vergrößernverkleinern
CONMEBOL-Präsident Juan Angel Napout will "einige Dinge neu bewerten"
CONMEBOL-Präsident Juan Angel Napout will "einige Dinge neu bewerten" © Getty Images

Der Korruptionsskandal beim Weltverband FIFA droht sich nunmehr auch unmittelbar auf das sportliche Geschehen auszuwirken.

Entgegen bisheriger Planungen könnte das Copa-America-Jubiläumsturnier 2016 zum 100-jährigen Bestehen der Südamerikameisterschaft doch nicht in den USA stattfinden.

Die Exekutive des Südamerika-Verbandes CONMEBOL ließ die erstmalige Austragung des ältesten Kontinental-Wettbewerbs außerhalb des eigenen Kontinents ausdrücklich unbestätigt, weil Ex-Spitzenfunktionäre ihrer Organisation und ihres für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik verantwortlichen Pendants CONCACAF in den FIFA-Skandal verwickelt sind.

"Wir wollen das Copa-Jubiläum wie geplant feiern. Aber wir müssen erkennen, dass momentan auch andere Dinge eine Rolle spielen. Deswegen müssen wir zunächst abwarten, wie sich gewisse Dinge entwickeln, und einige Dinge neu bewerten", sagte CONMEBOL-Chef Juan Angel Napout (Paraguay) in Asuncion im Interview mit einem einheimischen Radiosender mit Blick auf die US-Ermittlungen im FIFA-Skandal gegen frühere CONMEBOL- und ehemalige CONCACAF-Funktionäre.

Die Beschuldigten sollen auch für die Vergabe von TV- und Vermarktungsrechten an früheren Copa-Turnieren illegale Schmiergelder in Millionenhöhe kassiert haben.

Die Pläne für das Copa-Jubiläum mit einer Sonderauflage in den USA hatten die früheren Verbandsbosse Nicolas Leoz (Paraguay/CONMEBOL) und Jeffrey Webb (Kaimaninseln/CONCACAF) 2014 abgesegnet.

Webb gehörte Ende Mai als damaliger FIFA-Vizepräsident zu den fünf auf US-Antrag in Zürich verhafteten FIFA-Funktionären und hat sich als bislang einziger aus dem Quintett inzwischen in die USA ausliefern lassen.

Leoz ist ebenfalls in den USA angeklagt und steht in seiner Heimat wegen des Verfahrens unter Hausarrest.

Vor dem Hintergrund des dubiosen Geschachers um Rechte besonders an CONMEBOL- und CONCACAF-Veranstaltungen über beinahe 20 Jahre mit mutmaßlichen Bestechungsgeldern in dreistelliger Millionenhöhe sind noch weitere Ex-Funktionäre beider Verbände angeklagt.

Außerdem sollen sich fünf Vermarktungsmanager wegen illegaler Geschäfte mit CONMEBOL und CONCACAF vor einem US-Gericht verantworten.

Die Copa soll 2016 wegen ihres 100-jährigen Bestehens außerhalb des üblichen Vier-Jahres-Rhythmus stattfinden. Die jüngste Auflage fand erst im Juni und Juli in Chile statt.

Die nächste reguläre Austragung ist 2019 in Brasilien vorgesehen.

Die USA waren von Leoz und Webb mit Bedacht als Schauplatz für die Copa-Feierlichkeiten ausgesucht worden.

Nachdem CONCACAF-Nationen schon seit längerer Zeit an den Copa-Turnieren teilnehmen, plante das Duo mittelfristig die Einführung einer gemeinsamen Meisterschaft für nord-, mittel- und südamerikanische sowie karibische Länder.

Unabhängig von der Entwicklung im FIFA-Skandal versprach Napout für das Copa-Jubiläum auf jeden Fall ein Sonderturnier: "Ich garantiere, dass die Feiern auf dem Spielfeld stattfinden werden."

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel