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Funktionäre werden verhaftet, Sepp Blatter verkündet seinen Rücktritt als FIFA-Präsident - und nun soll auch gegen ihn ermittelt werden. Alles zum FIFA-Skandal im Ticker.

Die Ereignisse rund um die FIFA überschlagen sich: Erst werden hochrangige FIFA-Funktionäre verhaftet, dann verkündet Sepp Blatter wenige Tage nach seiner Wiederwahl als Präsident des Fußball-Weltverbandes seinen Rücktritt. Und das Beben nimmt kein Ende: Medienberichten zufolge ermittelt das FBI nun auch gegen Blatter.

Alle Entwicklungen und Reaktionen rund um den FIFA-Skandal fasst SPORT1 im Ticker zusammen.

+++ Romario schießt gegen die FIFA +++

Der ehemalige Weltklasse-Stürmer Romario hat den Fußball-Weltverband heftig kritisiert. "Die FIFA ist eine der korruptesten Organisationen der Welt", sagte er. "Ich hoffe sehr, dass jetzt ein Domino-Effekt bei den Fußball-Verbänden Mittelamerikas, Südamerikas und anderen, die den Fußball gefährden, entsteht, bevor er den brasilianischen Verband erreicht." Daher freue er sich sehr über die aktuelle Entwicklung nach dem Rücktritt von Präsident Sepp Blatter.

Auch Ronaldo hofft nun auf die richtigen Konsequenzen nach dem Festnahmen der Funktionäre. "Die Verwaltung des Fußballs muss in den Vereinen und in den Verbänden umstrukturiert werden. Das ist nur der Anfang", meinte der zweifache Weltmeister. "Es werden noch viele weitere geschnappt werden, die in Korruptionsfälle verstreckt sind."

+++ Moskau beharrt auf sein Recht +++

Hat der Rücktritt Blatters Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft 2018 in Russland? Auf Nachfrage des Guardian beharrt Moskau auf seinem Recht, die WM auszutragen. "Es ist nicht die Entscheidung eines Präsidenten, sondern die der gesamten FIFA. Russland wird seinen Verpflichtungen nachkommen", so der russische Sportminister Vitaly Mutko. 

Weiter sagte er: "Es gibt keine Probleme, alles verläuft nach Plan. Niemand bei uns denkt über eine Absage nach. Demnach sehe ich keinen Grund, warum Russland die WM nicht ausrichten sollte."

+++ England bietet sich für WM 2022 an +++

Sollte die Weltmeisterschaft 2022 am Ende doch nicht an Katar gehen, so stünde mit England schon ein Ersatz-Ausrichter bereit.

Der britische Kulturminister John Whittingdale erklärte nach Angaben der Press Association, man habe die nötige Infrastruktur um ein solches Turnier auszurichten. Allerdings sieht Whittingdale eher geringe Chancen auf Erfolg, da schon die WM 2018 in Russland auf europäischem Boden stattfindet.

+++ Beckham verurteilt FIFA +++

In einer ersten Reaktion hat nun auch der frühere Star von Real Madrid und Manchester United, David Beckham, die FIFA kritisiert.

"Einige Dinge, die offensichtlich passiert sind, empfinde ich als widerwärtig, inakzeptabel und schrecklich für den Sport, den wir alle so sehr lieben", sagte der Ex-Profi Sky Sports. Er fordert zudem Reformen innerhalb des Weltverbandes. "Es ist Zeit für eine Veränderung bei der FIFA. Wir alle sollten das begrüssen", so Beckham.

+++ Verbandszentrale durchsucht +++

Im Zuge des FIFA-Skandals ist am Mittwoch die Zentrale des venezolanischen Fußball-Verbands FVF in Caracas durchsucht worden. Die Behörden suchten nach Beweisen für die Korruptionsvorwürfe gegen den ehemaligen FVF-Chef Rafael Esquivel, der als einer von sieben hohen Funktionären des Weltverbands in der vergangenen Woche in der Schweiz festgenommen worden war.

Die venezolanischen Behörden ordneten zudem eine Sperrung der Bankkonten an, die von Esquivel, inzwischen ehemaliges Mitglied des Exekutivkomitees des Kontinentalverbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), kontrolliert werden.

+++ Blazer gesteht Bestechung +++

Die Bestechungs-Krise im der FIFA zieht immer weitere Kreise. Der ehemalige FIFA-Funktionär Chuck Blazer hat den US-Behörden als Kronzeuge gestanden, dass er und andere Funktionäre Bestechungsgelder für ihre Stimme bei der WM 1998 und 2010 angenommen haben. Das geht aus dem offiziellen Vernehmungsprotokoll hervor.

"Neben weiteren Dingen waren ich und andere Personen einverstanden, rund um das Jahr 1992 die Annahme von Bestechungsgeldern in Verbindung mit der Wahl des Ausrichters für die WM 1998 zu unterstützen", sagte Blazer, der von 1996 bis 2013 im FIFA-Exekutivkomitee saß. Für die Endrunde 2010 habe er "zusammen mit anderen Exko-Mitgliedern in Verbindung mit der Vergabe der WM an Südafrika Bestechungsgelder angenommen".

Die Endrunde vor 17 Jahren in Frankreich war bisher noch nicht in Verdacht geraten. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass Blazer und andere Verantwortliche von Bewerber Marokko bestochen worden sein sollen.

Auch für die Übertragungsrechte des Gold Cups in den Jahren 1996, 1998, 2000, 2002 und 2003 seien Schmiergelder geflossen, sagte Blazer in der Vernehmung.

+++ FIFA-Mitarbeiter huldigen Blatter +++

Der scheidende FIFA-Präsident Joseph S. Blatter ist nach einer emotionalen Abschiedsrede von rund 400 Mitarbeitern des Weltverbandes mit minutenlangem Applaus bedacht worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

+++ "Blatter reist nirgendwo hin" +++

FIFA-Chef Blatter regelt nach seiner Rücktritts-Ankündigung bis auf Weiteres sämtliche Amtsgeschäfte ausschließlich aus der Schweiz. Damit reist der 79-Jährige vorerst nicht zur Frauen-WM ab Samstag in Kanada oder zur schon laufenden U20-WM in Neuseeland.

"Sepp Blatter wird vorerst bestimmt nirgendwohin ausreisen", sagte FIFA-Mediendirektor Walter De Gregorio am Mittwoch auf Anfrage des Internetportals des "Zürcher Tagesanzeigers". Einen Zusammenhang von Blatters Verzicht auf WM-Visiten mit den Ermittlungen von US-Behörden im FIFA-Korruptionsskandal wies De Gregorio zurück: "Wenn ihn die Polizei verhören will, kann sie das auch in der Schweiz tun."

+++ Bestechungsgelder bei Blatter-Wahl 2011 +++

Bei der Wiederwahl von Sepp Blatter im Jahr 2011 sind ebenfalls Bestechungsgelder geflossen. Das bestätigte US-Justizministerin Loretta Lynch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung." Allerdings ließ Lynch offen, ob Blatter selber involviert ist.

"Dies ist eine laufende Angelegenheit. Es ist ein offener Fall, und deshalb werden wir nun durch die Gerichte sprechen", sagte die Politikerin.

Lynch berichtete von den Ermittlungen gegen den Weltverband. "Wir mussten feststellen, dass die Fifa bis in die höchsten Ebenen korrupt ist", sagte die 56-jährige Amerikanerin.

+++ Merkel: Blatters Rücktritt eine "wichtige Nachricht" +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Rücktritt von FIFA-Präsident Sepp Blatter begrüßt. "Ich denke, dass es für Milliarden Fans des Fußballs eine wichtige Nachricht ist", sagte Merkel in Berlin.

Wie die Kanzlerin ausführte, sei eine Situation geschaffen worden, "dass wir alle (...) sagen können, dass die Organisation, die den Weltfußball vertritt, nach den Maßstäben funktioniert, die wir uns alle wünschen".

Durch den Rücktritt seien neue Perspektiven für den Welt-Fußball gegeben: "Ich glaube, dass es jetzt besser möglich sein wird, die Arbeit der FIFA auf eine transparentere Grundlage zu stellen."

+++ Polizei am FIFA-Hauptquartier +++

Bewegung vor dem FIFA-Hauptquartier. Die Polizei ist an der Dienststelle des scheidenden FIFA-Präsidenten Blatter angekommen.

Wie die BBC berichtet, sind die Beamten aber nicht wegen Blatter vor Ort. Stattdessen werde eine Protestaktion von pro-palästinensischen Demonstranten erwartet.

+++ Niersbach äußert sich zum Präsidentenamt +++

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht sich bei der Nachfolge-Regelung für Joseph S. Blatter als FIFA-Präsident nicht am Zug.

"Meine Priorität liegt ganz klar auf dem deutschen Fußball", sagte Niersbach am Mittwoch, betonte aber auch: "Ich drücke mich nicht vor den internationalen Verpflichtungen und weiß auch, dass mit Michel Platini an der Spitze dort eine klare Richtung vorgegeben werden muss."

Platini nannte Niersbach aber nicht als seinen Wunschkandidaten, sondern stattdessen Michael von Praag. Der niederländische Verbandschef verfüge über ausreichend Seriösität und Erfahrung. "Ich weiß, aber nicht, ob er es machen würde", so der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Berlin.

+++ Vesper: Blatters Rücktritt "ein Segen" +++

Michael Vesper, Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes, begrüßt den Rücktritt von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. "Das ist ein Segen für den Fußball und den Weltsport. Dieser Schritt war wirklich überfällig", sagte Vesper bei SPORT1.

Nun habe die Suche nach dem richtigen Nachfolger für den 79-Jährigen Priorität: "Dabei sollte man sich nicht auf die bisherigen Kandidaten beschränken, sondern tatsächlich den Besten suchen."

Vesper weiter: "Bei allen Verdiensten, die sich Sepp Blatter um den Fußball auch erworben hat: Wichtig ist, dass nicht er selbst seinen Nachfolger aussuchen kann. Das müssen die Kräfte tun, die die FIFA wirklich reformieren wollen."

Blatters Rücktritt kam laut Vesper zu spät: "Der Zeitpunkt ist natürlich überraschend. Er hätte sich und der ganzen Sportwelt einiges an Auseinandersetzungen ersparen können, wenn er diesen Schritt entsprechend seiner Ankündigung von 2011 zum Ende seiner letzten Wahlperiode getan hätte."

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+++ Katar fühlt sich diskriminiert +++

Katars Fußball-Verband QFA hat die Warnung von Englands Verbandschef Greg Dyke vor einem Entzug der WM-Endrunde 2022 als Diskriminierung zurückgewiesen.

"Herrn Dykes Antrieb, sich sofort darauf zu konzentrieren, Katar das WM-Turnier wegzunehmen, spricht Bände über seine Ansichten der ersten WM-Endrunde im Mittleren Osten", sagte QFA-Chef Scheich Hamad Bin Khalifa Bin Ahmed Al-Thani. 

Dyke hatte am Dienstag in einem TV-Interview zu Blatters unerwartetem Rückzug einmal mehr die Austragung des übernächsten WM-Turniers in Katar wegen der umstrittenen Begleitumstände der Entscheidung für den Wüsten-Staat infrage gestellt. "Wenn ich Katar wäre, wäre ich nicht sehr zuversichtlich", sagte der FA-Boss. 

+++ Watzke wundert sich über Blatter +++

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke bezeichnet Blatters Entscheidung als "sicherlich sehr gut für den Fußball", fügt aber an: "Die Umstände haben mich allerdings überrascht: Wenn ich mich am Freitag wählen lasse, und am Dienstag fällt mir dann ein, dass ich zurücktrete - das habe ich auch noch nie erlebt."

Er hoffe nun, dass "die Verbände daraus die entsprechenden Ableitungen ziehen", sagte Watzke und kritisierte die Europäische Fußball-Union: "Wie die UEFA sich dargestellt hat, war auch nicht so, dass ich dachte: Wie großartig, dass der europäische Fußball so vertreten wird!" 

(Die Reaktionen auf Blatters Rücktritt im Überblick)

+++ Blatter schon wieder im Büro +++

Einen Tag nach dem Knall macht Blatter auf "Business as usual": Nur etwas mehr als zwölf Stunden nach seiner spektakulären Rücktritts-Ankündigung als Präsident des Fußball-Weltverbandes erledigte der Schweizer in seinem Büro im Züricher FIFA-Stammhaus seine Tagesgeschäfte.

"Alle geht weiter wie bisher", sagte eine FIFA-Sprecherin vor mehreren Dutzend Fernsehteams und vielen Journalisten: "Bis zur Wahl seines Nachfolgers ist der Präsident immer noch der Präsident. " Für den weiteren Tagesverlauf stellte die Sprecherin keine Abgabe weiterer Mitteilungen oder Anberaumung von Pressekonferenzen in Aussicht.

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+++ Wer ermittelt gegen wen? +++

Im FIFA-Skandal kann man schon mal den Überblick verlieren, wer gegen wen ermittelt. SPORT1 klärt auf. (Den ausführlichen Überblick gibt es hier)

Schweizer Bundesanwaltschaft

Die Eidgenossen ermitteln wegen "Unregelmäßigkeiten" bei den WM-Vergaben nach Russland (2018) und Katar (2022) gegen Unbekannt.

Diese Untersuchung hatte die FIFA mit einer am 18. November 2014 gestellten Strafanzeige selbst in Gang gesetzt, ist also die Geschädigte. Am 10. März 2015 wurde ein Strafverfahren eröffnet. Am vergangenen Mittwoch waren die Ermittler im FIFA-Hauptquartier auf dem Zürichberg und sammelten Daten und Dokumente ein.

US-Behörden

FBI und Staatsanwaltschaft New York ermitteln wegen Geldwäsche, der Annahme von Bestechungsgeldern und Bildung krimineller Organisationen sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten gegen FIFA-Funktionäre und gegen direkt mit dem Fußball beteiligte Personen.

In der veröffentlichten Anklageschrift werden 14 Personen schwer belastet. Noch steht weder Joseph S. Blatter noch FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke auf einer offiziellen Liste der Beschuldigten. Die große Frage ist nun, welcher der Angeklagten belastendes Material besitzt und den US-Ermittlern auch preisgibt.

(Den ausführlichen Überblick gibt es hier)

+++ Das FIFA-Chaos im Zeitraffer +++

Am 27. Mai 2015 um 6 Uhr beginnt das FIFA-Beben im Morgengrauen. Kurz vor dem FIFA-Kongress in Zürich nimmt die Kantonspolizei Zürich sieben hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbands fest. 

Zwei Tage später wird Blatter trotz des Skandals wiedergewählt, am 2. Juni 2015 um 18.45 Uhr platzt dann doch die Bombe: In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz gibt Blatter seinen Rücktritt bekannt.

(SPORT1 zeigt das FIFA-Beben im Zeitraffer)

+++ Maas fordert Überprüfung von Katar und Russland +++

Für Justizminister Heiko Maas müssen nach dem Blatter-Aus jetzt auch die WM-Vergaben an Katar und Russland auf den Tisch kommen. 

"Blatters Rücktritt kann nur der Anfang für die dringend erforderliche Aufklärung sein", stellte Maas bei Bild klar: "Wenn bei den WM-Vergaben Schmiergelder geflossen sind, müssen die Entscheidungen komplett neu überdacht werden. Maßgeblich für die Entscheidung, wo eine WM stattfindet, darf doch nicht sein, wer die höchsten Schmiergelder zahlt."

+++ Schenk zweifelt an Platini +++

Für Korruptions-Bekämpferinin Sylvia Schenk ist UEFA-Chef Michel Platini (Frankreich) kein Kandidat für die Nachfolge von Blatter aufs Spitzenamt bei der FIFA.

Die FIFA-Wahl wird nun doch nicht verschoben
Michel Platini (r.) ist für Sylvia Schenk kein geeigneter Nachfolger für FIFA Präsident Sepp Blatter © Getty Images

"Platini ist bei der Europäischen Fußball-Union ein schwacher Präsident, und ich kann mir schwer vorstellen, dass er ein starker FIFA-Präsident sein würde", sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI): "Aber die FIFA braucht an ihrer Spitze eine starke Persönlichkeit."

Schenk, die Platini als Hauptverantwortlichen für das schwache Bild der Europäischen Fußball-Union (UEFA) bei Blatters Wiederwahl in der Vorwoche ansieht, sprach sich erneut für den ersten, letztlich aber gar nicht erst für die Präsidentenwahl am vergangenen Freitag zugelassenen Blatter-Herausforderer Jerome Champagne (Frankreich) als möglichen FIFA-Präsidenten aus.

"Er ist ein kluger Kopf und wäre sicher ein guter Kandidat. Er hat gute Ideen und vor allem auch Konzepte für neue Strukturen. Er kommt aus dem Fußball und ist dort und auch politisch bestens vernetzt", begründete Schenk ihre Präferenz.

+++ De Maiziere: "Richtig und notwendig" +++

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziere begrüßt Blatters Rücktritt und fordert weitere Reformen beim Fußball-Weltverband.

"Die Entscheidung von Sepp Blatter war richtig und notwendig. Im Fokus steht jetzt die dringend notwendige Aufklärung und das wird ein wahrhaft schwieriger Prozess für die FIFA", teilte der für Sport zuständige CDU-Politiker am Mittwoch mit: "Der angekündigte Rücktritt muss jetzt von den Verantwortlichen genutzt werden, um die Strukturen FIFA-Strukturen grundlegend zu ändern."

Gleichzeitig betonte de Maiziere, dass dafür die Europäische Fußball-Union (UEFA) gefordert sei: "Wenn die Chance jetzt nicht genutzt wird, Verkrustungen aufzubrechen und Verfahren zu schaffen, die Transparenz garantieren und Vetternwirtschaft verhindern, bliebe der Rückzug von Blatter ein Muster ohne Wert."

+++ Russland unbeeindruckt vom FIFA-Beben +++

Russland setzt seine Vorbereitung auf die WM 2018 auch nach der Rücktrittserklärung von FIFA-Präsident Blatter weiter fort. Das teilte ein Kreml-Sprecher am Mittwoch mit. "Das ist die Hauptsache", zitiert die Nachrichtenagentur TASS Dmitri Peskow: "Alle Pläne werden umgesetzt, die Arbeit geht weiter."

Die russische Endrunde steht wie auch die WM 2022 in Katar weltweit in der Kritik. Die doppelte Vergabe durch das FIFA-Exekutivkomitee im Dezember 2010 wird von Korruptionsvorwürfen begleitet. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt wegen "Unregelmäßigkeiten" gegen Unbekannt. 

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+++ "Blatter macht die Flatter" +++

© Getty/SPORT1

Die internationale Presse reagiert zum Teil mit Spott auf den Rücktritt Blatters. So titeln gleich mehrere Zeitungen "Blatter macht die Flatter".

Für viele Medien ist der Abgang des FIFA-Bosses aber auch ein Schuldeingeständis. "Der Mafia-Boss flieht wie ein Dieb" schreibt beispielsweise die spanische Zeitung Sport.

Englands Blätter verabscheiden Blatter mit Wortspielen. "Blatt's all folks" (statt "That's all folks" - übersetzt: "Das wars, Leute) schreibt beispielsweise der Daily Express. Die Daily Mail holft mit der Headline "Hier geht’s raus, Sepp.

(SPORT1 fasst die internationalen Pressestimmen zusammen)

+++ Krisengipfel der UEFA fällt aus +++

Der für das kommende Wochenende geplante Krisengipfel der UEFA zum FIFA-Skandal fällt aus. "Ich habe - so wie die meisten Fußballfans weltweit - die täglichen Entwicklungen rund um die Untersuchungen betreffend die Korruptionsvorwürfe bei der FIFA mit großer Sorge verfolgt", sagte UEFA-Präsident Michel Platini.

Aufgrund der völlig überraschenden Rücktrittserklärung von FIFA-Präsident Blatter "und der ungewissen und unvorhersehbaren Entwicklung der Ermittlungen habe ich entschieden, dass es angemessen ist, die Sitzung mit den Mitgliedsverbänden in Berlin, die vergangene Woche angekündigt wurde und die dieses Wochenende hätte stattfinden können, zu verschieben", sagte der Franzose. 

Da täglich neue Informationen ans Tageslicht kommen würden sei es "klüger, sich Zeit zu nehmen, um die Situation besser einzuschätzen, um dann gemeinsam Position zu beziehen". Stattdessen soll es in den kommenden Wochen ein Treffen geben.

+++ Vesper fordert schnelle Lösung +++

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den Blatter rät Vorstandschef Michael Vesper vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) dem Fußball-Weltverband zu einer Beschleunigung des bisher geplanten Verfahrens.

"Eine monatelange oder sogar einjährige Hängepartie würde allen schaden und den befreienden Charakter von Blatters Schritt wieder rückgängig machen", sagte Vesper am Mittwoch im Interview mit WDR2.

Von einem zeitnahen Schlussstrich unter die Ära Blatter verspricht sich Vesper bessere Möglichkeiten für einen strukturellen Neuanfang: "Wir leben nicht in einer Blatter-Dynastie. Er darf sich jetzt nicht selber seinen Nachfolger aussuchen."

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+++ Warner und Co. von Interpol gesucht +++

Interpol greift im FIFA-Skandal ein: Die internationale Kriminalpolizei-Organisation führt seit Mittwoch sechs der 14 von den US-Behörden Angeklagten auf ihrer Liste der meistgesuchten Personen - darunter der frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner (Trinidad und Tobago), und Nicolas Leoz (Paraguay), ehemaliges Mitglieder im FIFA-Exekutivkomitee und ehemaliger Chef des Kontinentalverbandes von Südamerika (CONMEBOL).

Zudem stehen auch vier führende Personen von Sportmarketing-Firmen auf der Liste. Alle sind in den USA wegen Geldwäsche, der Annahme von Bestechungsgeldern und Bildung krimineller Vereinigungen sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten angeklagt.

Warner hatte sich in seinem Heimatland bereits gestellt und war nach einer Nacht in Haft gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Leoz steht Berichten zufolge in seiner Heimat unter Hausarrest.

Interpol verschickte am Mittwoch eine sogenannte Red Notice mit den sechs Namen. Mit der dringenden Benachrichtigung werden die teilnehmenden Länder um die Festnahme genannter Personen mit dem Ziel der Auslieferung ersucht. 

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+++ Steinmeier und Roth begrüßen Blatters Rücktritt +++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier begrüßt den Rücktritt von FIFA-Präsident Joseph Blatter.

"Die Kluft zwischen den FIFA-Funktionären und dem Fußballvolk war kaum jemals größer als während des FIFA-Kongresses. Auf der einen Seite dunkle Machenschaften und Geldgier, auf der anderen Millionen von Spielern, Trainern, Betreuern, Eltern, Schiedsrichtern, die jedes Wochenende dafür sorgen, dass der Fußball lebt", sagte Steinmeier.

Er habe immer gesagt, dass ein Neuanfang notwendig sei, "wenn Fußball und Fußballbegeisterung überleben sollen", erklärte der Außenminister: "Ich bin froh, dass der Rücktzritt von Herrn Blatter diesen Rücktritt jetzt möglich macht."

Auch Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, sagte: "Das ist eine große Erleichterung."

+++ "FIFA bis in die höchsten Ebenen korrupt" +++

Blatters Rücktritts-Ankündigung kann aus Sicht von US-Justizministerin Loretta Lynch nur Teil der Problemlösung beim Fußball-Weltverband sein.

"Wir mussten feststellen, dass die FIFA bis in die höchsten Ebenen korrupt ist", erklärte Lynch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Jedes Mal, wenn die FIFA nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten."

Ob auch Blatter aufgrund der Ermittlungen in den USA eine Anklage im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal bei der FIFA fürchten muss, was nach Blatters Abgang am vergangenen Dienstag mehrfach als mögliche Begründung für die Entscheidung des 79-Jährigen genannt worden ist, ließ Lynch weiterhin offen: "Dazu kann ich jetzt nichts sagen." 

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+++ Australien stellt WM in Katar in Frage +++

Nach der Rücktrittsankündigung von Blatter stellt der australische Fußball-Verband ASF die WM-Ausrichtung 2022 in Katar in Frage. Der Bewerbungsprozess für die Endrunde in sieben Jahre sei "nicht sauber" gewesen, sagte ASF-Vorsitzender Frank Lowy.

Die Australier verloren bei der weltweit kritisierten Abstimmung des FIFA-Exekutivkomitees im Dezember 2010 als Letzter chancenlos im ersten Wahlgang.

"Wir haben eine saubere Bewerbung abgeliefert", sagte Lowy: "Ich weiß, dass andere das nicht gemacht haben." Die WM 2022 wurde jahrelang von der FIFA-Ethikkommission untersucht. Der frühere Chefermittler Michael Garcia trat am Ende zurück, weil er das angebliche Ergebnis (keine hinreichenden Unregelmäßigkeiten) nicht unterstützte. 

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+++ Blatter im Visier des FBI +++

Nur Stunden nach der Rücktrittsankündigung des FIFA-Präsidenten und dem erschütternden Beben in Zürich beginnen die Spekulationen über Joseph S. Blatters vielleicht nicht freiwilligen Schritt runter vom Weltfußball-Thron.

Laut ABC News und der im FIFA-Skandal bestens informierten New York Times ist der 79-Jährige endgültig ins Zentrum der Korruptionsermittlungen geraten - und versuche nun, allein sich selbst zu retten. 

Dazu passt, dass die US-Ermittler am heutigen Mittwoch vermutlich die Aussagen von Kronzeuge Chuck Blazer veröffentlichen wollen. BBC-Korrespondentin Laura Kuenssberg fragt deshalb: "Ist Blatter deswegen jetzt schon gegangen, bevor alle schmutzigen Details ans Licht kommen?"

+++ Tochter dementiert Zusammenhang +++

Blatters Tochter Corinne Blatter-Andenmatten (54) dementierte im Blick, dass die Demission ihres Vaters mit den neuen FBI-Ermittlungen zu tun gehabt hätte

"Mit dieser Entscheidung wollte er in erster Linie auch uns, seine Familie, schützen", sagte sie: "Seine Entscheidung hat nichts, aber auch gar nichts, mit den kursierenden Anschuldigungen zu tun. Mein Vater ist ein ehrlicher Mensch, der sein Leben dem Fußball gewidmet hat." 

Die Ankündigung ihres Vaters sei insofern eine Erleichterung, als der von allen Seiten aufgebaute Druck jetzt wegfalle: "Zuletzt ging es nur noch darum, ihn fertig zu machen. Das hat mir extrem wehgetan." 

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+++ Zico will Blatters Nachfolger werden +++

Brasiliens Legende Zico erwägt offenbar, die Nachfolge von Sepp Blatter anzutreten. Auf seiner Facebook-Seite erklärte er, dass sich sein Leben "immer um Fußball gedreht habe".

Daher sehe er keinen Grund, nicht für das höchste Amt im Weltfußball zu kandidieren. Festgelegt habe er sich aber noch nicht, meint aber: "Warum nicht?"

+++ Pele fordert "aufrichtige Personen" für die FIFA +++

Brasiliens Fußball-Legende Pele fordert nach dem Rücktritt von Blatter nun einen Wandel beim Weltverband.

"Es ist eine wichtige Zeit für die FIFA. Sie muss sich ändern und nach vorne blicken", sagte Pele der BBC in Havana. Die FIFA benötige dafür "aufrichtige Personen".

+++ Niersbach begrüßt Blatters Rücktritt +++

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat den angekündigten Rücktritt von Sepp Blatter begrüßt. "Die Entscheidung ist absolut richtig, man könnte auch sagen, sie war irgendwo überfällig", sagte der 64-Jährige.

Niersbach bekräftigte, er sei einerseits "total überrascht", dennoch sei "ein Aufbruch, den die FIFA dringend braucht, nur mit einem neuen Mann an der Spitze möglich.

+++ Prinz Ali bietet sich an +++

Wer folgt auf Sepp Blatter? Neben Prinz Ali bin Al Hussein steht in David Ginola auch ein ehemaliger französischer Nationalspieler bereit.

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