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München - Auch prominente Kritiker können Sepp Blatter kurz vor der Wahl zum FIFA-Präsidentschaft nichts anhaben. Gegenkandidat Prinz Ali kämpft gegen Windmühlen.

Diego Maradona und Michel Platini überboten sich mit Anti-Blatter-Kampagnen, Herausforderer Ali bin Al Hussein versuchte es über die Neuen Medien: Kurz vor der höchstwahrscheinlichen Bestätigung von Joseph S. Blatter in dessen fünfte Amtszeit als FIFA-Präsident gewinnt der Wahlkampf um den wichtigsten Posten im Weltfußball an Schärfe.

Maradona: "Diktator auf Lebenszeit"

Dampfplauderer Maradona (54), früher ein Weltstar, bezeichnete den 79-jährigen Schweizer, seit 1998 FIFA-Boss, als einen "Diktator auf Lebenszeit".

Der Weltverband, dessen 209 Mitglieder am Donnerstag und Freitag zu ihrem 65. Kongress in Zürich zusammenkommen, sei wegen Blatter zu einem "Spielplatz für die Korrupten" geworden, schrieb der Argentinier in einem Gastbeitrag für die britische Tageszeitung Telegraph.

Platini warnt vor Image-Schaden

Platini (59), Präsident der UEFA, bezeichnete den Amtsinhaber indirekt als Lügner, weil dieser 2011 versprochen hatte, nicht noch einmal anzutreten.

"Er hat einfach Angst vor der Zukunft, weil er sein Leben der FIFA verschrieben hat und sich vollständig mit ihr als Institution identifiziert. Ich verstehe diese Angst vor der Leere, das ist nur natürlich", sagte Platini der französischen Tageszeitung L'Equipe.

"Aber wenn er die FIFA wirklich liebt, muss er seine Interessen hintanstellen. Wenn er im Amt bleibt, wird die FIFA weiter an Glaubwürdigkeit verlieren und das Image der FIFA - und am Ende der gesamte Fußball - werden weiter leiden."

Prinz Ali im Kampf um Stimmen

Diego Maradona (r.) unterstützt Prinz Ali bin al-Hussein (l.)
Prinz Ali bin al-Hussein (l.) genießt die Unterstützung von Diego Maradona © Getty Images

Die Chancen auf den vor allem aus Europa angestrebten Wandel bleiben aber denkbar schlecht. Der jordanische Prinz Ali (39), der einzig verbliebene Gegenkandidat, würde schon einen Achtungserfolg erzielen, wenn er nur halb so viele Stimmen wie Blatter sammeln kann. Der Schweizer kann sich schon vor der Wahl am Freitag einer überwältigen Mehrheit von Unterstützern sicher sein.

Aber der Prinz versucht alles. Musikalisch untermalt mit seichten Klaviertönen richtete sich der Herausforderer noch einmal in einer Videobotschaft an die Nationalverbände und appellierte an die Vernunft.

Ali prangert an

"Die Situation ist dringend", sagte der jordanische Adlige, der seit 2011 und bis Freitag im FIFA-Exekutivkomitee sitzt und damit auch mitverantwortlich für die jüngsten Krisen ist, in dem Video, das in mehreren Sprachen untertitelt wurde.

"Es ist offensichtlich, dass sich etwas ändern muss. Die unübersehbare Verschwendung, eigennützige Richtlinien und der umstrittene Führungsstil der heutigen FIFA haben die Landesverbände entmachtet, unserem Sport geschadet und uns unserer Würde beraubt."

Der großen Mehrheit der Fußballfamilie scheint das aber egal zu sein.

DFB für Machtwechsel

"Die Aussage, dass Sepp Blatter klarer Favorit ist, steht weiterhin", sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des DFB, dem SID. Der weltgrößte Fußball-Verband hat als einer der wenigen ganz klar Stellung bezogen.

"Wir als DFB geben das klare Statement ab, dass wir für einen Wechsel sind. Das hat das Präsidium mit den Ligavertretern einhellig so beschlossen", sagte Niersbach: "Jeder erwartet, dass die FIFA wieder ein positives Image bekommt, dass sie stark und integer ist. Das ist das große Ziel. Es ist zwar nicht unmöglich, aber doch erheblich schwerer, dieses Ziel mit den bisherigen Personen an der Spitze zu erreichen."

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