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München - Ex-Bundespräsident Christian Wulff widerspricht bei SPORT1 den schweren Vorwürfen von FIFA-Boss Sepp Blatter, er habe die umstrittene WM-Vergabe an Katar massiv beeinflusst.

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat den massiven Vorwürfen von Sepp Blatter wegen der WM-Vergabe 2022 an Katar widersprochen.

"Ich habe bereits in meinem Buch 2014 diese Absurdität zurückgewiesen", erklärte Wulff auf SPORT1-Anfrage.

Blatter hatte in einem Interview mit der Welt am Sonntag behauptet, der höchst umstrittene Zuschlag für Katar sei auch auf politische Einflussnahme des damaligen Bundespräsidenten Wulff und von Frankreichs früherem Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zurückzuführen.

Angeblich Empfehlung an den DFB

"Es gab zwei politische Interventionen. Die Herren Sarkozy und Wulff haben versucht, ihre Wahlmänner zu beeinflussen. Deswegen haben wir jetzt eine WM in Katar", sagte Blatter: "Der Deutsche Fußball-Bund hat von Wulff auch eine solche Empfehlung bekommen, dass Deutschland wegen wirtschaftlicher Interessen für Katar stimmt."

Aus diesem Grund warf der Schweizer deutschen Unternehmen auch die Unterstützung des Regimes in Katar unter Missachtung der dortigen Menschenrechtsverletzungen vor: "Die Deutsche Bahn, Hochtief und viele mehr hatten schon Projekte in Katar, als die WM noch gar nicht vergeben war."

Wulff hatte diese Vermutungen bereits in seinem letztes Jahr veröffentlichten Buch "Ganz oben, ganz unten" zurückgewiesen und die Anschuldigungen auch auf sein gestörtes Verhältnis zum Springer-Verlag zurückgeführt:

"Nach dem Bruch mit Springer verbreitete die Welt am Sonntag im Mai 2014 wahrheitswidrig, ich könnte auf den Fifa-Präsidenten und auf Franz Beckenbauer zugunsten einer WM-Vergabe an Katar eingewirkt haben, obwohl ich mit keinem von beiden darüber gesprochen oder deswegen Kontakt aufgenommen habe."

Zwanziger widerspricht Wulff

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte vor zwei Jahren in der "Sportbild" allerdings das Gegenteil behauptet. "Der Bundespräsident hat sich damals bei mir nach der bevorstehenden WM-Vergabe erkundigt und in diesem Zusammenhang nach den Chancen für Katar gefragt", wurde Zwanziger zitiert: "Ich habe damals keine Chance für Katar gesehen und dies dem Bundespräsidenten so auch vermittelt."

Dem damaligen deutschen Wahlmann Franz Beckenbauer, seinerseits FIFA-Vizepräsident, habe er aber nicht von dem Anruf unterrichtet. Beckenbauer weigert sich bislang, sein Votum bei der Wahl Katars Ende 2010 öffentlich zu machen.

Von Frankreichs Exekutivmitglied Michel Platini hingegen ist bereits längere Zeit bekannt, dass er nach einem Abendessen mit Sarkozy und Katars Emir Scheich Hamad Al Thani für den Wüstenstaat gestimmt hatte. Sein Sohn erhielt kurz darauf einen hochdotierten Posten bei einer katarischen Sportvermarktungsagentur.

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