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Die FIFA steht vor weitgreifenden Reformen
Erneut sind Mitglieder der FIFA-Spitze im Visier der Fahnder © Getty Images

In Zürich kommt es in einer konzertierten Aktion zu weiteren Festnahmen. Zwei Top-Funktionären der FIFA wird Bestechung vorgeworfen.

Zugriff im Morgengrauen: Die FIFA wird am Tag ihres vermeintlichen Neuanfangs erneut in ihren Grundfesten erschüttert. Am frühen Donnerstagmorgen verhafteten die Schweizer Behörden in Zürich auf Antrag der US-Justiz die beiden FIFA-Vizepräsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit (Honduras) - es geht um Bestechung im Fußball-Weltverband. Beide widersetzten sich umgehend ihrer direkten Auslieferung an die USA.

"Die hochrangigen FIFA-Funktionäre sollen diese Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten haben", teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz mit:

"Die Straftaten sind gemäß Verhaftsersuchen teilweise in den USA abgesprochen und vorbereitet worden; zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden."

Napout, Präsident des Kontinentalverbandes CONMEBOL (Südamerika), und Hawit (Honduras), Chef des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), sitzen als Vize im FIFA-Exekutivkomitee, das am Donnerstag eigentlich etliche Reformen für den Neuanfang beschließen wollte. Die FIFA hielt zunächst auch an ihrer Agenda fest.

Exekutiv-Sitzung begann wie geplant

"Wie geplant" begann die Sitzung um 9.00 Uhr. Die offensichtlich geplante Aufstockung der Weltmeisterschaften auf 40 Teilnehmer ab der Endrunde 2026 wurde aber nicht beschlossen - vielleicht in weiser Voraussicht auf das dann folgende Medienecho.

"Das Thema wurde zunächst zur weiteren Prüfung an die Administration gegeben", sagte Exko-Mitglied Wolfgang Niersbach, der im Zuge der WM-Affäre 2006 als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten war. Wegen der Exko-Sitzung waren erneut viele hochrangige Fußball-Funktionäre nach Zürich gereist.

Die FIFA teilte zunächst nur mit, "Kenntnis von den heutigen Maßnahmen der US-Justizbehörden" genommen zu haben: "Die FIFA wird weiter in vollem Umfang mit den US-Ermittlern kooperieren sowie die von der Schweizer Bundesstaatsanwaltschaft geleiteten Ermittlungen unterstützen. Die FIFA wird keine weitere Stellungnahme zu den heutigen Entwicklungen abgeben."

Blatter nicht unter den Festgenommenen

Laut New York Times sind die Einsatzkräfte um sechs Uhr am Luxus-Hotel Baur au Lac eingetroffen. Der suspendierte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter (79), gegen den in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet worden war, gehöre nicht zu den Festgenommenen.

Der Hotelmanager des Baur au Lac sprach laut NYT von einer "extremen Situation". Sowohl von der US- als auch von der Schweizer Justiz gab es am frühen Donnerstagmorgen zunächst keine Reaktion.

Hotel in Zürich bereits im Mai im Fokus

Bereits im Mai war der Weltverband auf ähnliche Weise erschüttert worden. Im Vorfeld des FIFA-Kongresses nahmen die Schweizer Behörden sieben teils hochrangige Funktionäre fest und stürzten die FIFA in die Krise.

Auch damals war das Baur au Lac Ziel der Polizeiaktion. Die Bilder der unter Bettlaken abgeführten Funktionäre gingen um die Welt. Zu den Festgenommenen gehörte auch Jeffrey Webb (Kaimaninseln), der seiner Auslieferung in die USA zugestimmt hatte. Er war Hawits Vorgänger als CONCACAF-Boss.

Die US-Justiz ermittelt seit Monaten gegen Funktionäre der FIFA, es geht vor allem um Ungereimtheiten bei vergangenen Großereignissen. Über amerikanische Banken scheint im großen Stil Geld gewaschen worden zu sein, zudem geht es um Betrug beim Dealen mit Fernsehrechten. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt in einem weiteren Verfahren.

Die FIFA selbst griff zuletzt über ihre unabhängige Ethikkommission durch und sperrte etliche frühere Machthaber. Die Prominentesten: Blatter und Michel Platini (60), Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

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