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In der Affäre um das Sommermärchen 2006 gerät Franz Beckenbauer erneut unter Druck. Angeblich soll Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach den "Kaiser" belastet haben.

Franz Beckenbauer droht im Korruptionssumpf der FIFA zu versinken. Bei der Aufklärung der WM-Affäre 2006 ist der frühere Organisationschef angeblich vom ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach schwer belastet worden.

Es geht um die dubiosen 6,7 Millionen Euro, die den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in die Krise stürzten. Laut Bild führt die Spur zu Joseph S. Blatter - und dessen dann gekaufter Wiederwahl zum FIFA-Boss im Jahr 2002. Es wäre ein Skandal im Skandal.

Blatters Wiederwahl mitfinanziert?

In der Befragung durch die Frankfurter Kanzlei Freshfields Anfang November soll sich Niersbach daran erinnert haben, dass Beckenbauer ihm nach der Blatter-Wahl gesagt habe: "Der ist auch mit meinem Geld gewählt worden." Der ehemalige Vize-Generalsekretär Stefan Hans berichtete, Beckenbauer habe auf sich gezeigt, als es darum ging, wem Blatter seine Wiederwahl beim FIFA-Kongress in Seoul zu verdanken habe.

Das geht laut Bild aus den Verhörprotokollen hervor. Freshfields äußerte sich auf SID-Anfrage zunächst nicht zu den Protokollen der streng vertraulichen Befragungen, die lange vor dem geplanten Abschluss der Untersuchung im Februar an die Öffentlichkeit gelangten.

Der DFB nahm die Veröffentlichung "mit großem Befremden" zur Kenntnis und stellte klar, dass "weder der Präsidialausschuss, noch das gesamte DFB-Präsidium zu irgendeinem Zeitpunkt Zugang" zu den Protokollen hatten. Es sei eine "äußerst ärgerliche Indiskretion".

20 Millionen Euro oder Franken?

Beckenbauer selbst hatte Ende November eine andere Version der Millionen-Zahlung erzählt. Er wisse nicht, wohin das Geld geflossen sei, "weil ich die Überweisung nicht getätigt habe", hatte Beckenbauer im Sky-Interview bekräftigt.

Die 6,7 Millionen Euro seien "einzig und allein" dafür dagewesen, um einen FIFA-Zuschuss in dreistelliger Millionenhöhe für das Sommermärchen 2006 zu bekommen. So hatte vor seinem Rücktritt auch Niersbach die Geschichte zusammengefasst.

Am Dienstagabend berichtete die Bild, dass in der Vernehmung von Hans eine deutlich höhere Summe genannt wurde. Demnach soll Beckenbauers Intimus Fedor Radmann, von 2001 bis 2003 Vizepräsident des WM-OK, von 20 Millionen gesprochen haben. Ob es sich um Euro oder Franken handelte, sei unklar gewesen.

Das geforderte Geld hatte der verstorbene Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2002 per Darlehen bereitgestellt. Was dann mit dem Geld passierte, ist die entscheidende Frage. Die Rückzahlung könnte drei Jahre später über ein FIFA-Konto gelaufen sein.

Frankfurt und die Schweiz ermitteln

Der DFB hätte die Millionen dann nicht richtig deklariert. Die Frankfurter Steuerfahnder ermitteln, auch die Schweizer Bundesanwaltschaft hat sich eingeschaltet.

Der Ex-Generalsekretär und spätere DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt berichtete laut Bild in seiner Befragung von einem Vier-Augen-Gespräch, dass am 13. Dezember 2001 zwischen Beckenbauer und Blatter stattgefunden haben soll. Den Inhalt kenne Schmidt nicht.

Laut Niersbach habe Beckenbauer bei einem Treffen im August 2015 mit Blick auf den WM-Zuschuss erklärt, dass der, der etwas von der FIFA will, der FIFA auch etwas geben müsse. Blatter wurde am 28. Mai 2002 mit 139:56 Stimmen in seine zweite Amtszeit bestätigt.

Blatter und die FIFA wehren sich

Der Schweizer selbst hatte die DFB-Darstellung im Spiegel-Interview als "absurd" bezeichnet. Der Zuschuss für die deutschen WM-Macher sei "an keinerlei Bedingungen durch die FIFA geknüpft" gewesen. Der Weltverband FIFA äußerte auf SID-Anfrage, dass die "jüngsten Vorwürfe" in Verbindung mit der Vergabe der WM 2006 Teil der internen und unabhängigen Untersuchungen seien.

Die FIFA habe beim DFB alle Aufzeichnungen und Informationen, die mit den Vorwürfen in Zusammenhang stehen, angefordert.

Belastendes Dokument gefunden

Bei ihren Ermittlungen ist die Kanzlei Freshfields zudem angeblich auf ein Dokument gestoßen, das eine Bestechung des verstorbenen FIFA-Exekutivmitglieds Charles Dempsey vor der Abstimmung des Gremiums über den WM-Gastgeber 2006 nahelegt.

Der Neuseeländer hatte vor der entscheidenden dritten Abstimmungsrunde am 6. Juli 2000 aus ungeklärten Gründen den Raum verlassen, Deutschland gewann im Anschluss extrem knapp gegen Südafrika (12:11 Stimmen).

Die Frage, ob aus der Codierung des Papiers zu schließen sei, dass Dempsey am Vorabend der WM-Vergabe 250.000 US-Dollar erhalten habe, verneinte Niersbach. Das Dokument soll eine Vorzimmer-Dame Niersbachs in einem Ordner entdeckt haben. Laut Bild legte Freshfields in den Vernehmungen keine Belege dafür vor.

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