seine "Aktionäre".

Den europäischen Verbänden sind die Zahlungen im mittleren sechsstelligen Bereich vergleichsweise egal - den Kleinen im Weltfußball sichern sie die Existenz.

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