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Italian Football Federation Trophies Exhibition
Bisher nehmen 32 Nationen an der WM-Endrunde teil © Getty Images

Die FIFA beschließt bei der von neuen Verhaftungen überschatteten Exko-Sitzung große Strukturänderungen. Auch eine WM mit 40 Teams könnte es bald geben.

Gleich am Morgen haben zwei neue Verhaftungen einen Schatten über die Zusammenkunft der FIFA-Oberen gelegt.

Die Vizepräsidenten Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit aus Honduras wurden am Donnerstagmorgen aufgrund von Korruptionsvorwürfen festgenommen, ausgerechnet an dem Tag, an dem das FIFA-Exekutivkomitee eine Reihe von Reformen beschlussfähig machen wollte - die unter anderem dazu dienten, den kollabierenden Fußball-Weltverband wieder etwas aufzurichten.

Daneben sorgten Pläne für Aufsehen, das Teilnehmerfeld bei Weltmeisterschaften von bisher 32 auf künftig 40 Nationen aufzustocken.

SPORT1 gibt den Überblick über die Entwicklungen des Tages.

Umfassendes Reformpaket beschlossen

  • AMTSZEITEN: Die Amtszeiten der Entscheider einschließlich des FIFA-Präsidenten sollen auf maximal zwölf Jahre (drei Amtszeiten à vier Jahre) begrenzt werden.
  • TRENNUNG VON POLITISCHEM UND OPERATIVEM GESCHÄFT: Der neue FIFA-"Council" soll das bisherige FIFA-Exekutivkomitee ersetzen und die Strategie des Unternehmens vorgeben. Das Generalsekretariat überwacht das operative und kommerzielle Geschäft. Die 36 Council-Mitglieder werden aus den Konföderationen entsandt und zuvor von der FIFA überprüft. Die Europäische Fußball-Union UEFA stellt neun Mitglieder.
  • OFFENLEGUNG DER GEHÄLTER: Künftig sollen die Gehälter des Präsidenten sowie von allen Mitgliedern des Councils und Generalsekretariats offengelegt werden. Auch die Bezahlung der Vorsitzenden der unabhängigen Kommissionen soll bekannt gemacht werden.
  • VIELFALT: Künftig soll es eine Frauenquote geben, unter anderem, um eine "vielfältigere Entscheidungskultur" zu schaffen.
  • UNABHÄNGIGKEIT DER KOMITEE-MITGLIEDER: Allen Komitees soll eine Mindestzahl unabhängiger Mitglieder angehören. Deren Aktivitäten sollen von einer Prüfungskommission überwacht werden.
  • EFFEKTIVITÄT DER KOMITEES VERBESSERN: Künftig wird es nur noch 9 statt der bisherigen 26 ständigen Komitees geben. Dadurch soll deren Arbeit effizienter werden, die Mitglieder sollen besser miteinbezogen werden.
  • INTEGRITÄTSPRÜFUNGEN: Mitglieder in ständigen Komitees müssen sich umfassenden Integritätschecks unterziehen. Ein unabhängiges Komitee soll dies überwachen.
  • MEHR TRANSPARENZ UND INKLUSION: Ein Komitee aus Interessenvertretern soll gegründet werden, um den Austausch zwischen der FIFA und den Spielern, Klubs sowie Ligen zu verbessern.

WM soll noch größer werden

Das Teilnehmerfeld der Weltmeisterschaften soll künftig auf 40 Nationen aufgestockt werden.

Ein entsprechender Beschlussvorschlag wurde dem Exekutivkomitee vorgelegt, entschieden wurde aber noch nichts. Als erste WM mit 40 Teilnehmern käme die Endrunde 2026 infrage.

"Eine Entscheidung über die Erhöhung des WM-Teilnehmerfeldes ab 2026 ist nicht getroffen worden", sagte Exko-Mitglied Wolfgang Niersbach, der im Zuge der WM-Affäre 2006 als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten war: "Es war erkennbar, dass sich besonders die asiatischen und afrikanischen Vertreter dafür einsetzten. Das Thema wurde zunächst zur weiteren Prüfung an die Administration gegeben."

Bei den kommenden Endrunden 2018 in Russland und 2022 in Katar gehen in jedem Fall wie bisher 32 Länder an den Start. Die Aufstockung kann allein durch das Exko beschlossen werden, die Zustimmung des Kongresses (mit allen 209 FIFA-Mitgliedern) ist nicht nötig.

Das Teilnehmerfeld der Weltmeisterschaften war in den vergangenen Monaten ein beliebtes Wahlkampf-Thema bei den Präsidentschaftskandidaten, die am 26. Februar zum Nachfolger des suspendierten Joseph S. Blatter gewählt werden wollen.

Ethiker ermitteln gegen Brasiliens Boss

Gegen Brasiliens Verbandschef Marco Polo Del Nero ist ein formelles Verfahren der FIFA-Ethikkommission eröffnet worden. "Wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Ethikreglement", teilte ein Sprecher der ermittelnden Kammer mit.

Der 74-jährige Del Nero war am 26. November, drei Tage nach der Eröffnung des Verfahrens, aus dem FIFA-Exekutivkomitee zurückgetreten. Das war allerdings auch nur eine Frage der Zeit. Der "Exko-Geist" fehlte bei den Sitzungen des Gremiums nach der Verhaftung von sieben Fußball-Funktionären Ende Mai vor dem FIFA-Kongress in Zürich. Damals hatte Del Nero offenkundig aus Furcht vor einer Festnahme die Schweiz noch am Tag der Polizeiaktion überstürzt verlassen.

Del Nero stand als Mitglied der FIFA-Exekutive seit 2012 und als CBF-Chef seit 2014 in einer Linie mit zweifelhaften Vorgängern: Bei der FIFA folgte der Jurist Brasiliens berüchtigtem Strippenzieher Ricardo Teixeira nach, beim CBF übernahm Del Nero das Amt von seinem in Zürich verhafteten Vorgänger Jose Maria Marin.

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