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DFB Press Conference
Horst R. Schmidt (r.) soll den Vertragsentwurf zwischen Franz Beckenbauer (l.) und Jack Warner aufgesetzt haben © Getty Images

Führende DFB-Verantwortliche sollen das Beckenbauer-Papier selbst aufgesetzt haben. Der Ex-General wehrt sich vehement. Es gibt auch Entlastendes.

Die Affäre um die WM 2006 zieht auch am vom Terror in Paris überschatteten Fußball-Wochenende weitere Kreise.

Ein Medienbericht vom Samstag offenbart neue Details, die den DFB teils be-, teils entlasten würden.

Das Entlastende: Der vermeintliche Bestechungsversuch im Zuge der WM-Affäre ist der Welt zufolge mangels Zustimmung des DFB-Präsidiums nicht umgesetzt worden.

Das Belastende: Einst führende Verantwortliche des Deutschen Fußball-Bundes sollen nicht nur Kenntnis von dem nichtsdestotrotz brisanten Papier gehabt - sondern das Schriftstück selbst aufgesetzt haben.

Schmidt wehrt sich vehement

Die Welt nennt in diesem Zusammenhang Ex-Generalsekretär Horst R. Schmidt und den inzwischen verstorbenen Gerhard Mayer-Vorfelder.

Schmidt bestritt dies am Samstagnachmittag vehement. "Nein. Ganz schlicht: nein! Das ist totaler Unsinn. Ich habe da nicht mitgewirkt", sagte er dem SID. Am Freitag hatte Schmidt jedoch bestätigt, das Papier "im Jahr 2000 gesehen zu haben. Und ich glaube auch, dass ich nicht der Einzige war, der es gesehen hat."

Das "Beckenbauer-Dokument", ein auf den 2. Juli 2000 (vier Tage vor der WM-Vergabe) datierter, brisanter Vertragsentwurf, war in den Archiven des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aufgetaucht.

Es wurde von WM-Organisationsboss Franz Beckenbauer für die deutsche und dem früheren FIFA-Vize Jack Warner für die andere Seite unterschrieben. Die erheblichen Zusagen an Warner legen den versuchten Stimmenkauf vor der WM-Vergabe nahe.

Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelt offenbar

Erst tags zuvor hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass neben Schmidt "ein weiterer, prominenter Spitzenfunktionär" schon seit August 2000 von dem dubiosen Vertragsentwurf zwischen WM-Organisationsboss Franz Beckenbauer und dem früheren FIFA-Vize Jack Warner gewusst haben.

Nach Informationen der SZ soll auch der im August 2015 verstorbene Ex-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder rund einen Monat nach dem Vertragsentwurf von diesem erfahren haben.

Unabhängig davon wird die Affäre offensichtlich ein Fall für die Schweizer Strafverfolgungsbehörden. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge hat sich die Bundesanwaltschaft in Bern des Themas angenommen. Dabei seien insbesondere die 6,7 Millionen Euro interessant, die der frühere adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus den deutschen WM-Machern gewährt hatte. Auch das Ticketing werde untersucht.

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