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DFL-Geschäftsführer Christian Seifert (l.) traf sich in Paris unter anderem mit Frankreichs Ligachef Frederic Thiriez (M.) und FIFA-Präsidentschaftskandidat Tokyo Sexwale © SPORT1-MOntage: gabriel Fehlandt/Imago/Getty Images

Inmitten der neuen FIFA-Erschütterungen formt sich heimlich, still und leise eine einflussreiche Interessenvertretung. Die Bundesliga ist vorn mit dabei.

Während der Kollaps der FIFA voranschreitet, formiert sich ein neues Machtzentrum im Weltfußball - und die Bundesliga ist mittendrin.

Am Dienstagabend, zwei Tage vor den neuen Funktionärsverhaftungen in Zürich und unter weit geringerer öffentlicher Anteilnahme, ist in Paris eine neue Organisation auf den Weg gebracht worden.

"World Association of Leagues" soll sie heißen, im Januar soll sie ihre Arbeit aufnehmen und die Interessen der großen Fußballligen vertreten.

Dies entschieden die Oberhäupter von 23 Profiligen aus aller Welt beim 2. World Leagues Forum in Paris, einer auch erst seit diesem Jahr existierenden Elefantenrunde, bei der unter anderem auch die englische Premier League und Spaniens La Liga mitmischen.

Vorstoß in ein Machtvakuum

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, Enrique Bonilla (Mexiko), Don Garber (USA), Mitsuri Murai (Japan) und der Franzose Frederic Thiriez sollen, so die offizielle Losung, die formelle Struktur über die Zusammenarbeit mit der FIFA erarbeiten und diese verbessern.

"Die Profiligen wollen damit ihren Anteil am Neu-Aufbau der FIFA und dem internationalen Fußball leisten. Mit unserer Erfahrung aus der täglichen Arbeit in unseren Ländern, glauben wir, dass wir der FIFA helfen können", sagte Thiriez.

Klingt freundlich, ist aber eben auch Machtpolitik: Im Weltverband - wie auch in der europäischen UEFA - steht durch die Korruptionsaffären und die Verhaftungswellen des FBI kaum noch ein Stein auf dem anderen. In dieses Vakuum stoßen die Ligen vor und können damit ihre Interessen zur Geltung bringen. Was nach Thiriez' Auffassung auch nötig ist: "Der Fußball ist nicht tot, aber seine internationalen Institutionen sind sehr krank."

FIFA-Kandidaten sind vor Ort - und loben

Am neuen Verbund der Ligen wird ihr Neuaufbau kaum vorbei führen - nicht umsonst waren auch fast alle Nachfolgekandidaten für den suspendierten und scheidenden FIFA-Präsidenten Joseph Blatter in Paris vor Ort: Prinz Ali bin Al Hussein (Jordanien), Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (Bahrain), der Franzose Jerome Champagne, sowie der Südafrikaner Tokyo Sexwale vor Ort.

Einzig der Schweizer Gianni Infantino - Generalsekretär des ebenfalls suspendierten UEFA-Präsidenten Michel Platini - war entgegen erster Berichte offenbar nicht beim Forum.

Sein Konkurrent Sexwale verlor gleich ein paar warme Worte: "Das Treffen war gut für den Fußball und uns alle. Ohne die Ligen gibt es keinen Fußball und die Leute hier machen die tägliche Arbeit in ihren Ländern. Sie haben also reichhaltige Erfahrung."

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