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Die FIFA wehrt sich gegen die Reportage der ARD
Joseph Blatter will weiter als Präsident im Amt bleiben © Getty Images

Gut drei Wochen vor der Präsidentschafts-Wahl beim Weltverband FIFA gibt es weitere schwere Vorwürfe wegen Korruption.

Die frühere Pressechefin des Bewerbungs-Komitees, Phaedra Almajid, erhebt massive Bestechungsvorwürfe.

Almajid nennt dabei drei Namen: FIFA-Vize Issa Hayatou (Kamerun), Jaques Anouma (Elfenbeinküste) und den bereits suspendierten Amos Adamu (Nigeria).

Die drei sollen je 1,5 Millionen Dollar für ihre Stimmen pro Katar erhalten haben, wie in der ARD-Dokumentation "Der verkaufte Fußball - Sepp Blatter und die Macht der FIFA" am Montagabend bekannt wurde. Damit ist der Verdacht auf korrupte Vorgänge bei der Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 an Katar sowie im Umgang mit FIFA-Geldern bekräftigt.

Blatter kanzelt Vorwürfe ab

FIFA-Boss Sepp Blatter reagierte ungehalten auf die Vorwürfe gegen seinen Stellvertreter und sprach von einer "ekelhaften Erklärung". Anouma sagte das Interview mit der ARD ab. 

Almajid lebt in den USA im Exil und hat schon einmal Korruptionsvorwürfe erhoben. Weil sie bedroht wurde, hatte sie diese widerrufen. Nun wagte sie den erneuten Vorstoß an die Öffentlichkeit über die ARD.

Die TV-Dokumentation befeuert besonders die ohnehin schon jahrelang wachsenden Zweifel an der Rechtmäßigkeit der WM-Vergaben.

Blatter Favorit bei Präsidentenwahl

Die Vergabe der beiden kommenden WM-Turniere an Russland und Katar hatte sowohl aus sportlichen wie auch politischen Gründen weltweit Kritik an der FIFA und besonders auch an ihrem Schweizer Präsidenten Joseph S. Blatter ausgelöst.

Der Verbandsboss steht seit Jahren als Inbegriff für Mangel an Transparenz und Machenschaften bei der FIFA.

Dennoch will sich Blatter am 29. Mai in Zürich entgegen ursprünglicher Versprechungen zum fünften Mal zum FIFA-Chef wählen lassen.

Trotz der Verwerfungen bei der FIFA in den vergangenen Jahren und mehreren Gegenkandidaten gilt der 79-Jährige aus dem Wallis für die Abstimmung als Favorit.

Der ARD-Bericht beleuchtet auch die fragwürdige Handhabung von FIFA-Geldern für die Entwicklung des Sports durch den Präsidenten eines afrikanischen Nationalverbandes.

Die Recherchen führten zu Bankdokumenten, die sowohl den Eingang des Geldes als auch die Barhebung der gleichen Summe durch den Verbandschef belegen sollen. Wofür der Funktionär die Mittel letztlich verwendete, wurde nicht bekannt.

Journalisten in Gewahrsam

Weitere Nachforschungen der Filmmacher bei zuständigen FIFA-Stellen blieben Sender-Angaben zufolge ergebnislos.

Bei der Film-Produktion machte das TV-Team in Katar auch unangenehme Erfahrungen mit den Behörden am Golf.

Während Aufnahmen mit Arbeitern, deren unwürdigen Lebens- und Tätigkeitsbedingungen vielfach angeprangert wurden, wurden die Journalisten für 14 Stunden in Gewahrsam genommen und erst nach fünf Tagen ohne technische Geräte wieder außer Landes gelassen.

Crew ohne Drehgenehmigung?

Das Supreme Committee for Delivery & Legacy (SC) der FIFA wies jedoch Meldungen zurück, wonach die Festnahme mit den Recherchen über die WM 2022 zusammenhing.

"Der Journalist und die betreffende Filmcrew wurden nicht als Folge der Berichterstattung über die Vorwürfe rund im die Fußball-Weltmeisterschaft Katar 2022 oder FIFA festgenommen. Dies ist ausdrücklich falsch", teilte das Komitee in einem Statement mit.

Vielmehr habe sich die Filmcrew ohne Drehgenehmigung an einem Ort aufgehalten. Im gleichen Zeitraum habe eine zweite ARD-Filmcrew in Katar mit gültiger Drehgenehmigung gefilmt. "Soweit uns bekannt ist, hatten sie keinerlei Probleme", so das Komitee.

Inhaltliche Kritik am WM-Vergabeverfahren wies das SC zurück: "Wir waren immer klar in unserer Position, und stehen zu der Integrität und Qualität unseres Ausschreibens für die FIFA WM 2022 - wir haben nichts mehr zu diesem Thema zu äußern und werden uns auch weiterhin auf die Bereitstellung einer historischen FIFA Fußball-Weltmeisterschaft im Nahen Osten konzentrieren."

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