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Die ersten Groß-Sponsoren der FIFA rücken wegen des Strafverfahrens gegen Präsident Sepp Blatter vom Schweizer ab. Blatters Anwalt reagiert umgehend.

Mit beispielloser Besessenheit riskiert FIFA-Boss Joseph S. Blatter im Kampf um seine Macht sogar Milliardenverluste für den schwer taumelnden Fußball-Weltverband. Die Brüskierung von gleich vier Top-Sponsoren (Coca-Cola, McDonald's, Visa, Anheuser-Busch) durch seine arrogante Zurückweisung ihrer beachtlich scharf formulierten Forderungen nach seinem Rücktritt gefährdet nun auch das finanzielle Fundament der FIFA nachhaltig.

So tolldreist ist Blatters Vorgehensweise auch unter dem Druck der seit rund einer Woche laufenden Strafermittlungen, dass sich am Samstag sogar Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) via Twitter mit tatsächlich ähnlichen Worten wie tags zuvor die FIFA-Sponsoren noch einmal in die Debatte einschaltete: "Jeder Tag, an dem Blatter immer noch Präsident der FIFA bleibt, ist ein schlechter Tag für den Fußball."

Blatter-Anwalt: "Er wird nicht zurücktreten"

Ansonsten jedoch kamen aus Deutschland am Einheits-Feiertag zunächst höchstens Allgemeinplätze zur Blatter-Thematik. "Wie in der Vergangenheit mehrfach betont, müssen bei der FIFA im Sinne des Fußballs grundlegende Veränderungen durchgeführt werden", teilte der "ewige" FIFA-Partner adidas (Herzogenaurach) lediglich mit. Zur heiklen Personalie Blatter indes will sich der Konzern derzeit nicht äußern. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte bis zum Mittag nicht auf die jüngsten Entwicklungen.

Zu und besonders auch gegen Blatters Harakiri-Taktik fällt dem DFB aber vielleicht auch nicht mehr viel ein. "Auch wenn Coca-Cola ein wertvoller Sponsor der FIFA ist, ist Herr Blatter nicht dieser Meinung und glaubt vielmehr aus Überzeugung, dass es nicht im besten Interesse der FIFA wäre, wenn er sein Büro räumen würde, noch würde es den Reformprozess voranbringen. Deshalb wird er nicht zurücktreten", konterte Blatters New Yorker Anwalt Richard Cullen eine Woche nach Einleitung der Strafverfahren gegen seinen Schweizer Mandanten die eindeutigen Erklärungen der US-Konzerne überraschend offensiv.

Druck auf Blatter wächst weiter 

Seine absolut realitätsfremde, gleichwohl einmal mehr erstaunliche Chuzpe kann Blatter jedoch wohl kaum vor dem Sturz bewahren. Denn zu erwarten ist, dass die Unternehmen, die teilweise seit Jahrzehnten Hunderte Millionen Dollar in die FIFA pumpen, sich mitnichten von dem 79-Jährigen vorführen lassen - und deswegen schon bald die Daumenschrauben weiter anziehen und mit Sperrung ihrer Geldhähne drohen.

Die Sprache des Geldes hat der polyglotte Blatter, der offenkundig um jeden Preis bis zur für Ende Februar angesetzten Wahl eines Nachfolgers die Fäden bei der FIFA in der Hand behalten will, jedenfalls schon immer am besten verstanden. Zumal die Lage ohnehin nicht rosig ist: Durch ihre lange Glaubwürdigkeitskrise hat die FIFA von insgesamt 14 Paketen ihrer beiden besten Sponsoren-Kategorien erst die Hälfte verkauft.

Blatter ein "Herrscher ohne Reich" 

Außerdem drohen der FIFA, die in ihrem Vier-Jahres-Bericht bis 2014 über 1,4 Milliarden Euro an Sponsoren-Einnahmen auswies, weitere Quellen zu versiegen. Auf den südkoreanischen Auto-Konzerns Hyundai, pikanterweise im Besitz der Familie von Blatters Nachfolge-Anwärter Chung Mong-Joon, kann Blatter nicht rechnen.

Unabhängig von der Strategie bei adidas, wo Vorstandsboss Herber Hainer nach Dekaden der Nibelungentreue zu Blatter zuletzt noch den inzwischen auch angezählten UEFA-Boss Michel Platini (Frankreich) als neuen FIFA-Chef auf den Kandidatenschild hob, erscheint derzeit einzig der russische Staatskonzern Gazprom als letzter Getreuer des FIFA-Paten.

Der über Blatter gesenkte Daumen des Sponsoren-Quartetts stellt für Englands Verbandschef Greg Dyke aber ohnehin schon das endgültige Ende für den "Herrscher ohne Reich" dar. "Ich denke, dass es jetzt ein anderes Spiel geworden ist. Blatter kann sagen, was er will - darauf kommt es nicht mehr an. Wenn die Geldgeber der FIFA einen Wechsel wollen, dann werden sie diesen Wechsel auch bekommen", sagte Dyke und fügte hinzu: "Wichtig ist wirklich, dass es ihnen dabei um eine ernsthafte Reform geht."

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