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FIFA-Beben in Zürich: Joseph Blatter ist als Chef des Weltverbandes abgesetzt werden. Auch UEFA-Chef Michel Platini wurde suspendiert. Alle Infos im Ticker.

  • Platini bleibt UEFA-Boss
  • Blatter und Platini für jeweils 90 Tage suspendiert
  • Niersbach fordert Blatters sofortigen Rücktritt
  • Blatters Anwälte fechten Urteil an

+++ Niersbach: "Interesse ehrt mich" +++

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich auch nach der neusten Entwicklung weiter zurückhaltend zu einer möglichen eigenen Kandidatur für eines der beiden Ämter in FIFA und UEFA gezeigt.

"Was würde es bringen, wenn ich meinen Hut jetzt in den Ring werfe. So laufen die Dinge international nicht", sagte Niersbach bei RTL.

Es ehre ihn natürlich, "dass es Leute gibt, die mir das zutrauen. Aber ich fühle mich beim DFB sehr wohl."

+++ Platini bleibt UEFA-Boss! +++

UEFA contra FIFA! Michel Platini wird Einspruch gegen sein provisorische 90-Tage-Sperre einlegen und kann sich dabei auf die "volle Unterstützung" der Europäischen Fußball-Union verlassen.

Die UEFA erklärte am Donnerstagabend, sie wolle Platini sogar weiterhin die Amtsgeschäfte überlassen. Sie sehe "zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit" einer Übergabe an den potenziellen Interimspräsidenten Angel Maria Villar Llona. "Der UEFA-Präsident wird alle nötigen Schritte einleiten, um seinen Namen reinzuwaschen", hieß es in einer Stellungnahme.  

+++ Bach: "Genug ist genug!" +++

Mit deutlichen Worten hat der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach (61) die FIFA nach der Suspendierung von Joseph S. Blatter zum Handeln aufgefordert. "Genug ist genug. Wir hoffen, dass nun jeder bei der FIFA verstanden hat, dass man nicht passiv bleiben darf", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Es müsse "umgehend gehandelt werden, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, da man nicht auf Dauer die Glaubwürdigkeit der FIFA von der Glaubwürdigkeit des Fußballs abkoppeln kann", sagte Bach. 

+++ Niersbach: "Absoluter Super-Gau" +++

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat nach dem "absoluten Super-GAU" vom Donnerstag zu einer Revolution in den Führungsgremien des Weltfußballs aufgerufen. "Die Zukunft kann nur gestaltet werden ohne den bisherigen Präsidenten, ohne Sepp Blatter", sagte Niersbach nach der Suspendierung von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Auch zum ebenfalls für 90 Tage gesperrten UEFA-Boss Michel Platini ging Niersbach auf Distanz.

Der Franzose müsse entscheiden, ob er seine Kandidatur auf Blatters Nachfolge an der Spitze des Weltverbandes "mit dieser Belastung aufrechterhalten kann", meinte Niersbach. Zur Zukunft von Platini (60) an der UEFA-Spitze sagte Niersbach, der frühere Profi sei "über die Jahre ein wirklich guter Präsident gewesen, mit dem wir als DFB und ich persönlich wirklich gut zusammengearbeitet haben. Das ist jetzt eine total neue Situation, ich will mich in dieser Minute nicht total festlegen".

Allgemein sprach Niersbach angesichts der nun eingetretenen "Führungslosigkeit" von einem "absoluten Tiefpunkt, an dem man sich personell neu aufstellen muss". Der 64-Jährige wirkte persönlich berührt, sprach aber in bemüht gelassenem Tonfall.

+++ Hayatu nur FIFA-Boss auf Zeit +++

Issa Hayatou hat bestätigt, dass er "nur interimsweise" das Amt de FIFA-Präsidenten bekleiden und für den außerordentlichen Kongress am 26. Februar 2016 "nicht als Kandidat zur Verfügung stehen" werde.

Bis zu diesem Zeitpunkt, versicherte Hayatou, wird er sich "für das Wohl der Organisation, der Mitgliedsverbände, der Mitarbeiter, der Partner und der Fußball-Fans weltweit einsetzen". Die FIFA werde den eingeschlagenen Reformprozess weiterführen und mit den Behörden kooperieren, "weil das wichtig ist, um das öffentliche Vertrauen wieder zu gewinnen".

+++ Rauball sieht Blatter-Sperre als Chance +++

Liga-Präsident Reinhard Rauball hat die an FIFA-Präsident Joseph S. Blatter verhängte 90-Tages-Sperre als "Chance" bezeichnet und alle, "die unbelastet sind und Interesse am Fußball haben" dazu aufgefordert, "sich im Sinne des Sports zu engagieren". Dies teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Donnerstag mit.

Nach der Sperre des 79-jährigen Blatter, der ebenso wie UEFA-Boss Michel Platini vorerst keine Aktivitäten im Fußball ausüben darf, stehe der Weltfußball laut Rauball "vor der größten Herausforderung seiner Geschichte. Mit Rhetorik alleine ist es schon lange nicht mehr getan. Wir brauchen einen kompletten Neuanfang - personell und organisatorisch", forderte der 68-Jährige.

Ausdrücklich in die Pflicht nahm er dabei die großen Nationalverbände und Ligen in Europa, die seiner Meinung nach "zwingend gefordert sind, mit einer gemeinsamen Position ihr Gewicht für einen echten Neuanfang einzubringen".

+++ Wie geht's in der UEFA weiter? +++

Die UEFA hat nach der Suspendierung ihres Präsidenten Michel Platini den Ersten Vizepräsidenten Angel Maria Villar Llona (Spanien) noch nicht als amtierenden Verbandschef bestätigt. Man könne "noch keine Mitteilung dazu machen", heißt es aus Nyon. 

"Bei Verhinderung des Präsidenten übernimmt der ranghöchste verfügbare Vizepräsident dessen Aufgaben", lautet die entscheidende Passage in Artikel 29 der UEFA-Statuten zu Aufgaben und Befugnissen des Verbandsbosses.

Villar Llona gilt allerdings vor dem Hintergrund der FIFA-Skandale als Mitglied der Exekutive des Weltverbandes nicht als zweifelsfrei unbelastet. Der 65 Jahre alte Ex-Nationalspieler wird außerdem als Reformverhinderer angesehen.

Sein Sohn Gorka sieht sich derzeit als Generalsekretär des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONMEBOL Erpressungsvorwürfen von Klubs aus Uruguay ausgesetzt.

Neben Villar Llona hat die UEFA vier weitere Vizepräsidenten. In der Reihenfolge ihres Ranges komplettieren der Zyprer Marios N. Lefkaritis, der Italiener Giancarlo Abete, der Ukrainer Grigorij Surkis und der Niederländer Michel van Praag die Riege der Vizepräsidentenriege.

+++ Art. 84 des FIFA-Ethikcodes im Wortlaut +++

Die Anwälte des suspendierten FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter beklagen wegen nicht erfolgter Anhörung ihres Mandanten einen Verstoß der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes gegen Ethik-Code. Allerdings hat sich der Münchner Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender rechtsprechenden Kammer der Kommission bei seiner Entscheidung durchaus an die Vorschriften gehalten.

Der Wortlaut des entsprechenden Artikels 84 im Ethikcode der FIFA im Wortlaut:

1. Der Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer kann die Parteien kurzfristig zu einer Verhandlung vorladen oder ihnen eine kurze Frist zur schriftlichen Stellungnahme setzen.

2. Der Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer kann ohne Anhörung der Parteien aufgrund der ihm vorliegenden Akten entscheiden. In diesem Fall werden die Parteien nach der Entscheidung zu einer Verhandlung vorgeladen oder zur schriftlichen Stellungnahme eingeladen. Nach Anhörung der Parteien bestätigt der Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer seine Entscheidung, hebt sie auf oder ändert sie ab.

+++ Blatters Trophäensammlung +++

Gerade wieder gern verbreitet im Netz: Die Liste mit insgesamt 75 (!) Auszeichnungen und Ehrungen für Blatter, die die FIFA 2010 veröffentlicht hatte. Darunter die "Dove of Geneva" ein Friedenspreis eines Schweizer Uhrenherstellers.

+++ Gurkenfest braucht neuen Ehrengast +++

Für einige hat Blatters Suspendierung harte Folgen: Das Fremdenverkehrsbüro des Londoner Stadtteils South Norwood hatte ihn bereits als Ehrengast für sein großes Gurkenfest im kommenden Jahr angekündigt, berichtet der britische Guardian.

Mit den neuen Entwicklungen sei das aber nicht mehr tragbar. "Wir sind enttäuscht, dass das passiert ist, aber vielleicht war es die Hand Gottes, also sind wir jetzt hinter Diego Maradona her", heißt es auf der Webseite der Organisation.

+++ Niersbach fordert Blatters Rücktritt +++

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat nach der Suspendierung von Joseph S. Blatter den Rücktritt des Schweizer FIFA-Bosses gefordert. "Die Zukunft kann nur gestaltet werden ohne den bisherigen Präsidenten, ohne Sepp Blatter", sagte Niersbach in Dublin.

+++ Schenk fürchtet Blatters Rückkehr +++

Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk (63) befürchtet trotz der verhängten 90-Tages-Suspendierung von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter, dass der Schweizer sich weiterhin an seine Macht klammern wird. "Das ist ja sein gutes Recht", sagte Schenk dem Sport-Informations-Dienst: "Aber Blatter täte der FIFA den besten Gefallen, wenn er sofort zurücktreten würde. Nur dann lässt der Druck nach."

Schenk sprach dennoch von einem "unguten Gefühl", denn: "Das Problem mit der Ethikkommission ist, dass sie nie ihre Gründe für die Entscheidungen veröffentlicht. Das ist eine Geheimjustiz der FIFA, man weiß nicht, wer was warum entscheidet", kritisierte Schenk.

+++ Spannung vor Niersbach-Auftritt +++

Im Vorfeld des EM-Qualifikationsspiels zwischen Irland und Deutschland in Dublin will sich auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zum FIFA-Beben äußern. Niersbach gilt als einer der Kandidaten auf die Nachfolge sowohl von FIFA-Chef Blatter als auch UEFA-Boss Platini. Er selbst zeigte bislang allerdings öffentlich keinerlei Ambitionen auf einen der beiden Posten.

+++ Ethikkommission verstößt gegen Code +++

Joseph Blatter wurde vor seiner 90-Tage-Sperre durch die FIFA-Ethikkommission nicht angehört. Das teilten die Anwälte des 79-jährigen Schweizers mit, nachdem dieser für alle Aktivitäten im Fußball provisorisch suspendiert worden war.

"Präsident Blatter war enttäuscht, dass die Ethikkommission nicht dem Ethik- und Disziplinarcode gefolgt ist, welche die Möglichkeit einer Anhörung beinhalten", teilten Lorenz Erni (Schweiz) und Richard Cullen (USA) mit. Im Ethikcode (Artikel 84.2) steht allerdings ausdrücklich, das eine erste Entscheidung auch ohne Anhörung der Parteien fallen kann.

Zudem habe die Kommission ihre Entscheidung auf einem "Missverständnis" der Aktionen der Schweizer Bundesanwaltschaft begründet, die `ein Ermittlungsverfahren eröffnet, aber keine Anklage erhoben haben", schrieben die Anwälte.Blatter sei zuversichtlich, "Beweise" präsentieren zu können, die `demonstrieren, dass er in keinerlei Fehlverhalten und Verbrechen involviert" sei.

+++ Berater: "Drei Monate Ferien für Blatter" +++

Klaus J. Stöhlker, Berater des für 90 Tage vorläufig suspendierten FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter, sieht keine wirklichen Probleme auf seinen Schweizer Klienten zukommen. "Er freut sich auf drei Monate Ferien, die er sich auch redlich verdient hat", sagte Stöhlker der Bild. Danach werde sich der Walliser bei der FIFA wieder zurückmelden.

"Blatter ist rechtzeitig zurück, um am 26. Februar den Kongress zu führen", betonte Stöhlker, "ausgerechnet die von Blatter initiierte Ethikkommission hat ihn jetzt an die Seitenlinie gestellt. Er will aber zurück ins Spiel!"

Stöhlker sieht jetzt Probleme beim FIFA-Reformprozess: "Da sehe ich ein Vakuum. Denn die FIFA hat jetzt ein veritables Führungsproblem."

Auf die Frage, ob Blatter sein Büro räumen wird, meinte der Berater: "Das zu klären ist Aufgabe der Anwälte. So schnell wird das nicht gehen."

+++ Platini beklagt Rufschädigung +++

UEFA-Chef Michel Platini hat die Weitergabe der Information über die Beantragung seiner Suspendierung als Versuch der "Rufschädigung" bezeichnet.

In einer offiziellen UEFA-Mitteilung nannte der 60-Jährige die Vorgänge vom vergangenen Mittwoch ein "vorsätzliches Leck von innen" und "inakzeptabel".

Bereits vor der offiziellen Bekanntgabe seiner Suspendierung hatte der frühere Weltstar einen Kampf um seine Reputation angekündigt. Der Franzose will sich "nicht aufhalten lassen, dass die Wahrheit bekannt" werde.

+++ Zwei Tage Einspruchsfrist für Blatter und Platini +++

Joseph S. Blatter und Michel Platini haben nach ihrer provisorischen Suspendierung durch die Ethikkommission zwei Tage Zeit für einen Einspruch. Das bestätigte der Sprecher der rechtsprechenden Kammer der Kommission am Donnerstag auf SID-Anfrage kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung.

Die etwaigen Einsprüche müssen der außer Dienst gesetzte FIFA-Boss Blatter und der ebenfalls kaltgestellte UEFA-Chef Platini beim Vorsitzenden der FIFA-Berufungskommission einreichen. 

+++ Hayatou FIFA-Interimspräsident +++

Nach der Suspendierung von Sepp Blatter hat die FIFA ist Issa Hayatou aktuell einen neuen Präsident: Issa Hayatou. 

Als dienstältester FIFA-Vize übernimmt der 69-Jährige, der dem Vernehmen nach an einer Nierenkrankheit leidet, das Amt des Schweizers.

Der Kameruner, seit 1988 auch Präsident des afrikanischen Fußballverbandes CAF, musste sich in der Vergangenheit selbst immer wieder mit Korruptionsvorwürfen auseinandersetzen. Zuletzt berichtete die ARD über eine Millionen-Zahlung an den Kameruner, damit dieser im Dezember 2010 für Katar als Ausrichter der WM 2022 stimmt. Dafür gebe es Zeugen.

+++ FIFA-Präsident Blatter und UEFA-Chef Platini suspendiert +++

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter ist von der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes für vorläufig 90 Tage suspendiert worden.

Das gab die rechtsprechende Kammer des Gremiums am Donnerstag bekannt. Auch FIFA-Vizepräsident Michel Platini (Frankreich), in Personalunion Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA), darf zunächst 90 Tage keine Funktionen im Fußball ausüben.

Auch der bereits von der FIFA suspendierte Generalsekretär Jerome Valcke wurde für 90 Tage aus dem Verkehr gezogen. Der ehemalige südkoreanische FIFA-Vize-Präsident Chung Mong-Joon wurde für sechs Jahre suspendiert.

Die Kammer begründete ihre Entscheidung mit dem Verdacht auf Verstöße des 79-jährigen Blatter gegen den FIFA-Ethikcode. Bereits Ende September hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen Blatter, der seit 1998 an der FIFA-Spitze

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