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Gegen FIFA-Boss Joseph Blatter läuft ein Verfahren wegen Untreue © Getty Images

Die Ethikkommission der FIFA will den Schweizer von all seinen Aufgaben entbinden. Blatter müsste unverzüglich sein Büro räumen und würde für alle Fußball-Aktivitäten gesperrt.

Joseph Blatter denkt im Machtkampf bei der FIFA nicht an Aufgabe, doch die Luft wird für den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes immer dünner.

Die FIFA-Ethikkommission hat eine 90-Tage-Sperre gegen den Schweizer beantragt. Das bestätigte Blatters Berater Klaus J. Stöhlker der BBC. "Die Nachricht wurde dem Präsidenten heute Nachmittag überbracht. Er bleibt ruhig. Denken Sie daran, dass er der Urheber der Kommission ist", sagte Stöhlker und fügte an: "Es ist vorläufig für 90 Tage, aber er ist nicht wirklich suspendiert. Die Kommission hat noch keine Entscheidung getroffen."

Stadionverbot droht

Die rechtsprechende Kammer um Richter Hans-Joachim Eckert muss nun über den Antrag beraten, eine endgültige Entscheidung soll am Freitag fallen. Bei einer Sperre müsste Blatter sein Büro im Hauptquartier der FIFA in Zürich räumen.

Zudem würde ein Stadionverbot gegen ihn verhängt - seine Zeit beim Weltverband wäre bereits vor den für den 26. Februar geplanten Neuwahlen abgelaufen.

Blatters Anwälte dementierten allerdings, dass ihr Mandat von der Ethikkommission über den Antrag einer Sperre unterrichtet worden sei. Außerdem würde man zunächst eine Befragung Blatters erwarten, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Bisher sei Blatter zu keiner Stellungnahme aufgefordert worden.

Ethikkammer hält sich bedeckt

Die Ethikkammer äußerte sich zur temporären Suspendierung nicht, sie dürfe satzungsgemäß konkret laufende Verfahren nicht kommentieren, sagte Marc Tenbücken, Sprecher der rechtsprechenden Kammer. "Die Ethikkommission führt ihre Verfahren immer sorgfältig, unabhängig und ohne Ansehen der Person oder ihrer Funktion durch", erklärte er allgemein.

2014 hatte Franz Beckenbauer ein ähnliches Schicksal ereilt. Der "Kaiser" wurde damals ebenfalls provisorisch für 90 Tage für jegliche nationale und internationale Tätigkeit im Fußball gesperrt.

Grund war Beckenbauers Verweigerung einer Aussage in Zusammenhang mit der umstrittenen WM-Vergabe 2022 an Katar. Wenig später wurde die Sperre aber vorzeitig aufgehoben.

Strafverfahern wegen Untreue

Gegen Blatter, der seit dem 8. Juni 1998 im Amt ist, wurde Ende September in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet, der Vorwurf lautet Untreue. Die Ermittler werfen dem 79-Jährigen den Verkauf von TV-Rechten für WM-Turniere zu Dumping-Preisen und eine Millionen-Zahlung an UEFA-Präsident Michel Platini vor.

Blatter selbst denkt aber (noch) nicht an einen Rückzug. "Ich werde am 26. Februar aufhören. Dann ist definitiv Schluss - aber keinen Tag früher", sagte er in einem Interview mit der Illustrierten Bunte zum Druck durch die laufenden Strafermittlungen und Rücktrittsforderungen von wichtigen US-Sponsoren.

Blatter: "Keine Anklage"

Blatter bleibt beachtlich offensiv. "Das ist nur eine Untersuchung. Kein Anklage", spielte der 79-Jährige die Untersuchungen der Schweizer Bundesanwaltschaft ebenso wie die Distanzierung von FIFA-Geldgebern herunter: "Das sind nur die Amerikaner."

Stöhlker forderte die abgerückten US-Sponsoren sogar heraus: "Da es sich offensichtlich um eine 'politische' Forderung aus den USA handelt, hat Sepp Blatter sie zurückgewiesen", sagte Stöhlker im Interview mit dem Schweizer Kommunikationswirtschafts-Magazin persönlich: "Es gibt genügend Weltkonzerne, die einen Ausfall der US-Sponsoren sofort ausgleichen würden. Deswegen haben die US-Sponsoren auch darauf verzichtet, die geltenden Verträge mit der FIFA zu kündigen."

Blatter will weitermachen

Erstmals nach dem Misstrauensvotum der US-Sponsoren unterstrich Blatter seine Entschlossenheit persönlich "Ich werde bis zum 26. Februar kämpfen. Für mich. Für die FIFA. Ich bin überzeugt, dass das Böse ans Licht kommen und das Gute gewinnen wird."

Der 79-Jährige bekräftigte seine Selbstwahrnehmung als Motor der FIFA-Neustrukturierung: "Ich halte das aus, weil ich der Überzeugung bin, dass ich die nötigen Reformen zum Wohle der FIFA einleiten kann. Man muss mich nur endlich arbeiten lassen - und nicht ewig diese Attacken."

Blatter fühlt sich "vorverurteilt"

Entsprechend hält der FIFA-Chef die Kritik an seiner Person auch für "nicht korrekt. Die Lage ist nicht erfreulich. Man verurteilt mich vor, ohne Beweise für irgendein Fehlverhalten meinerseits. Eigentlich ist das ungeheuerlich".

In den Ermittlungen gegen Blatter sieht Stöhlker keinen Grund für einen vorzeitigen Abgang seines Klienten: "Aufgrund einer Vernehmung tritt man nicht zurück." Blatter sei "immer in der Lage, handlungsfähig zu sein".

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