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München - Luis Figo wird nicht Präsident der FIFA. Der ehemalige Nationalspieler zieht seine Kandidatur zurück und holt zum verbalen Rundumschlag gegen Blatter aus

Luis Figo ging mit einem krachenden Rundumschlag gegen das "System Blatter", Michael van Praag warf entnervt das Handtuch: Die Chancenlosen geben kurz vor der Wahl des FIFA-Präsidenten auf.

Weder der frühere portugiesische Ausnahmespieler Figo (42) noch der niederländische Funktionär van Praag (67) werden dem Schweizer Amtsinhaber Joseph S. Blatter am 29. Mai in Zürich die Stirn bieten.

Dessen einziger Gegenkandidat ist somit der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein (39).

Figo nennt die FIFA eine Diktatur

"Diese Wahl ist keine Wahl. Sie ist eine Volksabstimmung, die nur dazu dient, einem Mann die absolute Macht zu geben", klagte Luis Figo in seiner bemerkenswerten Stellungnahme, in der er viele Missstände ansprach.

"Ich habe in den vergangenen Monaten Vorfälle in der ganzen Welt beobachtet, die jeden, der sich einen freien, demokratischen und sauberen Fußball wünscht, nur beschämen können", schrieb er.

Und weiter: "Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Verbandspräsidenten zunächst FIFA-Führungspersonen mit dem Teufel verglichen - und dann, am nächsten Tag auf der Bühne, mit Jesus Christus." Blatters Gegenkandidaten seien davon abgehalten worden, auf Kongressen zu sprechen, während der Schweizer hofiert worden sei. Figos Fazit: Er werde nicht antreten - aber wieder zur Verfügung stehen, "sobald nachgewiesen ist, dass die FIFA keine Diktatur ist".

Achtungserfolg für Van Praag zu wenig

Van Praag hatte Stunden zuvor erwartungsgemäß seinen Rückzug bekannt gegeben, allerdings auf einen großen Knall verzichtet. "Nach zahlreichen Überlegungen und dem Austausch mit verschiedenen involvierten Parteien hat Michael van Praag entschieden, auf seine Kandidatur zu verzichten und sich hinter Prinz Ali bin Al Hussein zu stellen", hieß es in einer Mitteilung.

Der Jordanier soll so beim FIFA-Kongress in der kommenden Woche wenigstens einen Achtungserfolg erzielen.

Bei der geheimen Wahl der 209 FIFA-Mitglieder braucht der Sieger mindestens 105 Stimmen (im zweiten Wahlgang) - öffentlichkeitswirksame Bekenntnisse gab es aber bislang nur für Blatter. Vor allem in Asien, Afrika, Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik genießt der 79-Jährige trotz aller Skandale höchstes Ansehen.

Lediglich die Europäische Fußball-Union (UEFA) nimmt seit Jahren die Oppositionsrolle ein. In der vergangenen Woche gab es ein UEFA-Treffen in Genf, bei dem die Strategie erörtert wurde. Im Anschluss hatten van Praag und Figo klare Bekenntnisse vermieden.

Prinz Ali als einziger Herausforderer

"Bis zum Ende" weiterzumachen, hat dagegen Prinz Ali angekündigt. Seine Unterstützer hoffen auf mehr Stimmen aus verschiedensten Kontinenten - auch wenn der noch junge Funktionär selbst aus Asien schon heftigen Gegenwind gespürt hat.

Der Rückhalt für van Praag bröckelte bereits seit längerer Zeit. Ende April hatte der Präsident des niederländischen Verbands KNVB stolz die Unterstützung aus Suriname (Südamerika) verkündet - ein Staat, der erst seit 1975 nicht mehr zu den Niederlanden gehört.

In der UEFA wird hinter vorgehaltener Hand erzählt, dass viele Funktionäre mit van Praags "Vier-Jahres-Plan" nicht einverstanden waren. Der KNVB-Chef wollte den FIFA-Posten 2019 sofort wieder räumen, um Platz für die "nächste Generation" zu machen - vier Jahre sind wenig Zeit für eine Grundreinigung. Figo hatte voll auf seinen Starstatus gesetzt, was zu wenig war, wie sich herausstellte.

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