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New York City und Zürich - Der FIFA-Korruptionsskandal weitet sich immer mehr aus. Die Behörden ermitteln nun gegen den engen Blatter-Vertrauten Jerome Valcke wegen einer Zahlung in Millionenhöhe.

Die Einschläge kommen näher: Seit Dienstag taucht auf einmal auch der Name von Blatters "Nummer 2" im Zentrum des FIFA-Korruptionsskandals auf.

Generalsekretär Jerome Valcke soll laut New York Times eine bedeutende Rolle bei der Überweisung jener zehn Millionen Dollar gespielt haben, mit denen in der Karibik für die Vergabe der WM 2010 nach Südafrika angeblich bestochen und betrogen wurde. Der Fußball-Weltverband dementiert entschieden, die Begleitumstände sind dennoch höchst unglücklich.

Am Montagabend sagte Valcke (54), seit 2007 die rechte Hand des weltweit scharf kritisierten FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter (79), seine Reise zum Eröffnungsspiel der Frauen-WM am Samstag in Kanada ab. Offiziell, weil "es wichtig ist, dass er sich um Dinge im FIFA-Hauptquartier in Zürich kümmert" - das teilte jedenfalls die FIFA mit.

Bislang ermitteln weder die US- noch die Schweizer Behörden gegen Valcke und Blatter. Der Weltverband steckt seit dem Beginn der Ermittlungen dennoch in der tiefsten Krise seiner Geschichte.

Zehn Millionen vom FIFA-Konto

Nach den Recherchen der New York Times, die vorab von den Verhaftungen der sieben FIFA-Funktionäre gewusst hatte, ist Valcke aber offenbar der "hochrangige FIFA-Funktionär", von dem in der 161-seitigen Anklageschrift des New Yorker Gerichts die Rede ist.

Dieser habe im Jahr 2008 die Zahlung von "insgesamt zehn Millionen Dollar" von einem FIFA-Konto über die Bank of America auf ein Konto der Republic Bank angewiesen, das vom Angeklagten Jack Warner "kontrolliert" wurde.

Warner, früher FIFA-Vizepräsident und Boss der Konföderation von Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik CONCACAF, ist eine der 14 Schlüsselfiguren in der FIFA-Affäre. Der höchst umstrittene Geschäftsmann aus Trinidad und Tobago habe das Geld anschließend an sich und die "Mitverschwörer" verteilt, steht in der Anklage.

FIFA dementiert

"Weder der Generalsekretär Jerome Valcke noch ein anderes Mitglied des Führungsstabes war an der Initiierung, Genehmigung oder Durchsetzung des Projekts beteiligt", teilte die FIFA am
Dienstag mit. Die Summe an sich sei zwar gezahlt worden, das bestätigten auch die Südafrikaner - allerdings sei das Geld zur Unterstützung der afrikanischen Diaspora in der Karibik überwiesen worden.

Der südafrikanische Verband SAFA und die Regierung des Landes habe die FIFA gebeten, die zehn Millionen Dollar aus Gründen der bürokratischen Vereinfachung direkt nach Amerika zu überweisen.

Ein entsprechender Anfrage-Brief des damaligen SAFA-Präsidenten Molefi Oliphant ist direkt an Valcke adressiert.

Die FIFA zahlte damals für die WM-Organisation hohe Millionensummen an Südafrika, das Geld wurde davon abgezweigt.

Verantwortlich für das Geschäft, das laut FIFA im Einklang mit den Statuten" abgewickelt wurde, war der damalige Direktor der FIFA-Finanzkommission und 1. Vize-Präsident des Weltverbandes, Julio Grondona. Der Argentinier verstarb im vergangenen Juli im Alter von 82 Jahren.

US-Justiz: Warner als Schlüsselfigur

Südafrika hatten den Zuschlag für die Endrunde 2010 im Mai 2004 erhalten. Das 14:10-Votum im ersten Wahlgang gegen Marokko war keine Überraschung. "Ich habe niemals Bestechungsgelder gezahlt oder angenommen", sagte Danny Jordaan, SAFA-Präsident und damals Chef des WM-Bewerbungs-Komitees sowie später Boss des südafrikanischen WM-OK's: "Wie hätten wir denn mit einer vier Jahre später gezahlten Summe bestechen sollen?"

Die US-Behörden sehen das anders. Justizministerin Loretta Lynch hatte unmittelbar nach den Verhaftungen in Zürich erklärt, dass es im Zuge der Vergabe zu Schmiergeldzahlungen gekommen ist. Alles soll über Warner gelaufen sein.

Der 72-Jährige, der sich 2011 mit Blatter überworfen hatte und danach durch den Rücktritt von seinen FIFA-Ämtern einem Ausschluss durch das Ethikkomitee zuvorgekommen war, ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Eine Verwicklung in einen Korruptionsskandal hatte er entschieden zurückgewiesen.

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