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Gianni Infantino ist Nachfolger von Sepp Blatter
Gianni Infantino ist Nachfolger von Sepp Blatter © Getty Images

FIFA-Präsident Gianni Infantino vermutet, dass im Weltverband bewusst "Märchen" über ihn gestreut werden. Er kritisiert zudem das olympische Fußball-Turnier.

FIFA-Präsident Gianni Infantino vermutet hinter den in den letzten Monaten in der Öffentlichkeit kolportierten Vorwürfen gegen seine Person ein Intrigenspiel seiner Widersacher im Weltverband.

"Dieses Bild schüren ganz bewusst Leute, die durch meine Reformen in Bedrängnis kommen und mich darum angreifen", sagte der 46-jährige Schweizer im Interview mit dem SonntagsBlick.

Der ehemalige UEFA-Generalsekretär weiter: "Denn die Reformen rütteln an den Grundfesten der alten FIFA-Kultur. Die gezielten Attacken von gewissen Leuten gegen mich habe ich unterschätzt und ja, es hat mir auch ein bisschen weh getan."

"Bewusst gestreutes Märchen"

Auf die Frage, wen er hinter den Attacken vermutet, äußerte der Nachfolger seines von 1998 amtierenden Landsmannes Joseph S. Blatter (80): "Ich bin wohl in der schwierigsten Zeit der FIFA gewählt worden. Man hat jahrelang in der FIFA von Reformen gesprochen, aber in erster Linie PR-Übungen gemacht. Als ich aber dann ernst machte, versuchte man mich zu diskreditieren und die Reformen zu untergraben. Wer und warum, fragen Sie? Vielleicht diejenigen, die Angst haben, dass Dinge ans Licht kommen, die früher falsch liefen."

Dass ihm der ehemalige Vorsitzende der unabhängigen Audit- und Compliance-Kommission, der Schweizer Domenico Scala, ein Jahressalär von zwei Millionen Franken vorgeschlagen habe und er dies als Beleidigung abgelehnt habe, dementierte Infantino: "Stimmt nicht. Auch das ist ein bewusst gestreutes Märchen."

Noch keinen Franken Gehalt

Die Wahrheit sei, "dass ich einzig die Vorgehensweise als beleidigend empfunden habe", so der Walliser. Es sei komplett willkürlich gewesen. Es gebe in der FIFA eine Entschädigungskommission. Infantino: "Ich habe erwartet, dass ich mich mit diesen Leuten anhand von Richtlinien und definierten Prozessen über mein Salär unterhalten werde und nicht von Herrn Scala kommentar- und diskussionslos vor vollendete Tatsachen gestellt werde."

Sein Gehalt sei immer noch nicht festgezurrt, so der FIFA-Boss, "aber mein Salär wird unter den kolportierten zwei Millionen Franken sein".

Sobald es feststehe, werde er das auch kommunizieren. Seit seiner Wahl im Februar habe er noch keinen Franken überwiesen bekommen.

Kritik am Olympia-Turnier

Infantino verteidigte nochmals seine Idee, die WM auf 40 statt 32 Teams zu erweitern: "Man hat doch bei der EM mit nun 24 Mannschaften gesehen, dass das gut ist. Wenn man auf der ganzen Welt von 32 auf 40 Mannschaften hochgeht, erreicht man doch das Ziel der FIFA, den Fußball auf der Welt zu entwickelt. So eine Werbung ist doch unbezahlbar."

Als problematisch beurteilt der FIFA-Chef hingegen das olympische Fußballturnier: "Das Turnier ist weder Fisch noch Vogel in dieser Form."

Männerfußball, bei dem primär mit U23-Spielern und ein paar zusätzlichen gespielt wird, "ist keine gute Lösung", so Infantino. Beim olympischen Turnier in Rio de Janeiro hatte Deutschland das Finale gegen Gastgeber Brasilien erreicht und im Elfmeterschießen unglücklich verloren.

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