vergrößernverkleinern
Nicolas Leoz war CONMEBOL-Präsident
Nicolas Leoz ist ehemaliger CONMEBOL-Präsident © Getty Images

Im Korruptionsskandal rund um den Weltverband FIFA ist die Schweizer Polizei möglicherweise einen wichtigen Schritt weiter: Die Fahnder überprüfen einem Bericht der Züricher Zeitung Tagesanzeiger zufolge bei Schweizer Banken Spuren zum südamerikanischen Kontinentalverband CONMEBOL und ermitteln gegen den früheren Präsidenten Nicolas Leoz (Paraguay) und den langjährigen Generalsekretär Eduardo Deluca (Argentinien) wegen des Verdachts der Veruntreuung und ungetreuen Geschäftsführung.

Infrage steht ein Betrag von umgerechnet über zehn Millionen Euro.

Leoz, von 1986 bis 2013 CONMEBOL-Chef und 15 Jahre Mitglied der FIFA-Exekutive, gehört zu den 14 in den USA wegen Verwicklung in korrupte Machenschaften mit Fußball-Geschäften Angeklagten.

Auch Argentinien ermittelt

Der 86-Jährige steht in seiner Heimat praktisch seit Anklageerhebung vor gut drei Monaten unter Hausarrest.

Deluca hingegen ist offenkundig erst im Zuge der Ermittlungen der Schweizer Justiz wegen Manipulationen der Vergaben der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 an Katar ins Visier der Fahnder geraten.

Aufgrund des Verdachts gegen Deluca hat nunmehr auch die argentinische Justiz Ermittlungen aufgenommen und in der Schweiz Amtshilfe beantragt.

Laut Tagesanzeiger liegt den neuen Erkenntnissen ein Hinweis der Pictet-Privatbank im Rahmen des Geldwäsche-Gesetzes aus dem vergangenen Juni auf verdächtige Bewegungen auf einem CONMEBOL-Konto zugrunde.

Auf dem Konto sollen über Jahre Zahlungen von zwei japanischen Fußball-Vermarktern und auch der FIFA in Höhe von rund 19 Millionen Schweizer Franken (17,6 Millionen Euro) eingegangen, aber lediglich acht Millionen Franken (7,4 Millionen Euro) an den in Paraguay ansässigen CONMEBOL weitergeleitet worden sein.

Mehrmals hohe Einzahlungen

Für ein weiteres Konto bei der Bank Credit Suisse, das Deluca sowie ein weiterer tieferrangiger Fußball-Funktionär führten und das schon im Herbst 2014 aufgefallen ist, sollen außerdem von 2004 bis 2008 mehrmals Einzahlungen von 100.000 Dollar (88.000 Euro) sowie einmal 1,2 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) registriert worden sein.

2009 wurde das Konto nach Überweisung des Guthabens auf ein neues Konto geschlossen.

Die Schweizer Ermittlungen haben ihren Ursprung in einer Anzeige der FIFA aus dem vergangenen Herbst gegen Unbekannt wegen des seit Jahren bestehenden Verdachts von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl der WM-Gastgeber 2018 und 2022 und sind trotz Kooperationen unabhängig vom Verfahren in den USA.

Die US-Justiz hingegen hat Ende Mai insgesamt zwei FIFA-Präsidenten und fünf weitere hochrangige Funktionäre in der Schweiz verhaften lassen.

Gegen diese Personen sowie zwei weitere Funktionäre und fünf Vermarktungsmanager hat die US-Staatsanwaltschaft Anklage wegen langjährigen Betrugs, Bestechung, Verschwörung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung erhoben.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel